Edna O’Brien: Die Glückseligen (Country Girls Triologie Band 3)

Edna OBrien Glückseligen Buchlingreport

Die Glückseligen – was für ein vielsagender Titel für den dritten Band über die Freundschaft zweier Mädchen. Möchte man meinen. Doch was einen zwischen den Buchdeckeln des dritten Bands der Country Girls Triologie von Edna O’Brien erwartet ist alles andere als ein glückliches Leben oder Ende für ihre zwei Heldinnen. Fast schon möchte man der Autorin böse Absichten unterstellen oder bitterböse Ironie.

Aber auch sonst unterscheidet sich das Buch sehr von seinen Vorgängern. Zum ersten Mal hören wir Teile der Geschichte aus Babas Sicht. Die Freundin, die im zweiten Band  der Country Girls streckenweise schon fast verschwunden schien, kommt nun sogar als Ich-Erzähler zu Wort. Die Perspektive wechselt nun immer wieder zwischen den beiden – inzwischen muss man schon – Frauen sagen. Ohne zu viel zu verraten, versuchen die beiden immer noch ihr persönliches Glück zu finden. Oder – wie es im englischen Titel des Buches lautet: das eheliche Glück (The Girls in their married bliss).

Kate ist inzwischen mit Eugene verheiratet und die beiden haben einen Sohn. Doch die Ehe läuft nicht gut. Sodass sich Kate in eine Affäre mit einem verheirateten Mann stürzt. Eugene entdeckt den Betrug bald und die beiden trennen sich, was Kate mal wieder in eine große Sinn- und Lebenskrise fallen lässt. Baba wiederum hat sich inzwischen einen reichen Bauunternehmer namens Frank geangelt. Finanziell ist sie also abgesichert, aber auch in dieser Ehe läuft es nicht gut. Baba wird nicht schwanger, der eheliche Sex ist furchtbar und Frank neigt zu Wutausbrüchen, in denen er Baba immer wieder schlägt. Auch sie flüchtet sich deshalb in die Arme eines anderen Mannes – und wird schließlich schwanger von ihm.

Obwohl ich zu Beginn der Reihe Baba noch als verbissen und unsympathisch empfunden habe, ist sie mir mit der Zeit immer mehr ans Herz gewachsen. Ich mochte ihre pragmatisch-zynische Art immer mehr. Sie versucht aus jeder Situation das beste zu machen und ist immer bereit, nach einem Ausweg zu suchen. Kate wiederum hat über die Bücher und Jahre immer mehr in ihrer romantisch-verklärten Art verloren. Ständig hat die Gute hysterische Anfälle, in denen sie richtig aufgeht und sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden muss deshalb. Am liebsten hätte ich sie geschüttelt und ihr gesagt, dass sie sich mal zusammen reißen soll.

Aber Edna O’Brien zeichnet dadurch natürlich auch eindrücklich, wie unterschiedlich die Charaktere mit dem Kampf um ihre Freiheit und Selbstbestimmung umgehen bzw. was diese Schicksale und der Einfluss der Menschen aus ihnen machen. Die starke Baba steckt nie den Kopf in den Sand und lässt sich von keinem Hindernis von ihrem Weg abbringen. Seien es ihre Eltern, ihre Liebhaber, die Religion oder ihr Ehemann. Kate hingegen hat auf ihrem Weg immer auf andere verlassen. Meist war es Baba, die für beide kämpfen musste, aber auch Eugene, ihre Mutter oder Bekannte aus dem Dorf mussten immer für Kate eine Lösung bereithalten.

Viel diskutiert ist wohl auch der Epilog, der in dieser Ausgabe enthalten ist. Die ersten Ausgaben der Reihe erschienen wohl ohne diesen Zusatz, der erst 1986 hinzugefügt wurde – und der Geschichte ein anderes Ende gibt. Viele argumentieren, dass Kates Ausgang, den ich hier nicht verraten werde, unrealistisch sei und nicht passen würde. Für mich schließt sich hier aber der Kreis, indem Edna O’Brien den Bogen zurück zum ersten Band schlägt und das Schicksal von Kate mit dem ihrer Eltern verknüpft.

Auf jeden Fall hält der dritte Band der Country Girls Triologie noch viele Überraschungen und Schicksalsschläge für seine Leser bereit, sodass das Lesen der Reihe nie langweilig wird. Und gerade in diesem Jahr, wo wir in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern, sollten uns doch sehr bewusst sein, dass unsere Rechte und Freiheiten eben doch noch gar nicht so alt und selbstverständlich sind, wie wir manchmal glauben.

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