Jane Austen: Lady Susan

Stolz & Vorurteil, Sinn & Sinnlichkeit, Emma – alles Romane von Jane Austen, die wohl jeder Literaturliebhaber schon einmal gelesen hat. Schließlich zählt Jane Austen zu den berühmtesten Schriftstellerinnen Englands – und der Welt. Aber ihr Briefroman mit dem Titel Lady Susan ist nicht so bekannt, wie die meisten anderen von Austens Werken. Gerade erst rückte Lady Susan aber durch den aktuellen Film „Love & Friendship“ mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle in den Fokus. Damit das ganze auch schön in Austen-Manier daherkommt, wurde der Titel natürlich angepasst. Und das, obwohl die Geschichte so ganz anders ist als die anderen Romane der britischen Schriftstellerin.

Herrlich niederträchtig

Denn nicht nur die Form des Briefromans ist für Austen ungewöhnlich. Auch die weibliche Hauptfigur kommt ganz anders daher als die üblichen Heldinnen: Lady Susan ist arrogant, intrigant, egoistisch und bösartig.  Zwar schrieb Jane Austen früher einmal, dass sie mit ihrer Figur der Emma eine Protagonist geschaffen habe, die niemand außer ihr selbst mögen würde. Aber mit Lady Susan hat sie sich wirklich selbst übertroffen. Dagegen wirkt Emma wie ein kleines unschuldiges Schulmädchen, mit ihrer naiv-besserwisserischen Art.

Lady Susan ist, im Gegensatz zu Emma, nur auf ihr eigenes Wohl bedacht! Frisch verwitwet ist die Dame schon wieder auf Männerfang, liebt es zu flirten und das ohne Rücksicht auf Verluste. So hat sie u.a. eine Affäre mit dem verheirateten Mr. Mainwaring  und spannt einer Dame auch einfach den Verlobten aus, nur um diesen möglichst schnell mit ihrer eigenen Tochter, Frederica, zu verheiraten. Frederica wiederum will den Mann gar nicht heiraten, wird aber von ihrer Mutter nicht ernst genommen, als dumm, unattraktiv und einfältig hingestellt. Überhaupt sind der Lady Muttergefühle scheinbar ein Fremdwort.

Mit ihrem Verhalten fällt sie so negativ auf in der Gesellschaft, dass sie sich zu ihrem Schwager (dem Bruder ihres verstorbenen Mannes) Charles Vernon und dessen Familie aufs Land zurückzieht. Die Familie ist natürlich überhaupt nicht begeistert. Denn sie wissen doch alle um den schlechten Ruf ihrer angeheirateten Verwandten. Außerdem wollte Lady Susan verhindern, dass Vernon seine Frau Catherine heiratet. Nach ihrer Ankunft versucht Susan dann auch noch Reginald, den Bruder von Catherine, um den Finger zu wickeln – schließlich wird er einmal ein großes Vermögen erben. So bringt die feine Dame einigen Aufruhr in das sonst so sittsame Haus

 Gefährliche Liebschaften

Mich hat die Geschichte um Lady Susan beim Lesen sehr an Choderlos de Laclos Gefährliche Liebschaften erinnert, das ja auch nur gut zehn Jahre älter ist als Austens Briefroman. Dort steht ja auch eine unsittliche Marquise, die mit ihren zahlreichen Verführungen die bessere Gesellschaft durcheinander wirbelt. Die Marquise vertraut ihre Intrigen einem (ebenfalls umtriebigen) Mann an, mit dem sie eine Wette abschließt und ein junges Mädchen ins verderben stürzen will. Bei Lady Susan ist die Vertraute eine gute Freundin, die sie in ihre Affären und Intrigen einweiht und die auch kein Kind von Traurigkeit zu sein scheint. Das junge Mädchen in Nöten ist in diesem Fall Susans eigene Tochter, die an einen schrecklichen Ehemann verheiratet werden soll.

Die Geschichte hat dadurch natürlich keine neue, unheimlich ausgefallene Storyline. Trotz allem ist die Lektüre unheimlich kurzweilig, weil es eine ganz andere und trotzdem die gute, alte Austen ist, die ich so schätze. Die neuen Punkte habe ich ja schon ausführlich beschrieben. Aber natürlich ist in dem kleinen Büchlein auch Austens berüchtigte Ironie zu finden, die ich so gerne mag – und hier ist sie sogar noch ausgeprägter als in den späteren Werken. Austen-Einsteigern würde ich trotzdem eines der bekanntere Werke empfehlen, die für mich einfach von der Storyline runder sind.

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2 Antworten

  1. huhu,

    tatsächlich kannte ich dieses Werk von Austen gar nicht. Es hört sich aber interessant an. Wenn man es jetzt mit Emma vergleicht, das ich ja überhaupt nicht mochte, würde mich interessieren, ob denn die Protagonistin in Lady Susan auch so unsympathisch ist? Emma konnte ich ja absolut nicht leiden und dass bei diesem Buch auch fast nichts von der Umgebung geschildert wird, machte es leider nicht besser. Mein Lieblings-Austen-Buch ist Northanger Abbey, hast du das schon gelesen? LG

    • Hey Tinka 🙂

      Ohje, du mochtest Emma schon nicht? Dann könnte es mit Lady Susan schlecht aussehen. Ich mochte Emma sehr. Aber Lady Susan ist schon noch einen Zacken schärfer. Sie ist wirklich gemein, egoistisch und nur auf ihren Vorteil bedacht. Emma dagegen ist ja nur naiv, will eigentlich nichts böses, sonder stellt sich nur etwas doof an.

      Und: na klar kenn ich Northanger Abbey. Das ist auch mein Lieblingsbuch von Austen 🙂 Schön, dass es dir auch so geht. Am Anfang unserer Blogger-Zeit habe ich Catherine Morland sogar als „Alter Ego“ genutzt 🙂

      LG
      Britta

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