Lesetipp des Monats: Der Garten über dem Meer

Der Garten über dem Meer

Im tristen und grauen November brauchen wir Lektüre, die uns an den Sommerurlaub zurückdenken lässt und die Sonne ins Haus holt. Deswegen gibt es diesen Monat katalanische Kost.

Eckdaten zum Autor:

Mercè Rodoreda wurde 1908 in Barcelona geboren. Sie gilt als Grande Dame der katalanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Sie begann bereits in den 30er Jahren zu schreiben. Doch es folgte eine lange Pause. Denn während des spanischen Bürgerkrieges ging sie ins Exil nach Frankreich und später in die Schweiz. Erst hier entstanden in den 60er und 70er ihre heute bekannten Werke. In den 70er kehrte sie dann auch wieder nach Katalonien zurück und starb 1983 in Girona.

Wichtigste und bekannteste Werke:

  • Aloma, 1938
  • Auf der Placa del Diamant, 1962
  • Der Garten über dem Meer, 1967

Inhalt:

Ein Landhaus über den Meer: Außerhalb des trubeligen Barcelona verbringt das Ehepaar Francesc und Rosamaria seine Sommer. Sie sind jung und frisch verheiratet. Francesc hat gut geerbet, über Geld müssen sie sich daher keine Sorgen machen. Frei und ohne jegliche Zwänge verbringen sie daher jeden Sommer mit einigen Freunden in ihrer Villa auf dem Land. Es wird gefaulenzt, gefeiert, gebadet, gemalt – ganz im Stile der goldenen 20er Jahre.

Der Leser beobachtet das lustige Treiben durch die Augen des Gärtners, einem gutmütigen älteren Herren, der sein ganzes Leben in dem Dorf am Meer verbracht hat. Aufmerksam beobachtet er die Herrschaften und stellt fest, dass die Idylle trügerisch ist. Die Ehe von Rosamaria und Francesc ist keine glückliche. Alte Geschichten verbreiten sich: Rosamaria ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, ihre Jugendliebe Eugeni ebenso. Als Francesc anfängt ihr den Hof zu machen, sieht sie einen Ausweg aus ihrer ärmlichen Lage. Eugeni ist davon zutiefst verletzt. Er verlässt das Land, um anderswo reich zu werden. Er verspricht Rosamaria in fünf Jahren als reicher Mann zurückzukommen und sie zu holen.

Und nun ist es soweit: Ein steinreicher Ausländer baut neben der Villa von Francesc und Rosamaria eine noch imposantere Villa für sich, seine Tochter und seinen Schwiegersohn. Und dieser Schwiegersohn ist niemand anderes als Eugeni. Die Spannungen zwischen den Personen steigen. Es beginnt ein unausgesprochener Wettkamp darum, wer den schöneren Garten und die besseren Pferde hat und wer die größten Parties feiert. Das dieses Getue nicht andauern kann ist klar, aber was wird passieren? Kann Eugeni Rosamaria zurückgewinnen?

Unsere Meinung:

Viele Werke von Rodoreda thematisieren den Krieg. Das ist bei „Der Garten über dem Meer“ nicht so, wesegen ich es der „Place del Diamant“ vorgezogen habe. Die Geschichte ist losgelöst von der realen Welt und frei von politischen und wirtschaftlichen Ereignissen. Das macht sie leichter und hebt sie in phantastische, traumartige Sphären ab. Zugleich ist es eine sehr melancholische Erzählungweise. Die Entscheidungen der Figuren sind nicht immer nachvollziehbar und die Stimmung ist teilweise sehr drückend. Dadurch dass die Ereignisse der Hauptfiguren nur durch das Wissen der Dienerschaft erzählt wird, wird die Handlung gedämpft und auch verzerrt wiedergegeben. Das Drama spielt sich leise im Hintergrund ab, was ich stilistisch sehr ungewöhnlich und besonders finde. Der Leser kann nicht wirklich wissen, was in Francesc, Eugeni oder Rosamaria vorgeht und was ihre Entscheidungen letztendlich beeinflusst. Das hatte für mich als Leser einen besonderen Reiz und Charme, und führte auch dazu, dass ich mich weniger mit den Hauptfiguren indentifiziert habe und sie dadurch stärker beurteilt bzw. verurteilt habe.

„Der Garten über dem Meer“ ist kein Buch für jeden Tag. Ihr müsst es mit ein bisschen Muse und Ruhe lesen, damit ihr in die Stimmung eintauchen könnt.

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