Elizabeth Gaskell: Frauen und Töchter

Ich bin so froh, dass ich Elizabeth Gaskell eine zweite Chance gegeben habe! Vor kurzem erst hatte ich ihren Roman Cranford gelesen. Und der war sowas von langweilig… Aber in meinem Regal lag schon ein weiter, wirklich dicker Roman seit einer gefühlten Ewigkeit herum: Frauen und Töchter. Also habe ich mir einen Ruck gegeben und diesen nun auch in Angriff genommen. Zum Glück! Denn Frauen und Töchter hat mich absolut gefesselt beim Lesen. Hier war wirklich alles vorhanden, was ich bei Cranford so sehr vermisst hatte!

Aber von vorne! Um was geht es denn eigentlich? Molly Gibson ist Halbwaise und wächst bei ihrem Vater, einem Landarzt in einem beschaulichen englischen Dorf auf. Als Molly langsam zur Frau heran wächst und einer der Arztlehrlinge, die beim Doktor mit im Haus wohnen, ihr anfängt heimlich Avancen zu machen, beschließt der Vater, dass es so nicht weitergehen kann. Molly wird zunächst zur Familie Hamley geschickt, ein Adelsfamilie, mit der der Vater bekannt und durch seinen Beruf befreundet ist. Das Ehepaar Hamley nimmt Molly wie eine Tochter auf. Und kurze Zeit später lernt das Mädchen auch die beiden Söhne Osborne, den Erben, und Roger kennen.

Währenddessen plant Dr. Gibson, eine neue Frau zu heiraten, die sich in Zukunft um Molly  und ihre Erziehung kümmern soll. Ziemlich zügig verlobt er sich mit der ehemaligen Gouvernante und Witwe Mrs. Kirkpatrick, die zuvor bei einer weiteren Adelsfamilie in der Nähe des Dorfes lebte. Molly ist absolut getroffen vom Vorhaben ihres Vaters, macht ihm zu Liebe aber gute Miene zum bösen Spiel. Aussprechen darüber kann sie sich bei Roger, der das Mädchen weinend im Wald vorfindet. Und so bildet sich langsam ein zartes Band der Zuneigung. Das ändert sich jedoch, als Mollys neue Stiefschwester eintrifft. Cynthia Kirkpatrick ist jung, hübsch, impulsiv – und so ganz anders als die brave Molly.

Frauen und Töchter ist voll von Treffen zum Tee und ausschweifenden Bällen, voller Romantik, Hochzeiten, heimlicher Liebe, Missverständnissen, und gesellschaftlichen Skandalen. Die über 850 Seiten habe ich wie im Flug verschlungen und war unheimlich traurig, dass die Geschichte dann doch so plötzlich vorbei war. Und dass Ende auch noch kein so richtiges Ende war, weil Elizabeth Gaskell verstarb, bevor sie das Buch abschließen konnte.

Ähnlich wie bei Jane Austen, die ich ja auch so gerne lese, ist Elizabeth Gaskell dabei nie zu kitschig. Stattdessen schwingt bei ihrer Geschichte immer ein Hauch Ironie mit und auch hier finden wir zahlreiche Charaktere, die amüsant-lächerlich sind. Durch Mollys Augen können wir einen Einblick in alle Gesellschaftsschichten des Dorfes erhaschen und fiebern natürlich mit, ob unsere Heldin am Ende ihr Happy End bekommt. Und obwohl Molly immer anständig und artig ist, wirkt sie doch nie langweilig oder kitschig.

Frauen und Töchter ist daher eines meiner absoluten Highlights bisher in diesem Lese-Jahr gewesen. Für Fans von Jane Austen und klassischer englischer Literatur ein absolutes Muss!

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