Roberto Bolaño: Die wilden Detektive

Die wilden Detektive“ von Roberto Bolaño  zählt als absoluter Meilenstein der neuen lateinamerikanischen Literatur. Und Bolaño selbst gilt als einer der begabtestes Autoren seiner Generation in Südamerika. Aber der Autor, um dessen Leben sich viele Legenden ranken, und sein Werk haben es auch ganz schön in sich. Denn er Roman hat eine krasse Komplexität, die es oft schwer macht, der Handlung zu folgen.

Bolaño nimmt uns in „Die wilden Detektive“ mit nach Mexiko-City. Dort trifft der junge Student Juan Garcia Madero auf den Kreis der „viszeralen Realisten“. Anführer dieser Bewegung sind Ulises Lima und der illegal in Mexiko lebende Chilene Arturo Belano. Die Menschen, die sich um sie scharen sind alles junge Künstler. Sie verbringen ihr Leben mit langen, verrauchten Nächten in Bars und Cafés, philosophieren über das Leben und die Kunst, experimentieren mit Drogen und haben zahlreiche Liebschaften.

Auf der Suche nach einem literarischen Idol

Ulises Lima und Arturo Belano forschen außerdem über die Vorgänger ihrer Bewegung: die Realviszeralisten der 1920iger Jahre. Ihr absolutes Vorbild: die Schriftstellerin Cesárea Tinajero. Die beiden machen sich auf die Suche nach ihrem Idol. Doch ihre Reise bringt zahlreiche Hindernisse, Überraschungen und Windungen mit sich. Die beiden scheinen verloren gegangen zu sein. Immer wieder hört man nur über Dritte, die sie auf dem Weg getroffen haben, von ihren Abenteuern. So kommen die Südamerikaner nach Spanien, Frankreich, Österreich und Israel. Und immer wieder werden neue faszinierende Geschichten über sie erzählt.

Schon diese Zusammenfassung der Handlung von Bolaños Roman fällt mir tatsächlich ziemlich schwer. Denn die Geschichte ist sowas von verwoben und zerfasert, dass man schnell den Überblick verliert. Dabei ist das Buch in drei Teile aufgeteilt. Der erste und letzte gibt Tagebuchaufzeichnungen von Juan Garcoa Madero wieder. Der zweite ist ein Kaleidoskop von Geschichten und Perspektive anderer Figuren, die die beiden „Helden“ auf ihrem Weg getroffen haben. Und hier fing für mich der rote Faden an verloren zu gehen.

Roberto Bolaño zaubert ein Potpourri an Figuren und Erzählperspektiven

Die vielen Figuren, zahlreichen Sprünge und Zeiten- und Perspektivenwechsel haben mich ganz schön durcheinander gebracht. Zugegeben: Roberto Bolaño hat jede dieser Personen kunstvoll mit ihrer ganz eigenen Erzählstimme versehen und ihnen so eine eigene Identität gegeben. Aber man muss unheimlich am Ball bleiben, um die Zusammenhänge zu finden und die rätselhaften Lücken selbst zu schließen.

Nach der ersten Lektüre hat mich Roberto Bolaño daher etwas ratlos zurückgelassen. „Die wilden Detektive“ ist definitiv kein Buch, dass man einfach so nebenbei lesen kann. Und ich glaube, ich muss es bei Gelegenheit einfach noch ein zweites Mal lesen, um die Tiefe der Handlung besser zu begreifen, das Porträt Mexikos fassen zu können und diese Schilderung einer verlorenen Generation wirklich zu greifen.

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