Lesetipp des Monats: Sehr blaue Augen

Morrison Blaue Augen Buchlingreport

Eckdaten zum Autor:

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison wurde als Chloe Ardelia Wofford 1931 in Ohio geboren. Erst 1949 änderte sie ihren Rufnamen zu Toni, nach ihrem Mittelnamen Anthony, den sie als Zwölfjährige im Zuge ihrer Konversion zur katholischen Kirche angenommen hatte. Morrison unterrichtete lange Englische Literatur an verschiedenen Universitäten und arbeitete als Lektorin für Random House. 1958 heiratete sie den Architekten Howard Morrison und bekam mit ihm zwei Söhne. Die Ehe wurde 1964 geschieden. Während ihrer Tätigkeit für Randon House versuchte Toni Morrison bereits die afroamerikanische Literatur weiter zu etablieren. Inzwischen ist sie selbst zu einer der bekanntesten afroamerikanischen Schriftstellerinnen geworden und beschäftigt sich in ihren Werken mit der Rassenfrage und Rassismus. 1970 brachte ihr erster Roman „Sehr blaue Augen“ ihr den Durchbruch. Neben dem Nobelpreis (1993) erhielt Toni Morrison ach den Pulitzer-Preis (1988) und viele weitere Auszeichnungen.

 

Wichtigste und bekannteste Werke:

  • Sehr blaue Augen, 1970
  • Sula, 1973
  • Solomons Lied, 1979
  • Menschenkind, 1989
  • Gott, hilf dem Kind, 2014

Inhalt:

In „Sehr blaue Augen“ schildert Toni Morrison die Geschichte der kleinen Pecola und ihrer zerrütteten Familie – aber vor allem die schrecklichen Auswirkungen der Diskriminierung, der die Schwarzen in Amerika ausgesetzt waren und auch heute immer noch sind. Mittendrin, die 11jährige Pecola, die sich nichts anderes wünscht, als blaue Augen zu haben. So wie die Kinder aus der weißen Familie, bei denen ihre Mutter angestellt ist – und die von der Mutter gehätschelt werden. Pecola, die von ihrem alkoholkranken Vater geschwängert wird, weil dieser von seiner Ehe und der Vorstellung, nur noch mit seiner Ehefrau schlafen zu sollen, gelangweilt ist. Pecola, die so schwarze Haut hat, dass selbst die anderen schwarzen Kinder sie hänseln und schikanieren. Kein Wunder also, dass das Mädchen danach strebt, blaue Augen und weiße Haut zu haben, um dem Schönheitsideal zu entsprechen. Um Liebe zu erfahren. Anerkennung zu erhalten. Denn alles, was ihr widerfährt ist Selbsthass, Geschlechterhass und Rassenhass!

Gleichzeitig erfahren wir über zahlreiche Rückblenden und Schilderungen von zwei Nachbarsmädchen über die Vergangenheit von Pecolas Familie. Darüber, wie ihr Vater als Kind auf dem Müllplatz ausgesetzt wurde. Wie die beiden Eltern sich einst verliebten – und die Ehe später scheitert. Pecolas Mutter sucht ihr Glück hingegen bei der Arbeit. In dem schönen Haus der weißen Familie, wo sie alles ordnen kann, sauber hält, Anerkennung erhält und die hübschen kleinen Kinder a la Shirley Temple mit gutem Essen und Zuneigung überhäufen kann. Aber auch die Schicksale der Nachbarn und Schulfreunde bekommen wir einen einprägsamen Eindruck, was es bedeutete, zu dieser Zeit als Schwarzer in den USA zu leben.

Unsere Meinung:

Wer denkt, dass das kleine, nur knapp 200 Seiten starke Büchlein von Toni Morrison schnell weggelesen ist, der täuscht sich ganz gewaltig. Schon nach der Inhaltsangabe sollte klar sein, dass es diese Geschichte in sich hat! Die Erzählungen sind unheimlich bedrückend und niederschmetternd. Die Themen immer noch brandaktuell! Die Schilderungen sind unheimlich intensiv und hart! Gleichzeitig ist es manchmal nicht ganz leicht, bei den verschiedenen Zeitebenen und Perspektivenwechseln den Überblick zu behalten. Für mich war deshalb gleich nach dem Lesen klar, dass ich Pecolas Geschichte noch einmal lesen will. Um mich noch mehr auf die Details des Buches einlassen zu können, ohne von diesen Sprüngen verwirrt zu sein. Gleichzeitig fand ich das Vor- und Nachwort von Toni Morrison unheimlich spannend. Denn sie schildert darin, wie eine ihrer Kindheitsfreundinnen sich wirklich einmal blaue Augen wünschte. Denn eben diese blauen Augen scheinen nicht nur für Morrisons Protagonistin ein Schönheitsideal zu sein, ein Garant, dass man sich um sie kümmert, ein Wunsch nach einem besseren Leben.

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