Amélie Nothomb: Der japanische Verlobte

Der japanische Verlobte

Die junge Amélie kehrt mit Anfang 20 nach Japan zurück, dem Land, das sie noch aus frühester Kindheit kennt. Sie will sich als Französischlehrerin durchschlagen. Ihr erster Privatschüler ist der Student Rinri, der anfangs so schlecht französisch spricht, dass sie ihn kaum verstehen kann. Nach den ersten Unterrichtsstunden lädt Rinri sie immer öfter zu anderen Aktivitäten ein, Museumsbesuchen, Abenden bei Freunden, Ausflügen… Rinri ist anfänglich sehr reserviert, typisch Japanisch eben, doch unter dieser Fassade hat er sich schwer in Amélie verliebt. Sie hingehen findet ihn nett und attraktiv – von Verliebtheit keine Spur. Trotzdem lässt sie sich auf ihn ein und die beiden werden ein Paar, sehr zum Bedauern von Rinris Familie. Amélie geht es gut und sie profitiert von Rinris wohlhabender Familie.

Rinri bringt Amélie nach und nach die japanische Kultur wieder nahe, die sie noch teilweise von ihrem japanischen Kindermädchen kennt. Sie fühlt sich frei und wohl. Die Monate vergehen. Doch dann setzt sich Rinri die Idee in den Kopf, Amélie zu heiraten. Auf einer Reise über Weihnachten macht er ihr einen überaus romantischen Antrag. Der Gedanke, sich mit Anfang 20 schon so fest zu binden, versetzt sie in Angst und Schrecken. Wie kommt sie diplomatisch aus dieser Situation heraus ohne Rinri zu verletzen? Dieser stellt ihr hartnäckig immer und immer wieder die alles entscheidende Frage. Und dann passiert Amélie ein großer Fehler! Völlig übermüdet sagt sie im Halbschlaf zu Rinri nein, als dieser sie fragt, ob sie ihn wirklich nicht heiraten wolle. Die doppelte Verneinung führt dann zum ja… das geht Amélie zu spät auf und ist fast schon komisch.

Das Ende einer ungewollten Verlobung

Ein neuer, sehr anstrengender Job nimmt sie dann so in Beschlag, dass sie die Verlobung verdrängt und auch für Rinris drängen, die Hochzeit zu planen, die perfekte Ausrede hat. Sie sieht den einzigen Ausweg ohne großes Theater aus der Nummer herauszukommen darin, nach Hause zu ihrer Schwester in Belgien zu reisen. Sie bucht nur den Hinflug und weiß von Anfang an, dass sie nicht nach Japan zurückkommen wird. Rinri, der wie ein treudoofer Hund, ständig mit ihr in Kontakt tritt und fragt, wann sie zurückkommt, kapiert erst nach einer Weile, dass das nicht passieren wird. Er versteht endlich den Bruch und meldet sich daraufhin nicht mehr. Amélie schreibt währenddessen ihr erstes Buch. Als dieses erscheint und sie eine Lesung in Japan hält, treffen sie ganz überraschend wieder aufeinander!

Die Art und Weise wie sich Amélie aus dem Staub macht, ist wirklich ganz furchtbar. Ich hatte echt Mitleid mit Rinri, der mir irgendwie wie ein anhänglicher Labrador vorkam. Ich finde es daher gut, dass das Buch eine runden Abschluss findet, indem die beiden Jahre später wieder aufeinandertreffen. Rinri bekommt dadurch seine Würde zurück und Amélie zeigt endlich Reue für ihr Verhalten.

Die Geschichte ist super schnell gelesen und hat viele ganz tollen Szenen, die fast schon ein wenig philosophisch sind, zum Beispiel die Besteigung des Fuji und eine weitere Bergwanderung. Die für uns Europäer fremde japanische Kultur und die japanische Reserviertheit bringen eine gewisse Ruhe, Spannung und Kraft in den Text.

 

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