Schünemann & Volic: Maiglöckchenweiß

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Das Autorenduo Christian Schünemann und Jelena Volić hat wieder zugeschlagen! Mit Maiglöckchenweiß haben die beiden Krimi-Autoren den dritten Band um die Ermittlerin Milena Lukin herausgebracht. Und auch dieses Mal führt uns die Geschichte nach Serbien mit all seinen immer noch lodernden Konflikten.

Schon wie bei den beiden vorherigen Bücher Pfingstrosenrot und Kornblumenblau basiert der Fall erneut auf wahren Begebenheiten, die das Duo in ihre Geschichte einfließen lässt: Der 10jährige Dušan Javanović wird brutal ermordet aufgefunden. Eigentlich wollte der Junge sich nur schnell an einem Kiosk Süßigkeiten kaufen und dann wieder nach Hause gehen. Doch da kommt er niemals an. Die Täter: Zwei Jugendliche. Einer der beiden stellt sich und kommt in Haft. Der zweite, Jurij Pichler, wird von seiner Familie ins Ausland geschafft, um so einer Strafe zu entgehen. Zehn Jahre später kehrt Jurij als Erwachsener in seine Heimat zurück. Will sich hier wieder etwas aufbauen. Und sich seiner Vergangenheit stellen. Aber dazu kommt es nicht – denn nun wird Jurij tot aufgefunden!

Dieser zweite Mord ruft die Kriminologin Milena Lukin auf den Plan. Gemeinsam mit ihrem Verehrer und Freund Siniša Stojković, der der Anwalt des Toten war, versuchen die beiden herauszufinden, was mit Jurij passiert ist und wer ihn ermordet hat. Dabei decken sie zahlreiche Puzzleteile aus seiner Vergangenheit auf, finden heraus, dass er in den Mord des kleinen Dušan verwickelt war und decken nebenbei noch weitere finstere Machenschaften auf.

Balkan-Flair und eine Ermittlerin mit Biss

Was mich an den Krimis von Volić und Schünemann so begeistert, ist, dass es eben nicht nur die spannenden Mordfälle sind, die im Laufe der Handlung aufgedeckt werden. Vielmehr schildern die beiden ein detailliertes Panorama über das heutige Serbien, dass zwar EU-Mitglied, aber für viele – mich eingeschlossen – ein recht unbekanntes Land ist. In bunten Farben und mit passenden Adjektiven wird das turbulente Leben in der pulsierenden Hauptstadt Serbiens geschildert. Eine Stadt, in der man sich beim Lesen am liebsten mit der Hauptfigur in den engen Gassen und dem lauten Verkehr verlieren und auf Entdeckungstour gehen will. Fast hat man Lust, gleich seinen Koffer zu packen und loszufahren, um dieses Belgrad zu entdecken. Aber die Schilderungen sind nicht immer ganz sorgenfrei –  und daher so authentisch. Auch die immer noch andauernden Konflikte werden geschildert und ein korruptes politisches System, dass das Land noch immer beherrscht.

Natürlich fiebert man auch wieder mit Milena Lukin und ihrem Privatleben mit. Denn neben den ganzen Ermittlungen muss die toughe Frau sich auch noch um ihren Sohn und ihre Mutter kümmern, der Ex-Mann kommt mit seiner neuen Partnerin nach Belgrad zu Besuch – und rümpft über alles die Nase. Und dann sind da auch noch zwei Männer, die um Milenas Aufmerksamkeit buhlen.

Mir gefällt Milena als Ermittlerin so unheimlich gut, weil sie nicht der konventionelle Typ ist. Weder als Frauenfigur, noch als Detektivin. Es ist eben nicht – wie gefühlt in allen Krimis – der typische, männliche Polizist mit Alkoholproblem, der den Fall dennoch lösen kann. Nein! Hier ist Frauenpower gefragt. Von einer, die sich sowohl privat als auch im Beruf durchboxt, die keine Angst vor brenzlichen Situationen hat, in die sie permanent reinschlittert – und zum Glück doch immer wieder herausfindet. Eine Frau, die keine Angst hat anzuecken und Ärger zu machen, sich nicht von Männern um den Finger wickeln lässt – und gleichzeitig Angst um die Erziehung ihres Sohnes hat und für ihre Mutter mit sorgt.

Pfingstrosenrot, Kornblumenblau und Maiglöckchenweiß – mit diesen drei Farben haben Volić und Schünemann alle drei Farben der serbischen Flagge in ihren Krimis untergebracht. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir trotzdem noch weitere Fälle von Milena Lukin mitverfolgen dürfen – ganz egal mit welcher Blume oder Farbe im Titel. Denn ich würde mich sehr freuen, wenn die Geschichte der Kriminologin noch weitererzählt werden würde!

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