Bret Easton Ellis: American Psycho

Puh! Was für ein Buch! Nachdem ich die letzte Seite von American Psycho aus der Feder von Bret Easton Ellis gelesen hatte, musste ich erst einmal tief durchatmen und musste erstmal sacken lassen, was ich da gelesen hatte. Selten hat mich ein Buch so bewegt, abgeschreckt und irgendwie doch fasziniert. Wie ein Unfall, bei dem man nicht weggucken kann.

Aber von vorne: Bret Easton Ellis lässt uns in den Kopf von seinem Protagonisten Patrick Bateman schlüpfen. Er verkörpert den Archetyp des New Yorker Wallstreet Yuppies der 80iger Jahre. Er und seine Freunde profilieren sich nur über Modelabel, bekannte Clubs oder Restaurants und angeberisches Gerede.

Eigentlich passiert auf den ersten 100 Seiten nichts. Nur Geprahle von Bateman und seinen Arbeitskollegen. Banales Geschwätz, Oberflächlichkeit und Angeberei beherrschen die Handlung. Bis Bateman auf einmal einen Obdachlosen ermordet.

Und das gefühlt so beiläufig, dass ich tatsächlich zurückblättern und die Szene noch einmal lesen musste. Denn ich war absolut verwirrt, wie diese Tat motiviert war. So aus dem Nichts kam sie.

Aber Bateman hat ein dunkles Geheimnis. Er ist ein Serienmörder. Er tötet wahllos Fremde auf der Straße, Personen aus seinem Bekanntenkreis oder lädt sich Prostituierte nach Hause ein, um nach ausschweifenden Sexspielchen zu misshandeln und schließlich auch zu ermorden.

Das ganze ist definitiv nichts für schwache Nerven! Sowohl die Sexszenen, als auch die Misshandlungen und letztendlich die Morde werden ziemlich explizit und pedantisch genau von Bret Easton Ellis beschrieben. Es entstehen Bilder im Kopf, die man eigentlich nicht haben will. Und ich musste oft beim Lesen eine Pause einlegen.

Das Verrückte: Der sadistische Bateman spricht seine Gewaltphantasien oft gegenüber seinen Bekannten und Arbeitskollegen aus. Aber diese oberflächliche Welt nimmt diese Ausbrüche überhaupt nicht ernst. Sie sind alle so gefangen in ihrer materiellen Welt. Sie sind so austauschbar wie ihre Markenanzüge.

Nach der Lektüre von American Psycho weiß man auch, warum das Werk fünf Jahre lang in Deutschland auf dem Index stand. Denn es ist definitiv verstörend. Aber andererseits ist es auch ein tiefpsychologisches Buch. Wie Bret Easton Ellis selbst beschreibt:

„I think the book is filled with psychology, but it’s one that is made up of brand names, consumerism, shopping, accumulation, violence and pornography. If they don’t like it because of the way I write or my style or anything, that’s fine, but to not like it because they think I’m proposing some kind of evil plan for the world and that I want to hurt people, is annoying. It’s very annoying.“

Trotz allem würde ich American Psycho nicht uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein kalter Roman, der den grenzenlosen Sadismus seines Protagonisten offen darstellt. Der Leser wird hier zum Voyeur, da wir alles aus Batemans Blick verfolgen. Dabei durchleben wir selbst eine gesamte Palette an Emotionen: Ekel, Faszination, Verwirrtheit – um nur einige zu nennen. Und es fällt schwer, diese gräulichen Szenen nach der letzten Seite schnell zu vergessen.

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