Kenneth Bonert: Der Löwensucher

Was für ein tolles Debüt! Ich bin völlig begeistert von dem südafrikanisch-kanadischen Autor Kenneth Bonerts Der Löwensucher. Klar, mit Afrika-Romanen hat man mich sowieso schnell an der Angel. Aber die Familien-Saga die Bonert verfasst hat, ist nicht nur ein Buch für Afrika-Fans wie mich. Das Buch wurde nicht zu unrecht 2013 mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet. Die Geschichte ist so bunt und breit gefächert, reißt so viele Themen dabei an und hat so vielschichtige Figuren, dass man es gar nicht glauben kann, das es ein Erstlingswerk ist. Und nach dem Lesen kann man nur hoffen, dass Bonert bald neuen Lesenachschub herausbringt.

Mit Der Löwensucher erzählt Kenneth Bonert die Lebensgeschichte des jungen Isaac Bonert, der in den 1920er Jahren mit seiner Familie von Litauen nach Südafrika auswandert. Die Familie lässt alles hinter sich und erhofft sich ein besseres Leben in Afrika. Besonder Isaacs Mutter baut ihre Hoffnungen auf dieses neue Leben, aber auch auf Isaac, ihren klugen Jungen, der es hier zu etwas bringen , einen guten Job bekommen und dann genug verdienen soll, um der Familie ein großes Haus zu kaufen und den Rest der Verwandtschaft nachzuholen. Denn gerade den vielen Geschwistern der Mutter droht als Juden in Europa große Gefahr. Die Mutter lebt noch im Gestern, passt sich nicht an ihre neue Heimat an, lernt nicht einmal die neue Sprache. Für sie zählt nur das Ziel, die Familie nach Südafrika zu retten.

Doch obwohl oder auch gerade weil die Mutter so hohe Anforderungen an ihn stellt, kann Isaac diese nicht immer erfüllen. Immer wenn er eine Möglichkeit gefunden hat, seine Mutter stolz zu machen, kommt er vom Weg ab, wird von seinem Ziel abgelenkt, verstrickt sich in Komplikationen. Denn irgendwie versucht der Junge einfach nur einen eigenen Weg zu finden, um selbst glücklich zu werden und dennoch seine Mutter stolz zu machen. Trotzdem schafft es Isaac irgendwie immer wieder Ärger anzuziehen und von seine Weg abzukommen

Rassenfrage und Religionskonflikte

Natürlich spielen hierbei hierbei auch die klassischen Konflikte zwischen Schwarz und Weiß eine große Rolle, aber auch in Südafrika sind die Juden nicht vor Anfeindungen gefeit. Das muss Isaac nur zu oft am eigenen Leib erfahren. Als Kind bekommt er von seiner Mutter schon früh eingetrichtert, dass er nicht mit den schwarzen Jungs spielen soll. Später fühlt er sich deshalb oft überlegen und teilt die damals übliche Meinung der Weißen in Afrika, dass die Schwarzen nur zu Hilfsarbeiten zu gebrauchen sind, man ihnen nicht trauen kann etc. Schließlich hat Isaac es ja auch von seiner Mutter vorgelebt bekommen. Die unterscheidet auch nur zwischen den Klugen und den Dummen, zwischen Schwarz und Weiß, grau gibt es in ihrer Welt nicht. Dabei muss Isaac doch selbst so oft mit Anfeindungen klar kommen, wie zum Beispiel von seinem Nachbarn Markus Oberholzer, der dem Jungen das Leben oft zur Hölle macht.

Die verschiedensten Menschen kreuzen Isaacs Weg, wie zum Beispiel seine erste große Liebe Yvonne, die aus gutbetuchtem Elternhause stammt und sich für die Rechte der Schwarzen einsetzt. Oder auch Hugo, Trickbetrüger, Spielsüchtiger, erst Chef und später Geschäftspartner von Isaac. Die Figuren sind also genauso bunt und vielschichtig, wie es die Regenbogennation Afrika mit ihren unterschiedlichen Stämmen, Sprachen und Kulturen ist. Sie machen die Geschichte so lebendig, an mancher Stelle unheimlich komisch und herrlich skurril, aber auch bitter ernst und bedrohlich.

Bonert versteht es dabei gekonnt, die verschiedenen Ebenen miteinander zu verknüpfen, sowohl was die verschiedenen Religionen und Gesellschaftsklassen angeht, also auch die Stimmung der Story angeht, Nie driftet er ins zu kitschige ab und andererseits gibt es durchaus sehr bedrohliche Szenen, die es in sich haben und zeigen, wie brutal der Kampf ums Überleben in der südafrikanischen Gesellschaft nun mal ist. Dabei verging das Lesen der ungefähr 800 Seiten wie im Flug und am Schluss habe ich mir eigentlich gewünscht, dass es irgendwie weiter gehen würde!

Vielen Dank an den Diogenes für das Rezensionsexemplar!

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