David Guterson: Schnee, der auf Zedern fällt

„Schnee, der auf Zedern fällt“ ist der Debutroman des amerikanischen Autors David Guterson – und damit landete er sofort einen Welthit. Das Buch aus dem Jahr 1994 wurde auf 30 Sprachen übersetz, wurde über 4 Millionen Mal verkauft und 1999 auch gleich verfilmt. Aufgrund des Klappentextes ist man schnell dazu verleitet, dass es sich hierbei um einen Krimi handelt. Aber „Schnee der auf Zedern fällt“ ist so viel mehr! Ein Insel-Roman. Ein Nachkriegsroman. Ein Gesellschaftsroman. Eine Liebesgeschichte. Aber auch eine Geschichte über Rassismus und Vorurteile und wie schwer Menschen sich davon abbringen lassen – und damit ist der Roman von Guterson immer noch brandaktuell!

1954. Der Fischer Carl Heine wird eines Tages morgens mit einer großen Kopfwunde und unter Wasser verheddert in seinen Fischernetzen tot aufgefunden. Zunächst glauben alle auf der kleinen Insel San Piedro an einen Unfall. Aber schnell tobt die Gerüchteküche und die Vorurteile brodeln. War es doch Mord? Verhaftet und angeklagt wird schließlich Kabuo Miyamoto. Er ist Amerikaner, aber mit japanischen Wurzeln – und soll Heine (der Deutsche vorfahren hat) aus Rache umgebracht haben. Denn die beiden Familien haben sich jahrelang um ein Stück Land gestritten. Die Familie Miyamoto wollte es den Heines abkaufen, eine Ratenzahlung fehlte noch – doch dann kam Pearl Habour. Alle Einwohner mit japanischen Wurzeln wurden interniert. Und so konnten die Miyamotos ihre Rechnung nicht begleichen. Auch Jahre später ist der Zwist um das Grundstück nicht geklärt – und gilt als guter Grund für einen Mord.

Einfühlsamer Erzähler

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Journalisten Ishmael Chambers. Er selbst war viele Jahre lang in Hatsue verliebt, die inzwischen die Frau des Angeklagten ist. In zahlreichen Rückblicken in seine Kindheit schildert Chambers seine langsam aufkeimende Liebesbeziehung zu Hatsue, die Probleme, die den beiden damals schon gegenüber standen und die es verhinderten, dass die beiden glücklich wurden. Parallel erfahren wir so durch die Augen Chambers die Geschichten rund um die anderen Inselbewohner und ihre Streitigkeiten. Wir erleben, wie der Zweite Weltkrieg aufkeimt. Wie die Amerikaner die japanischen Einwanderer vor und nach Pearl Harbour behandeln.

„Schnee, der auf Zedern fällt“ ist eine langsame Geschichte, die sich stetig entfaltet. Trotzdem merkt man, dass die Emotionen brodeln unter hinter den Buchstaben – so wie eben auch die Vorurteile in den Köpfen der Figuren schwelen. Guterson hat ein gutes Gespür dafür, diese Stimmung in Worte zu fassen und schildert das Inselleben mit viel Einfühlungsvermögen und Detailliebe. Dabei beschreibt der Guterson das Kriegsgeschehen, die Liebesgeschichte und auch den eigentlichen Krimi, um den Mord an Carl Heine, trotz allem sehr nüchtern und sachlich. Hier finden sich keine Gefühlsduselein. Kein romantischer Kitsch. Aber auch keine sensationsheischenden Actionszenen. Fast möchte man schon meinen, dass der Stil des Romans „Understatement“ ist.  

Gerade bei dem langsam winterlich werdenden Wetter kann man es sich mit Guterson Roman schön daheim bequem machen und sich den Schilderungen über Miyamoto, Heine und die um sie tobenden Schneestürme bequem machen. Mir hat die Lektüre unheimlich gut gefallen und ich kann euch dieses Buch wirklich sehr ans Herz legen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass mit der #blacklivesmatters Bewegung, den anhaltenden Flüchtlingsströmen und dem Drama um das Flüchtlingslager Moria  die Thematik überall auf der Welt noch brandaktuell ist.

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