Elizabeth Gaskell: Cranford

Gaskell Cranford Buchlingreport

Cranford ist eine der bekanntesten Geschichten von der englischen Autorin Elizabeth Gaskell. Gaskell, die von 1810 bis 1865 lebte, ist vor allem für ihre detaillierten Beschreibungen der viktorianischen Gesellschaft bekannt. So auch in Cranford. Hier schreibt Gaskell über das Leben in einem fiktiven englischen Städtchen und über die Erlebnisse seiner fast ausschließlich weiblichen Bewohner. Veröffentlicht wurde die Erzählung übrigens in acht einzelnen Abschnitten im Magazin Household Words, das bei Charles Dickens herausgegeben wurde.

Die Geschichte von Cranford wird aus der Sicht von Mary Smith erzählt. Eine junge Frau, die oft in der Stadt zu Besuch ist und ansonsten auch per Post engen Kontakt zu ihren Bewohnern hält. So bleibt sie auch über den Klatsch und Tratsch der Stadt immer im Bilde – und Getratsche gibt es genug in Cranford. Und das ist irgendwie auch der einzige Inhalt des Buches. Jedes Kapitel berichtet von einer neuen Anekdote. Es gibt also keine wirklich zusammenhängende Story. Nur die Bewohner sind feste Konstanten in diesem Geschehen.

Ansonsten dreht es sich oft um ganz alltägliche Themen: Geldsorgen, das Unverheiratetsein mancher Damen, Teepartys oder Besuche. Das lässt sich alles ganz leicht weglesen und plätschert so vor sich hin. Aber wirklich begeistert hat es mich nicht. Keine der Geschichten konnte mich wirklich unterhalten oder erheitern – auch wenn Gaskells amüsante Anekdoten immer so gelobt werden. Meiner Meinung nach war dieses Buch einfach nur öde und oberflächlich. Und irgendwie hat es mich auch geärgert, dass Mary Smith zum Beispiel nicht genug Mut und Anstand hat, ihre Freundin Miss Matty zu warnen, als es Probleme mit ihrer Bank gibt. Erst im Nachhinein, wenn die arme Miss Matty in Geldsorgen ist, stehen die anderen Damen ihr bei. Dabei hätte Mary Smith ihr Schicksal schon viel früher abwenden können.

Dieses Buch zu lesen fühlt sich an, als ob man eine entfernte Großtante besuchen muss und dann ein ganzes Wochenende ihr und ihren Freundinnen beim Tratschen zuhören muss. Aber eigentlich würde man viel lieber seine eigenen Freunde treffen, rausgehen, etwas erleben. Einfach nur enttäuschend und staubig. Es war mein erstes Buch von Gaskell und ich hatte mich sehr darauf gefreut. Dachte ich doch, dass sich diese Autorin sich in die Reihe von den Bronte-Schwestern und Jane Austen reihen würde, die alle zu meinen Favoriten gehören. Aber ich werde ihr sicherlich noch einmal eine Chance geben, sollen ihre Romane North & South und Wives & Daughters doch ganz anders als Cranford sein.

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