Banana Yoshimoto: Erinnerungen aus der Sackgasse

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Meine Mutter hat immer gesagt, Schokolade ist Nervennahrung! Wenn es einem nicht gut geht und man was zum Wohlfühlen braucht, dann hilft ein Stück Schokolade und gleich sieht die Welt schon wieder viel besser aus. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen nach „Forrest Gump“ und erklärt sicher auch, warum ich bis heute bei Stress & Co. zu Süßem greife. Aber für mich beschreibt das auch unheimlich gut, welches Gefühl Bücher von Banana Yoshimoto bei mir hinterlassen. Ihre Geschichten sind Nervennahrung. Balsam für die Seele.

Ich habe ja schon oft über Banana Yoshimotos Bücher geschwärmt, wie über Kitchen, Lebensgeister oder Moshi Moshi. Aber für mich fühlt es sich beim Lesen wirklich jedes Mal so an, als ob man in eine Kuscheldecke gewickelt wird. Man einen heißen Tee serviert bekommt und dann noch eine Umarmung. Wenn man es mit einem trendigen Begriff ausdrücken will, könnte man wohl auch “hygge” dazu sagen . Und das, obwohl ihre Themen oft sehr traurig sind. Aber trotzdem hat man nach dem Zuklappen der Buchdecken immer so ein wohlig-warmes Gefühl ums Herz.

So auch in ihrem neuen Buch Erinnerungen aus der Sackgasse, das gleich fünf Kurzgeschichten enthält. Im Nachwort schreibt Banana Yoshimoto davon, dass dies Da gibt es ein Liebespaar, das sich erst für lange Zeit trennen müssen, um am Schluss wieder zusammenzufinden. Verdrängte, traumatische Kindheitserinnerungen, die erst wieder in der Protagonistin hochsprudeln, nachdem sie in ihrer Betriebskantine ein vergiftetes Curry gegessen hat und sich eine Auszeit nimmt. Es geht um ein Mädchen, dass in der Kindheit ihren besten Freund auf tragische Weise verliert. Oder die Geschichte von Mimi, die von ihrem Verlobten ausgenutzt und verlassen wird.

Zu viel zum Inhalt der einzelnen Geschichten will ich gar nicht sagen. Denn der Zauber von Banana Yoshimotos Schreibstil entfaltet sich am besten, wenn man es selbst liest. Das die Autorin immer über Trauriges schreibt, tut dem keinen Abbruch. Irgendwie schafft sie es jedes Mal aufs Neue, diesen Ereignissen einen neuen Storytwist zu geben und als Leser fühlt es sicher immer nach einem “Nach Hause kommen” an. Man weiß, egal wie düster der Tag, wie schwer der Schicksalsschlag und schwer das Leben ist – irgendwie und irgendwann kommt der Moment, in dem Schmerz und Trauer zu etwas Tröstendem werden. Und so haben die vielleicht erst etwas trüb wirkenden Kurzgeschichten von Yoshimoto trotzdem etwas lebensbejahendes in sich. Denn egal wie tief man in der Sackgasse steckt – es wird sich ein Weg hinaus ergeben!

Banana Yoshimoto hat diesem Band sogar ein kurzes Nachwort hinzugefügt, in dem sie schreibt, dass es für sie eines der persönlichsten Bücher geworden ist:

Deshalb sind es wahrscheinlich die persönlichsten Erzählungen, die ich je geschrieben habe – obwohl mir nichts von all dem, was hier beschrieben wird, persönlich passiert ist.

Gleichzeitig stellt sie selbst die Frage, warum sie nur über die schlimmen und traurigen Erlebnisse schreibt. Und dann erklärt sie, dass eben dieses Traurige etwas absolut Notwendiges ist. Beim Lesen der Druckfahne kamen Yoshimoto wohl sogar selbst die Tränen:

doch diese Tränen scheinen, so kommt es mir jedenfalls vor, ein wenig von der Bitterkeit am Grunde meines Herzens weggewaschen zu haben. Ich hoffe inständig, dass es Ihnen ebenso ergangen ist.

Besser kann man die Wirkung von Yoshimotos wundervollen Geschichten wohl nicht in Worte fassen!

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