Edna O’Brien: Die Fünfzehnjährigen (Country Girl Triologie Band 1)

Fünfzehnjährigen Edna O'Brien Buchlingreport

Innerhalb von drei Wochen hat Edna O’Brien ihren ersten Roman „Die Fünfzehnjährigen“ und damit den ersten Teil der Country Girls Reihe aufs Papier gebracht. Und damit hat die damals 30jährige Autorin im erz-katholischen Irland für einen Aufschrei gesorgt! Ihre Bücher wurden verboten, waren verpönt und wurden sogar öffentlich verbrannt in ihrem Heimatland! Aber zum Glück wurde die Geschichte um die beiden Freundinnen Kate und Baba im Ausland besser aufgenommen. Dort nahm man nicht so großen Anstoß daran, dass O’Briens Heldinnen ihre Sexualität für die damaligen Verhältnisse recht freizügig ausleben.  Von Literaturkritikern wird die Triologie als „einer der berühmtesten und berüchtigsten, meistgelesenen und einflussreichsten irischen Romane des 20. Jahrhunderts“ gelobt.

Wir lernen die Welt aus den Augen von O‘ Briens Protagonistin Kate kennen. Das junge Mädchen wächst in einem kleinen irischen Dorf auf, wo ihre Mutter und sie immer auf der Hut vor den Wutausbrüchen ihres alkoholkranken Vaters sein müssen. Als Kates Mutter bei einem Unfall stirbt, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen. Zum Glück kann das Mädchen bei der Familie ihrer Freundin Baba unterkommen, damit sie nicht den Prügeleien des Vaters ausgesetzt ist. Kurz darauf kommen beide Mädchen in ein katholisches Internat. Während Kate dort als Klassenbeste brilliert, fällt die freche Baba dagegen durch ihre Streiche und ihr schlechtes Benehmen auf.

Da das Klosterleben hart und beschwerlich ist, überlegen die beiden Mädchen immer wieder, wie sie ausreißen oder von der Schule fliegen können. Bis es ihnen schließlich gelingt. Nach kurzem Aufenthalt zu Hause ziehen die beiden nach Dublin, um dort ihr Glück zu versuchen – und enden in zahlreichen Bars und lernen zahlreiche Männer kennen. Doch Kate hat nur Augen für einen ganz bestimmten Mann – Mr. Gentleman, ein französischer Herr, der sich in ihrem Dorf niedergelassen hat und unglücklich verheiratet ist…

Nach dem großen Erfolg von Elena Ferrantes Neapolitanischer Saga in den letzten Jahren, ist es für mich kein Wunder, dass der Atlantik Verlag nun die Country Girls Triologie von Edna O’Brien wiederbelebt hat. Wer Ferrantes Geschichte um die Freundschaft von Lila und Lila mochte, der wird sich sicherlich auch gerne in die Welt von Kate und Baba stürzen. Schon optisch ist die Neuauflage sehr an die Cover von Ferrantes Büchern angelehnt. Und auch inhaltlich gibt es hier zahlreiche Parallelen. Allen voran natürlich die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen und wie sie versuchen erwachsen zu werden und ihren Platz in der Welt zu finden, die ihnen so oft Steine in den Weg legt.

Die etwas gemeine Baba hat mich an vielen Stellen auch unheimlich an die verbissene Lila erinnert, die oft Lenu ihre Erfolge nicht gönnen konnte. Und so ist auch Baba, grade zu Beginn des Buches, wirklich richtig fies zuweilen. Kate schildert an manchen Stellen sogar, dass sie Angst vor dieser – eigentlichen – Freundin hat. Aber irgendwann merkt man dann doch, dass diese beiden sich irgendwie gegenseitig brauchen, sich Halt geben und wenn es hart auf hart kommt, für einander da sind. Und mit harten Zeiten habe die beiden jede Menge zu tun. Denn das Leben spielt beiden oft übel mit und sowohl die sehr romantisch-naive Kate als auch die hart wirkende Baba müssen bald lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Edna O’Brien zeichnet hier aber nicht nur ein Bild einer Mädchen-Freundschaft oder schreibt einen simplen Coming-of-Age-Roman. Vielmehr spiegelt die Country Girl Triologie bereits im ersten Band wieder, wie schwer das Leben in Irland in den 1960iger Jahren war – vor allem für Frauen! Fremd bestimmt nicht nur durch ihre Männer und Väter sondern auch durch die katholische Kirche, die über alles regiert – und die Frauen ebenfalls in ihre Schranken weist: Kinder, Küche, Kirche sind hier das Hauptprogramm. Und die beiden Protagonistinnen versuchen daraus auszubrechen! Kein Wunder, dass es sogar Berichte darüber gab, dass ein katholischer Priester Edna O’Briens Werk öffentlich verbrannt hat. Denn sich gegen die Kirche zu wenden, geht natürlich gar nicht…

Mich hat die Geschichte um Baba und Kate auf jeden Fall sehr begeistert. Der erste Band endete dann auch prompt mit einem Cliffhanger, sodass ich gleich mit dem nächsten Buch “Das Mädchen mit den grünen Augen” von Edna O’Brien weitermachen möchte.

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