Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

Um diese Neuerscheinung wird seit Monaten ein großer Hype gemacht. Alle sind im #FerranteFever. Zuerst, weil niemand wusste, wer sich tatsächlich hinter dem Pseudonym Elena Ferrante verbirgt. Viele Mutmaßungen wurden angestellt und Lebensläufe untersucht, da ja angeblich das Buch einen autobiografischen Bezug haben soll. Jetzt wurde ganz aktuell von einem investigativen Journalisten dieses „gut behütete“ Geheimnis gelüftet. Die Übersetzering Anita Raja soll angeblich Elena Ferrante sein. Ob das tatsächlich stimm, weiß niemand. Fest steht, dass die ganze Geschichte als PR-Instrument benutzt wird, um ordentlich Werbung zu machen. Das nervt mich persönlich ein bisschen. Darum versuche ich, ungedachtet dessen, wer nun das Buch tatsächlich geschrieben hat, mich einfach nur auf den Inhalt zu konzentrieren – völlig losgelöst von unserer realen Welt.

Eine Freundschaft mit vielen Facetten

Im Mittelpunkt steht die enge Freundschaft von Lila und Elena. Sie wachsen im Neapel der Nachkriegszeit auf. Ihre Eltern haben einfache Berufe, Schuster und Pförtner. Ab dem Zeitpunkt als die Mädchen in die Schule kommen, bricht ein dauerhafter Konkurrenzkampf zwischen ihnen aus. Lila ist schlau, aber faul. Während Elena durch ihren Fleiß aufholt. Sie gehören beide zu den besten Schülerinnen ihres Jahrganges und wetteifern andauernd um diesen Posten. Eigentlich sollten beide auf weiterführende Schulen gehen. Doch leider sehen Lilas Eltern keinen Sinn darin, ihre Tochter auf eine höhere Schule zu schicken. Elenas Eltern lassen sich überreden.

Doch Elena tut sich auf dem Gymnasium außerordentlich schwer und Lila ist anfangs tief enttäuscht, dass sie diesen Weg nicht mitgehen darf und fühlt sich minderwertig. Dann beginnt sie heimlich den Stoff zu lernen und überholt Elena erneut. Die fühlt sich davon angestachelt und schafft es aufzuholen und ihre schulischen Leistungen wieder auf Bestleistung zu bringen. Beide haben jedoch das Gefühl, dass Elena Lilas Leben lebt. Und die Frage stellt sich, welche Zukunft es für Lila gibt. Sie kann doch nicht ewig ihrem Vater in der Schusterwerkstatt aushelfen?

In der Pubertät wird dann deutlich in welch unterschiedliche Richtung sich die beiden Freundinnen entwickeln und welche Lücke zwischen ihnen entsteht. Lila reift zu einer außergewöhnlich hübschen jungen Frau heran (natürlich), die zahlreiche Verehrer hat und gerne ausgeht. Elena ist die „hässliche“ die mit Akne und Babyspeck zu kämpfen hat und vor lauter lernen ganz bleich und ungesund aussieht. Sie ist also das Mauerblümchen, das hinter allen Mädchen es Viertels hinterherhinkt und davon Minderwertigkeitskomplexe bekommt. Schulische Leistungen zählen diesmal nicht. Diesen Konkurrenzkampf verliert sie also gegen Lila.

Da Lila nicht über den Bildungsweg ihren ärmlichen Verhältnissen entkommen kann, sucht sie sich einen anderen Ausweg: Sie heiratet blutjung einen der reichsten junge Männer des Viertels und versucht dadurch an etwas mehr Wohlstand zu gelangen.

Meine Meinung

Ich finde die Freundschaft zwischen Elena und Lila faszinierend und bisweilen bizarr. Elena, die aufs Gymnasium geht und fleißig lernt, bezeichnet Lila als ihre geniale Freundin. Warum? Weil die sich ganz alleine ohne Hilfe von Lehrern Latein und Griechisch einfach selbst beibringt? Ich fand es fast bizarr, dass Lila diesen Eifer an den Tag legt und alles schon können will, bevor Elena diese Sachen in der Schule lernt. Elena macht sich dadurch immer kleiner als sie ist und stellt Lila auf einen Podest, wie eine Heilige. Zeitweise ist es sogar so, dass die beiden Freundinnen keinen Kontakt haben und Elena Lila aus der Ferne beobachtet, wie diese umringt von Leuten, die sie anbeten, durch die Straßen „schwebt“. Letztendlich ist es aber genau diese widersprüchliche Freundschaft mit ihren Aufs und Abs, die den Leser fesseln. Ohne diese Kontraste wäre die Story todlangweilig. Die wechselnden Gefühlsbäder der Figuren verleihen dem Werk eine psychologische Tiefe und holen es damit weg von einer seichten „Mädchengeschichte“.

„Meine geniale Freundin“ ist der erste Band einer Tetralogie. Band 2,3 und 4 erscheinen nächstes Jahr und ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Aus Band 1 wissen wir, dass Elena und Lila lange Jahre über befreundet bleiben werden. Doch plötzlich verschwindet Lila und niemand weiß, wo sie ist….

Mein Fazit: Ihr müsst diese ganze Diskussion um die Autorschaft nicht verfolgen. Aber ihr könnt euch gemütlich zu Hause einmummeln und „Meine geniale Freundin“ genießen.

Wer noch Meinungen von anderen Bloggerinnen lesen will, findet schöne Rezensionen bei den Mädels von ReadPack, Buzzaldrins oder Masuko13.

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