Margaret Atwood: Der blinde Mörder

Margaret Atwood hat mich mit ihrem Report der Magd unheimlich begeistert. Unbedingt wollte ich mehr von dieser Autorin lesen. Und so griff ich vor einiger Zeit zu ihrem Roman „Der blinde Mörder“. Vor einiger Zeit ist dabei vielleicht etwas untertrieben. Denn ich habe wirklich ewig gebraucht, um das Buch auszulesen. Immer wieder musste ich es weglegen. Anderes zwischen lesen. Wieder anfangen. Gelangweilt unterbrechen. Bis ich mir nun endlich ein Herz genommen und den Roman ausgelesen habe. Vielleicht war es nicht der richtige Moment, als ich mit der Lektüre begonnen haben. Denn das Ende kam mir irgendwann weniger zäh vor als der Anfang. Aber trotzdem bleibt etwas ein Gefühl der Qual zurück, wenn ich daran denke, welche Startschwierigkeiten ich mit diesem Buch von Atwood hatte.

In „Der blinde Mörder“ schildert Atwood das Schicksal von Iris Griffen, geborene Chase, die als alte Frau auf ihr Leben zurückblickt. Iris und ihre Schwester Laura wachsen behütet in einer kanadischen Kleinstadt in den 1920igern auf. Ihr Vater ist Besitzer einer Knopffabrik, angesehener Unternehmer, den Schwestern fehlt es an nichts. Bis die Wirtschaftskrise einsetzt, der Vater Mitarbeiter entlassen muss. Es kommt zu Streiks, Gewerkschaften wollen sich bilden. Der Vater sieht keinen Ausweg, die Familie steht kurz vor dem Bankrott. Also opfert sich Iris und heiratet den Jungunternehmer Richard Griffen.

Doch die Ehe ist schrecklich. Die beiden haben eigentlich nichts gemeinsam. Über allem wacht Richards Schwester Winifried, die in der Familie den Ton angibt. Iris muss sich Winifrieds Anweisungen fügen. Nach außen sieht die Familie ach so perfekt aus, doch nach innen ist alles zerrüttet. Auch das Verhältnis der Schwestern Iris und Laura ist schwierig. Beide scheinen so unterschiedlich zu sein, verlieben sich in ihrer Jugend aber doch in den selben Mann. Iris ist die Verantwortungsbewusste, die sich pragmatisch für ihre Familie opfert und ihre Rolle spielt. Laura sehnt sich nach Freiheit und Selbstbestimmung – endet aber tragisch bei einem Autounfall.

Dies ist kein Spoiler, denn Lauras Tod ist gleich von der ersten Seite präsent. Über allen schwebt die Frage: hat sie sich selbst umgebracht oder war es ein Unfall? Parallel dazu ist in die Geschichte ein Manuskript eingewoben. Angeblich ein Roman, den Laura geschrieben haben soll, mit dem Titel „Der blinde Mörder“. Doch hat wirklich Laura diese Geschichte verfasst? Oder war es jemand anderes?

Die Geschichte um Laura und Iris fand ich an sich eigentlich sehr spannend. Womit ich so gar nicht warm geworden bin, sind die Manuskripteinschübe, die teilweise im wahrsten Sinne des Wortes sehr spacig waren. Das hat mir das einfinden in das Buch unheimlich schwer gemacht. Immer, wenn ich mich in der Handlung “Zuhause” gefühlt habe, wurde ich wieder rausgerissen. Vielleicht war das Atwoods Absicht? Vielleicht habe ich mir nicht genug Mühe gegeben, mich in die vielschichtigen Ebenen der Handlung einzufinden? Bleiben tut aber das Gefühl, dass mich die Lektüre des Romans irgendwie viel Kraft und Nerven gekostet hat. Ständig habe ich das Buch in die Hand genommen und schnell wieder weggelegt. Aber da ich Geschichten so ungerne abbreche, habe ich es am Schluss dann doch durchgezogen.

Trotz allem würde ich dieses Buch Atwood-Neulingen definitiv nicht ans Herz legen. Den Report der Magd fand ich unfassbar toll. Dieses hier einfach nur mühsam.

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