Ian McEwan: Maschinen wie ich

Maschinen wie ich Ian McEwan

Ein Roboter, der so echt ist wie ein Mensch – das Thema fand ich so faszinierend, dass ich den Roman unbedingt lesen wollte. Jetzt habe ich ihn allerdings als Hörbuch gehört. War auch gut!

Charlie ist Anfang 30 und lebt mehr oder weniger vom Erbe seiner Eltern und seinen Geldanlagen. Vom Arbeiten gehen hält er nicht viel und so hat er mal mehr und mal weniger Geld. Als er jedoch eine kleine Summe erbt, beschließt er einen der streng limitierten neuen Roboter zu kaufen. Adam ist wie ein Mensch gebaut, natürlich ein besonders gutaussehender: groß, muskulös und ein markantes Gesicht. Er sieht aus wie ein “Hafenarbeiter vom Bosporus”. In seinem Inneren fließen Strom und ein wenig Kühlwasser. Adams “Augen” leuchten, seine “Haut” und seine “Haare” fühlen sich echt an. Und Charlie kann sogar einen Atem fühlen. Kurz und gut, Adam erscheint wie eine lebensechte Person und kann alles, was auch Menschen können. Manches sogar besser! Adam hilft Charlie im Haushalt und beginnt seine Aktienfonds und Geldanlagen zu managen. Da Adam natürlich einen Hochleistungsrechner in sich trägt, kann er innerhalb weniger Sekunden Charlies Geld um ein Vielfaches vermehren. Was für ein Glück für Charlie, nun kann er vollends zum Müßiggänger werden und sich voll und ganz auf Miranda konzentrieren.

Eine Dreiecksbeziehung der besonderen Art

Miranda ist zehn Jahre jünger, Stundentin und anfangs Charlies Nachbarin. Doch sie kommen sich recht schnell näher und werden ein Paar. Sie betrachten Adam als ihren gemeinsamen Freund und haben ihn zu Anfang auch gemeinsam programmiert. Denn der Käufer eines Adams kann zum Start die gewünschten Eigenschaften für seinen Roboter auswählen. Gespannt warten sie wie sich Adam entwickelt, etwa so wie Eltern jede neue Fähigkeit ihres Babies beobachten.

Diese Dreieckskonstellation wird allerdings problematisch als sich Adam in Miranda verliebt. Moment mal, ein Roboter kann doch gar keine Gefühle haben! Scheinbar schon. Ab dann wird es höchst spannend! Adam liebt Miranda zwar, aber als eine Lüge aus ihrer Vergangenheit ans Licht kommt, zeigt sich, dass er als Roboter doch nicht komplett menschlich handeln kann. Seine Entscheidungen folgen einer Rationalität und Logik, die eben durch Computer berechnet wird. Und während Charlie seine geliebte Miranda beschützen will, ist Adam nur daran gelegen, dem Gesetz zu folgen. Nun zeigt sich auch, das Adam sich selbst nicht als Diener eines Herren, sondern als freies Individuum betrachtet. Denn er macht was er will und hört auf niemanden. Letztendlich zerbricht die Dreiecksbeziehung an dieser Sache, die zu einer Frage der Moral wird. Miranda hat mir ihrer Lüge für Gerechtigkeit gesorgt. Aber Adam findet, dass sie dennoch für ihre Falschaussage vor Gericht bestraft werden muss. Eine verzwickte Situation.

Und die Moral von der Geschicht? Traue einem Roboter nicht!

Das Ende zeigt, dass es technisch möglich ist, einen menschlichen Roboter zu erschaffen, dass dieser aber trotzdem nicht vollumfänglich das komplexe menschliche Wesen begreifen und nachahmen kann. Denn das menschliche Handeln und Fühlen basiert auf sehr vielen Werten, Normen, Charaktereigenschaften, Erfahrungen, Emotionen, Gesetzen und so weiter. Darum ist jede Entscheidung so stark individuell ist, dass kein Computer diese errechnen kann.

In dieser Geschichte stecken also viele faszinierende und wichtige Gedanken, die mit unserer aktuellen Realität bezüglich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen eng verbunden sind. Wen solche Themen interessieren, der sollte “Maschinen wie ich” unbedingt lesen.

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