Edna O’Brien: Das Mädchen mit den grünen Augen (Country Girls Triologie Band 2)

O'Brien Mädchen grüne Augen Buchlingreport

Nachdem ich den ersten Band der Country Girls Triologie vor einigen Wochen verschlungen habe, musste nun ganz schnell der zweite Teil „Das Mädchen mit den grünen Augen“ folgen. Schließlich hörte der erste Teil von Edna O’Briens Reihe mit so einem gemeinen Cliffhanger auf, das einem auch quasi gar nichts anderes übrig bleibt, als weiter zu lesen.

Band 2 setzt auch gleich da ein, wo der erste aufhörte. Aus Spoiler-Gründen sollte also ab hier nicht weitergelesen werden, wenn die Geschichte lieber selbst noch lesen wollt. Kate war kurz davor mit ihrem Liebhaber Mr. Gentleman durch zu brennen und mit ihm in die Schweiz zu fahren. Doch Mr. Gentleman taucht nicht auf und die arme Kate ist am Boden zerstört.

Inzwischen sind Kate und ihre Freundin Baba bereits zwei Jahre in Dublin und schlagen sich dort durch. Kate arbeitet in einem kleinen Laden. Und Abends ziehen die beiden Mädchen um die Häuser, tanzen, feiern und reißen Männer auf, um sich von ihnen aushalten zu lassen. Die pragmatische Baba ist dabei wenig skrupellos. Aber Kate ist immer noch eine kleine Romantikerin, glaubt an die große Liebe, daran, dass ihr Prince Charming kommen und sie retten wird. Und für diesen will sie sich aufsparen!

Kurz darauf lernen die beiden den amerikanischen Filmregisseur Eugene Gaillard kennen. Kate verguckt sich schnell in den wesentlich älteren Mann. Die beiden treffen sich immer wieder und schnell entwickelt sich quasi eine Beziehung zwischen den beiden. Und das, obwohl Eugene noch mit einer amerikanischen Malerin namens Laura verheiratet ist und eine dreijährige Tochter mit ihr hat, die beide noch in Amerika leben. Ein Skandal! Nicht nur das Ehepaar, dass den Laden leitet, in dem Kate arbeitet, und ihre befreundete Vermieterin sind entsetzt. Als Kates alkoholkranker Vater von der Beziehung erfährt, stürmt er los und seine Tochter zu retten, holt sie nach Hause in ihr Heimatdorf. Und auch dort sind alle entsetzt über das Verhalten des Mädchens. Gibt es für Eugene und Kate noch eine Hoffnung zusammenzufinden?

Schon wie im ersten Band schildert Edna O’Brien hier die Lebensumstände von Frauen im katholischen Irland der 50iger Jahre. Für viele junge Leser heute vielleicht kaum noch vorstellbar, mussten sich Frauen damals vollkommen dem Patriachat und den Regeln der Kirche unterwerfen. In deren Augen ist Kates Verhalten ein Skandal. Vater und Kirche sagen ihr, dass sie Abbitte leisten soll und zu ihrem Glauben zurückfinden. Dabei spielt es keine Rolle, dass Kates Vater eigentlich ein Tyrann ist, Alkoholiker, ständig das Geld versäuft und sich ständig prügelt. Dagegen geht niemand im Dorf vor, obwohl es alle wissen. Nein, die Skandalnudel bleibt Kate – die eigentlich nur auf der Suche nach Freiheit, Liebe und Selbstverwirklichung ist.

Aber in der damaligen Gesellschaft gibt es nur schwarz oder weiß: Verheiratet oder eben nicht. Und das „nicht“ ist gegen die Regeln! Für seine Zeit war Edna O’Briens Geschichte also unheimlich modern und revolutionär, obwohl das Buch aus unserer heutigen Sicht recht harmlos daher kommt. Für uns Leser heute ist es völlig selbstverständlich, dass 21-jährige Mädchen in Dublin feiern und ihren Spaß haben wollen. Aber damals war das völlig undenkbar. Ihre Aufgabe war es zu heiraten, Kinder zu bekommen und den Haushalt zu führen. Eine eigene Meinung gibt es nicht. Und Sex vor der Ehe schon mal gar nicht! Kein Wundern, dass auch die Liebesszenen zwischen Kate und Eugene, die immer mehr an Intensität zunehmen, einen Skandal hervorriefen zu Edna O’Briens Zeit. Der Aufschrei war so groß, dass in Irland ihre Bücher sogar von Priestern verbrannt wurden.

Was mir ein bisschen fehlte, war Babas Sicht der Dinge bzw. was ihr so widerfährt. Klar, spielt sie immer noch eine Rolle und auch sie ist in ein paar heikle Situationen verwickelt. Aber ich hätte gerne mehr von ihr erfahren und wie es ihr in der Zeit erging, in der Kate mit Eugene zusammen war. Auch wenn mir Baba im ersten Band noch etwas unsympathisch war, habe ich sie mit ihrer pragmatisch-direkten Art beim Lesen doch irgendwie „lieb gewonnen“ und habe sie schon etwas vermisst im Laufe der Handlung. Aber vielleicht hat der dritte und letzte Band ja wieder etwas mehr Baba zu bieten.

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