Zadie Smith: Swing Time

Swing Time

Geschichten über zwei kleine Mädchen, die sich im Kindesalter anfreunden und sich dann in unterschiedliche Richtungen entwickeln, scheinen im Trend zu liegen: Nach Elena Ferrante kommt nun Zadie Smith mit „Swing Time“.

Es geht um zwei kleine Mädchen, die in eher ärmlichen Verhältnissen in der Unterschicht aufwachsen. Was sie verbindet, ist die Liebe zur Musik und zum Tanzen. Als kleine Mädchen schauen sie sich viele alte Musicals an und versuchen diese nachzutanzen. Im echten Tanzunterricht zeigt aber nur Tracey wirkliches Talent. Die Erzählerin und Protagonistin muss sich von dem Gedanken verabschieden. In der Pubertät driften die Mädchen daher auseinander. Tracey legt eine mittelmäßige Tanzkarriere hin und endet als alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die immernoch in der selben kleinen Wohnung wohnt, wo sie selbst aufgewachsen ist.

Aus dem Rhythmus gekommen

Die Hauptfigur währenddessen wird von ihrer ehrgeizigen Mutter bedrängt, etwas aus ihrem Leben zu machen. Immerhin ist sie die erste in ihrer Familie, die studieren geht. Doch danach ist sie eher ratlos, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Sie jobbt bei einem Radiosender und wird schließlich Assistentin der erfolgreichen Popsängerin Amy. Fortan kümmert sie sich nur noch um Amys Leben statt um ihres, hat keine Freunde, keine Beziehungen und sieht auch ihre Mutter kaum noch. Als Amy in Afrika eine Schule gründen und finanzieren will, fliegt die namenlose Hauptprotagonistin regelmäßig in das kleine Dorf und lernt dort Land und Leute kennen. Das Anfangs sehr fremde Land, beginnt sie an ihre afro-amerikanischen Wurzeln zu erinnern und bringt sie aus ihrem gewohnten Rhythmus. Plötzlich wird ihr bewusst, dass sie nicht ewig so weiterleben kann.

Langsam und behutsam bereitet sich eine Wende vor, bis sie schließlich mit einem Paukenschlag eintritt. Die Erzählerin gibt ein brisantes Geheimnis von Amy den Medien bekannt. Dadurch ändert sich ihr Leben schlagartig, sie kehrt nach London zurück und begleitet erstmal ihre todkranke Mutter durch ihre letzen Tage. Danach steht sie vor dem nichts und hat niemanden. Nicht ganz zufällig erscheint jetzt auch wieder Tracey auf der Bildfläche. Sie hat die kranke Mutter der Erzählerin mit Drohungen und Beschimpfungen per E-Mail belästigt, weil sie als Lokalpolitikerin angeblich Tracey und ihren Kindern nicht genug Unterstützung entgegenbracht hätte. Daraufhin bekommt Tracey von ihrer ehemaligen Freundin einen Besuch abgestattet. Aber die beiden können sie nicht mehr vernünftig miteinander unterhalten. Einzig Traceys niedliche Kindern erweichen das Herz der Protagonistin. Nach dem Tod ihrer Mutter, fragt sie sich, wie ihr Leben nun mit mitte dreißig weitergehen soll. Ihre Mutter hat ihr am Schluss noch gesagt, dass sie sich Traceys psychischen Problemen und ihren Kindern annehmen soll, aber es bleibt offen, ob sie das wirklich macht. Denn als sie zu ihr gehen will, sieht sie wie glücklich und liebevoll Tracey mit ihren Kindern spielt. Will sie wirklich den Kindern ihre Mutter wegnehmen?

Ende gut, alles gut?

Das Ende hat mich etwas überrascht und sprachlos gemacht. Aber es ist typisch für Zadie Smith. In ihren Geschichten entickelt sich ganz viel zwischen den Zeilen und man muss ein aufmerksamer Leser sein. Aber genau diese Andeutungen, das Implizierte und Unausgesprochene prägen ihre Stil. Das macht für mich das Besondere an ihren Büchern aus. Mir hat Swing Time enorm gut gefallen und ich würde es jederzeit nochmal lesen, um mir diese Feinheiten nochmal alle einzuprägen und zu untersuchen. Im Gegensatz zu ihren anderen Büchern, fand ich Swing TIme auf Englisch auch wirklich verständlich und gut zu lesen.

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