Frances Burney: Evelina

Jane Austen, George Eliot und die Bronte Schwestern – die kennt wohl jeder, der sich für englische Klassiker und romantische Romane interessiert. Doch Frances Burney kennen die wenigstens. Dabei gilt die englische Autorin quasi als Vorbild für diese großen Schriftstellerinnen, die nach ihr kamen und wurde z.B. von Jane Austen auch sehr verehrt.

Den großen Durchbruch hatte Burney mit ihrem Erstlingsroman Evelina, der ganz 33 Jahre vor Austens Sense und Sensibility erschien. Die Heldin Evelina wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei einem befreundeten Pfarrer auf, der sie als Ziehkind annimmt. Denn Evelinas leiblicher, adeliger Vater leugnet die Ehe mit ihrer Mutter und so hat die junge Frau nicht nur keine Familie, sondern auch keinen Penny und keinen Namen.

Abgeschieden von der Welt wird Evelina auf dem englischen Land langsam erwachsen. Mit 17 erhält sie die Möglichkeit mit der Familie einer Freundin das erste Mal nach London zu reisen. Hier lernt sie die High Society kennen, findet sich plötzlich auf Bällen und Abendgesellschaften wieder und hat natürlich schnell eine Reihe von Verehrern.

Doch aufgrund ihrer einfachen Erziehung fällt es Evelina nicht immer leicht die Etikette einzuhalten und tritt oft in gesellschaftliche Fettnäpfchen, bringt sich selbst in Schwierigkeiten oder ist dabei sich fremd zu schämen. Denn hier muss sie lernen, dass die echte Welt nicht immer so ist, wie sie es in ihrer idyllischen Bubble beim Pfarrer auf dem Lande gelernt hat.

Und dann taucht auch noch ihre französische Großmutter auf, die versucht Evelina an sich zu reißen und endlich ihr Geburtsrecht und das dazugehörige Vermögen einfordern will. Um die romantische Geschichte abzurunden, darf natürlich auch der adelige Verehrer a la Mr. Darcy nicht fehlen, der bei Frances Burney Lord Orville heißt.

Jane Austen vs. Frances Burney

Im Gegensatz zu Jane Austen und ihren clever-ironischen Erzählern nutzt Frances Burney die damals noch so beliebte Form des Briefromans. Überwiegend stammen die Zeilen aus der Feder von Evelina und wir können durch ihre naiven Augen auf die Londoner Gesellschaft mit all ihren schillernden und skurrilen Charakteren blicken. So kreiert Burney eine spannende Gesellschaftsstudie des damaligen Englands. Und da sind so einige bunte Papageien und verschrobene Pfauen dabei.

Frances Burney hat zwar nicht so eine scharfe Zunge wie Austen. Aber man kann schon gut nachvollziehen, warum Austen ein Fan von ihr war und entdeckt viele Parallelen. Beim Lesen konnte ich mir Evelina auch total gut als Verfilmung mit Keira Knightley oder einer ähnlichen Schauspielerin vorstellen.

Wer also Austens Romane und Verfilmungen liebt, sollte unbedingt auch einmal Frances Burney zur Hand nehmen. Eine absolute Leseempfehlung für diesen Klassiker.

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