Bret Easton Ellis: The Shards

Zwölf Jahre mussten Fans von Bret Easton Ellis warten. Nun hat der Bestsellerautor, der vor allem für sein Werk American Psycho bekannt ist, endlich einen neuen Roman veröffentlicht. In “The Shards” spielt Ellis gleichzeitig die Rolle des Autors, Erzählers und Protagonisten. Dabei besteht die Geschichte aus autobiografischen Ereignissen, als auch aus fiktionalen Erlebnissen.

“The Shards” nimmt uns mit in Ellis’Jugend in den 1980igern. Damals wächst er privilegiert in Los Angeles gemeinsam mit den Rich and Famous auf. Seine Nachbarn sind große Schauspieler und Musiker. Er geht auf eine elitäre Privatschule auf die nur Rich Kids geschickt werden. Der Roman liest sich etwas wie eine Highschool Romanze auf Speed: Ellis beste Freunde sind der Schulheld Thom und seine Prom Queen Susan. Ellis ist in beide verschossen, obwohl er eine Freundin hat und seine homosexuellen Neigungen im prüden Amerika geheim halten muss. Schon vor der Schule sind die Teens auf Koks, Schlaftabletten oder Gras. Und auch die Abende werden mit wilden Partys, sexuellen Eskapaden und im Drogenrausch verbracht.

Doch dann wird die Freundesclique durcheinander gewirbelt, als Robert neu an die Schule kommt. Er sieht gut aus, scheint aber ein düsteres Geheimnis zu haben. In den Zeitungen häufen sich die Nachrichten über einen Serienmörder mit den Spitznamen „Trawler“. Und dann wird auch noch ein guter Freund von Ellis, mit dem er eine Affäre hatte, tot aufgefunden. Ellis ist felsenfest davon überzeugt, dass Robert hinter all diesen Ereignissen steckt. Er macht es sich zur Aufgabe, seinen Mitschüler zu überführen. Aber hat Ellis wirklich recht? Oder basieren seine Annahme nur auf Paranoia und seiner drogenvernebelten Wahrnehmung?

“The Shards” ist tatsächlich komplexer, als man zunächst annehmen möchte. Zu Beginn berichtet Bret Easton Ellis davon, wie er sich jetzt erst durchringen konnte, diese Geschichte aus seiner Jugend auf Papier zu bringen. Die ersten Seiten habe er angeblich bereits als Jugendlicher verfasst. Nun konnte er seinen Roman endlich zu Ende schreiben. Anschließend beginnt die Zeitreise in die 1980er. Seitenweise passiert gar nichts. Wir erfahren, welche Kinofilme Ellis liebt, welche Bücher er liest und was für Songs ihn bewegen. Dann wieder wird die Lethargie durchbrochen von expliziten Sexszenen, wilden Feiern, Drogenexzessen und Gewalt. Mit zunehmender Seitenzahl werden diese Szenen immer drastischer.

Vieles erinnert an Ellis Antihelden Patrick Bateman aus American Psycho. Auch hier geht es lange nur um Banales, Alkoholexzesse und Angebereien – bis Stück für Stück die düsteren Handlungsstränge die Oberhand gewinnen. Und genau wie bei Bateman darf man auch bei „The Shards“ dem Protagonisten nicht uneingeschränkt trauen.

Zugegeben: Ich habe etwas gebraucht, um in die Story reinzukommen. Immer wieder wird angedeutet, dass etwas Schlimmes passiert. Nur um dann in Schilderungen über Songs und Alkohol abzudriften. Aber durchhalten lohnt sich. Denn zum Schluss spitzt sich die Handlung immer weiter zu, sodass ich das Buch dann gar nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Die Schilderungen in “The Shards” waren – vielleicht zum Glück – nicht ganz so krass wie bei American Psycho. Aber dennoch ist der Roman voller detaillierter Sexszenen, Gewalt und Mordbeschreibungen. Zartbesaitete sollten also lieber die Finger davon lassen.

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