Schünemann & Volic: Pfingstrosenrot

Ein neuer Fall für Milena Lukin! Vor kurzem hatte ich euch bereits den ersten Teil der Krimi-Reihe vom Autoren-Duo Jelena Volić und Christian Schünemann um die eigenwillige Ermittlerin aus Belgrad vorgestellt. Nachlesen könnt ihr das hier: Klick! Jetzt habe ich den zweiten Teil Pfingstrosenrot hinterher gelesen – und bin noch begeisterter als zuvor! Denn dieser Band hat viel mehr Spannung, mehr Aktion und brenzlige Situationen als sein Vorgänger. 

Wieder basiert die Geschichte auf einer wahren Begebenheit: Im Juli 2012 wurde ein serbisches Ehepaar in seinem Haus in Talinovac, im Kosovo, tot aufgefunden. Beide hingerichtet durch einen Genickschuss. Der Mord sorgte für viel Aufsehen und wurde dafür genutzt, um die Stimmung der Serben gegen die Kosovo-Albaner aufzuheizen. Aufgeklärt wurde der Mordfall bis heute nicht. Aber Schünemann und Volić haben die Geschehnisse in das Leben ihrer Ermittlerin eingeflochten.

In Pfingstrosenrot entpuppt sich die getötete Frau als Jugendliebe von Milenas Onkel, den der Mord natürlich sehr schockt. Also knöpft Milena sich den Fall vor, nimmt Kontakt zu den Kindern der Ermordeten auf, versucht die losen Ende der Ermittlungen zu verknüpfen und begibt sich mehr als einmal in große Gefahr dabei. Denn Milena reist – trotz lauter Warnungen – alleine in den Kosovo, um den Tatort zu besuchen. Und das ist nicht ohne für sie als Serbin, denn der Hass gegen die Serben sitzt immer noch tief bei den Kosovo-Albanern.

Verheerend war, dass die Albaner genauso dachten, was ihre Identität und Kultur betraf, und sich als Abkömmlinge der alten Illyrer bezeichneten, der Ureinwohner dieser Region,. Ein kleines Stück Land […] war mit so viel Geschichte und Mythen beladen, und eine davon besagte, dass nur hier die Pfingstrose in solch prächtigen Rottönen blühen würde, weil der Boden mit so viel Blut getränkt ist.

Auch wenn der Kosovo-Krieg seit 1999 beendet ist, sind die Nachbarn auf dem Balkan sich immer noch Spinnefeind. Und das Rückkehr-Programm, bei dem die aus dem Kosovo vertriebenen Serben, in ihre Heimat zurückgesiedelt werden, ist nicht bei allen gern gesehen. Die Stimmung ist angespannt, als die ersten Häuser bezogen werden. Und dann ist da auch noch die Frage, wo eigentlich die ganzen Fördermittel der EU versickert sind? Denn die Häuser der Rückkehrer sind in desolatem Zustand und entsprechend definitiv nicht dem, was ihnen versprochen wurde. Kein Strom, kein fließend Wasser. Haben korrupte Politiker das Geld eingesteckt? Musste das alte Ehepaar sterben, weil es zu viele Fragen gestellt hat? Milenas Fährte führt erneut in die höchsten Kreise der Politik.

Kosovo-Konflikt immer noch in den Köpfen

Schünemann und Volić zeichnen in ihrem Krimi ein eindrückliches Bild von der immer noch angespannten Situation rund um den Kosovo: die Ängste, den Hass, das Brodeln der Konflikte auf beiden Seiten. Und vor allem das Leid der Armen, die von korrupten Politikern ausgenutzt, verraten und beraubt werden. Das Autoren-Duo schafft es, aus dem ungeklärten Mordfall eine Geschichte zu entwickeln, von der man denkt: Ja, so könnte es wirklich passiert sein.

Der zweite Band hat mir sogar noch mehr gefallen als der Vorgänger. Denn obwohl der Krimi ganz ohne blutige Szenen und Gewalt auskommt, gibt es genug Aktion und brenzlige Situationen, die einen ständig in Atmen halten. Ging es im erste Band noch viel um Milenas private Sorgen rund um ihre Familie und die Streitigkeiten mit ihrem Ex-Mann, lag dieses Mal der Fokus mehr auf dem Kriminalfall. Was natürlich nicht heißt, dass die Angst um Milenas Sohn und ihre Mutter außen vor sind – denn das gehört schließlich zu Milenas Figur dazu – und zeichnet die Ermittlerin ja auch aus. Schließlich ist Milena keine Polizistin oder Detektivin, sondern wissenschaftliche Angestellte im Institut für Kriminalistin, die ihrem Streben nach Gerechtigkeit folgt. Nach diesem starken zweiten Band freue ich mich schon sehr, was sich Schünemann und Volić als nächstes einfallen lassen!

Vielen Dank an Diogenes für das Rezensionsexemplar!

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