Mercè Rodoreda: Auf der Placa del Diamant

Endlich wieder Barcelona! Die Stadt gehört zu meinen Lieblingsstädten auf der ganzen Welt und deswegen lese ich sehr gerne Romane, die dort spielen. Diesmal durfte es “Auf der Placa del Diamant” von Mercè Rodoreda sein. Sie gehört zu den bekanntesten katalanischen Schriftstellerinnen. Vielleicht habt ihr ja auch schon mal von dem Roman “Der Garten über dem Meer” gehört? Diesen habe ich hier vorgestellt. In dem Blogpost sage ich auch ein paar Worte mehr zur Autorin.

Barcelona im Bürgerkrieg

Nun aber zum Buch! Das junge Mädchen Natalia geht mir ihrer Freundin auf ein Fest auf der Placa del Diamant. Sie wird von einem jungen Mann names Quimet zum Tanz aufgefordert. Obwohl sie eigentlich schon verlobt ist, beginnt Quimet um sie zu werben. Er, Tischler von Beruf, ist leider von Anfang an nicht wirklich sympathisch. Er macht mit Natalia was er will. Angefangen damit, dass er ihr einen anderen Namen gibt und sie “Colometa”, übersetzt Täubchen, nennt. Sie dagegegen wirkt wie eine Puppe und traut sich nicht zu widersprechen. Also heiraten sie und Colometa wird von nun an von Quimet gegängelt. Am Anfang deutet sie einige harte Szenen an, die mich wirklich entsetzt haben. Etwa, wie Quimet sie unter das Bett quetscht und ihr jedes Mal auf den Kopf schlägt, wenn sie versucht hervorzukriechen. Furchtbar!

Harte Jahre

Nach einigen Jahren Ehe, hat Quimet die fixe Idee auf dem Dach Tauben zu züchten. Er schleppt haufenweise Viecher an, die durch die gesamte Wohnung fliegen, und Colometa darf den ganzen Dreck wegmachen. Zusätzlich zu den zwei Kindern, um die sie sich kümmert. Als die Arbeit als Tischler bei Quimet nicht mehr so gut läuft, sucht sich Colometa dann auch noch einen Vormittagsjob als Putzfrau. Damit ist sie nun völlig ausgelaugt und kurz vor dem Zusammenbruch.

Alles ändert sich als der Bürgerkrieg ausbricht und Quimet zur Miliz geht. Als erstes sorgt Colometa zu ihrer eigenen Erleichterung dafür, dass die vielen Tauben verschwinden. Zum ersten Mal trifft sie eine eigene Entscheidung und tut etwas für sich selbst. Gut so! Doch dann wird ihr gekündigt und das Essen wird knapp. Harte Zeiten des Hungers brechen an. Als Quimet im Krieg fällt, gibt es niemanden mehr, der sich um Colometa und ihre Kinder kümmert. Langsam aber sicher verzweifelt sie und ist fast so weit, dass sie sich und den Kleinen das Leben nehmen will. Ich hatte beim Lesen richtig Angst, dass sie das durchzieht.

Rettung in letzter Minute

Dann kommt die überraschende Wende. Der Besitzer eines kleine Lebensmittelgeschäftes bietet ihr eine Putzstelle an. Nach einiger Zeit bittet er sie dann überraschend seine Frau zu werden. Er ist schon etwas älter und einsam und möchte nichts weiter als eine komplette Familie. Deswegen nimmt er sofort auch Colometas Kinder freudig auf. Von da an muss sie nicht mehr arbeiten und darf mit ihrer Zeit machen, was sie möchte. Auch ihren Kindern geht es richtig gut. Nun zeigt sich, was die Vergangenheit mit ihrer Psyche angerichtet hat und es wird sichtbar, wie sehr Colometa in all den Jahren gelitten hat. Am größten ist ihre Angst, Quimet könnte doch nicht tot sein und zurückkommen. Dann würde er herausfinden, dass sie nun mit Antoni verheiratet ist. Es dauert viele Jahre bis sie ihr Trauma überwindet. Aber am Ende fühlt es sich so an, als würde sie endlich etwas zur Ruhe kommen.

Aufwühlend und emotional

Anfangs habe ich mich beim Lesen etwas an der holprigen Sprache gestört. Diese wird aber im Verlauf der Geschichte besser. Und dank einer Diskussion auf Instagram ist mir nun auch klar wieso. Colometa ist die Erzählerin und anfangs ist ihrer Sprache als junges, naives Mädchen eben noch nicht so ausgereift wie später als gestandene Frau, die einiges durchmachen musste. Die Sprache spiegelt also ihre persönliche Weiterentwicklung wieder. Es ist eine ergreifende Geschichte einer durchschnittlichen Frau, die den kulturellen Gepflogenheiten ihrer Zeit unterliegt. Aus heutiger Sicht ist es unverständlich, warum sie die perfekte Ehefrau für so einen dämlichen Mann sein will. Aber zu ihrer Zeit war es leider das Idealbild.

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