Celest Ng: Unsere verschwundenen Herzen

„Unsere verschwundenen Herzen“ ist das dritte Buch von Bestseller-Autorin Celeste Ng. Für mich war es dagegen der erste Roman von Ng. Nachdem ihre ersten beiden Geschichten so gehypt wurden, wollte ich mich endlich selbst überzeugen, wie gut Celeste Ng schreiben kann.

In diesem Roman nimmt Ng die Leser mit in eine dystopische Version der USA. Nach Wirtschaftskrisen und Unruhen scheint das Land wieder zur Stabilität gefunden zu haben. Doch der Schein trügt. Denn mithilfe des über alles geltenden Gesetz „PACT“ (Preserving American Culture and Traditions Act) werden die Bürger drangsaliert und schikaniert. Vor allem natürlich diese, die als „unamerikanisch“ gelten. Bücher werden verbannt, Nachbarn denunziert und Kinder aus ihren Familien gerissen.

So ähnlich ergeht es auch dem 12jährigen Noah, genannt Bird. Er lebt gemeinsam mit seinem Vater auf dem Campus der Harvard Uni. Seine Mutter musste die Familie verlassen und untertauchen. Denn als chinesisch-amerikanische Schriftstellerin gilt sie als systemfeindlich. „Unsere verschwundenen Herzen“ war ein Gedicht der Mutter und wird zum Slogan der Anti-PACT-Bewegung.

Drei Jahre lang hat Bird kein Wort oder Lebenszeichen von seiner Mutter gehört. Doch dann findet der Junge einen Brief von ihr, fängt an Fragen zu stellen und macht sich schließlich auf die Suche nach seiner Mutter, um herauszufinden, warum sie ihn damals einfach zurückließ.

“Report der Magd” meets “Schnee der auf Zedern fällt”

Celeste Ng zeichnet in ihrem Roman eine Welt, die gar nicht so abwegig ist. Es gibt zahlreiche Parallelen zu unserer derzeitigen Situation. Die aktuelle Inflation, der Ukraine-Krieg und eine Pandemie lassen Dystopien auf einemal nicht mehr so abwegig erscheinen. Und auch der Anti-Asiatische-Rassismus hatte während der Corona-Krise absolute Konjunktur. Wurde das Virus doch oft als „Asiatisches Virus“ beschrieben, Menschen mit asiatischen Wurzeln deshalb angefeindet und ausgegrenzt.

PACT erinnert zudem auch sehr an die Politik von Trump und seine „America First“ Parolen, die auch nicht davor zurückschreckten, Einwandererfamilien auseinander zu reißen und kleine Kinder von ihren Eltern zu trennen.

Gleichzeitig schildert Celeste Ng, dass es auch in diesen trüben Zeiten Grund zur Hoffnung gibt. Denn Widerstand gegen das System schweißt zusammen. Liebe und Hoffnung sind immer noch die stärksten Gefühle in den Menschen. Auch der Literatur schreibt Ng eine ganz besondere Rolle zu und Bibliotheken werden zu Orten der Zuflucht.

Mich erinnerte „Unsere verschwundenen Herzen“ an eine Mischung aus Atwoods „Report der Magd“ und „Schnee der auf Zedern fällt“. Dabei schafft Ng es gekonnt, die furchtbare harte Welt ihrer Dystopie mit ihren feinfühligen Stil zu kombinieren und unheimlich starke, mutige und inspirierende Charaktere zu entwickeln. Mich hat der Roman auf jeden Fall neugierig auf die anderen Bücher von Ng gemacht.

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