Amelie Nothomb: Der belgische Konsul

Ich liebe Amelie Nothombs Bücher! Die belgische Autorin hat einen so herrlichen, sarkastischen Stil! Die meisten ihrer Bücher beschreiben Episoden aus ihrem tatsächlich sehr faszinierenden Leben. So hat sie beispielsweise ein Buch ihrem japanischem Verlobten gewidmet. Ein anderes handelt von einer skurrilen Freundschaft und der Kunst, Champagner zu trinken. In „Der belgische Konsul“ hat Nothomb nun ihrem Vater ein literarisches Denkmal gesetzt! Und dessen Leben steht dem seiner Tochter in nichts nach.

Patrick Nothomb war als Konsul des belgischen Staates u.a. i1964 in Stanleyville stationiert. Die Stadt war während der Simba-Rebellion Schauplatz eines großen Massakers. Der Kongo hatte Anfang der 60iger Jahre als belgische Kolonie seine Unabhängigkeit erreicht. Erst wurde das Land von Patrice Lumumba regiert. Nach einem Putsch dann von Moise Tschombe. Diesen wollten die Simba mit aller Gewalt stürzen.

Mittendrin in dieser Rebellion: Patrick Nothomb. Er wurde von den Rebellen als Geisel genommen. Er versucht mit ihnen zu verhandeln, die Leben der anderen Geiseln zu retten und Zeit zu schinden, damit die belgische Armee sie befreien kann. Dass die Lage ernst ist, wird gleich auf den ersten Seiten klar: Patrick steht vor einem Erschießungskommando und sieht sein Leben an sich vorbeiziehen.

Sprung nach Belgien 1936: Patrick wird als Kind gut betuchter Eltern geboren. Sein Vater stirbt ein Jahr nach der Geburt. Und die Mutter macht sich nicht viel aus dem Kind, sondern ist lieber auf Bällen und Soireen unterwegs. Deshalb wächst Patrick vor allem bei seinen Großeltern mütterlicherseits auf. Ein Besuch bei der väterlichen Verwandtschaft soll den Jungen, der kein Blut sehen kann, abhärten. Denn die Nothomb’sche Sippe lebt ein anderes Leben: Großvater Pierre ist erfolgloser Schriftsteller, der seine Familie mit zahlreichen Kindern kaum durchfüttern kann. Zwischen den Kindern herrscht etwas Survival of the fittest Mentalität. Aber dennoch sind sie herzlich und Patrick erfährt hier die Liebe und Nähe, die er bei seiner Mutter immer so vermisst.

Amelie Nothomb zeichnet in ihrem Buch ein sehr einfühlsames und inniges Familienportrait ihrer Vorfahren. Nicht nur das faszinierende Leben ihres Vaters präsentiert sie und die tragischen Seiten der Rebellion , sondern schafft auch zärtliche Einblicke in die Seele und die Emotionen eines Kindes und jungen Mannes, der an allen Fronten um Liebe kämpft.

Wer Amelie Nothombs spitze Zunge mag, wird hier überrascht: Denn es ist – trotz der grausamen historischen Umstände – ein sehr einfühlsamer Roman. Nur zu Beginn scheint ihr bekannter Sarkasmus durch. Dennoch habe ich das Buch förmlich eingesogen. Das aufregende Leben von Patrick Nothomb hat mich absolut fasziniert! Ich musste nach dem Lesen mich erst einmal schlau machen über den Aufstand der Simba.

„Der belgische Konsul“ ist ein Buch, das auf vielen Ebenen berührt. Und das wieder einmal zeigt, was für ein Talent seine Autorin besitzt, die sich bei jedem Werk scheinbar neu zu erfinden scheint.

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