Jahre der Leichtigkeit Buchlingreport

Elizabeth Jane Howard: Die Jahre der Leichtigkeit (Cazalet-Chronik Band 1)

Wer immer noch der letzten Staffel von Downtown Abbey hinterher trauert, für den gibt es jetzt eine sehr ähnliche Familienchronik: Die neu aufgelegte Reihe von Autorin Elizabeth Jane Howard rund um die Familie Cazalet! Die fünfbändige Geschichte beginnt im Jahr 1937 und begleitet die großbürgerliche Familie Cazalet auf ihrem Familiensitz Home Place im malerischen Sussex.

Die Cazalets finden sich in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wieder. Noch werden die Erinnerungen an den vergangenen Krieg verarbeitet und es scheint den Familienmitgliedern unvorstellbar, dass noch einmal so ein Schrecken über Europa kommen kann. Doch im Laufe der Handlung schwelt schon der Nationalsozialismus in Deutschland und die Familie erfährt aus den Nachrichten immer mehr über Hitlers politische Absichten.

Aber noch scheint der Zweite Weltkrieg in weiter Ferne. Und die Familie plant wieder einen gemeinsamen Sommer auf dem väterlichen Landsitz. Dort leben Familienoberhaupt William und seine Frau sowie die unverheiratete Tochter. Hinzu kommen die ältesten Söhne Hugh und Edward, die beide ins elterliche Holzimportunternehmen eingestiegen sind, sowie der jüngste Sohn Rupert, der als Lehrer und Freizeit-Maler seinen Unterhalt verdient. Mit dazu kommt die zahlreiche Kinderschar der Herren und deren drei Ehefrauen. Da war ich beim Lesen schnell dankbar, dass es vorne im Buch einen übersichtlichen Stammbaum der ganzen Cazalets gab. Denn die vielen Namen überrollen einen dann grad zu Beginn ziemlich, vor allem die vielen Kinder musste ich erst einmal zu den jeweiligen Vätern sortieren lernen.

Und eben diese Kinder dominieren auch einen großen Teil der Geschichte. Über viele Seiten hinweg geht es um die Streitereien zwischen den Brüdern, Schwestern und Cousinen. Hier werden Bündnisse geschlossen und andere außen vor gelassen. Hier geht es um die Angst vor dem neuen Schuljahr im Internat, um Zukunftspläne, Traumberufe oder auch die Sorgen, um das in London gelassene Haustier.

Kleine und große Sorgen der Cazalets

Die Sorgen und Probleme der Eltern kommen zwar auch vor, aber bleiben im Gegensatz zu den Kinder doch weit zurück, was ich ein bisschen schade fand. So kam es mir streckenweise eher so vor, als würde ich einen Jugendroman lesen, als einen historischen. Dabei haben auch die Erwachsenen so ihre Problemchen: Heimliche Affären, berufliche Probleme, Probleme mit dem Personal und die Frage, ob die Eheleute wirklich dasselbe wollen. Man lernt wirklich von jeder Figur die persönlichen Sorgen, Ängste und Hoffnungen kennen. Was an sich ja sehr schön ist und den Figuren normalerweise die gewollte Tiefe gibt. Aber hier sind es so viele Figuren, dass vieles dann doch oft nur angedeutet oder angerissen wird.

Der einzige, der einen kühlen Kopf zu bewahren scheint, ist das Familienoberhaupt, der in dem ganzen emotionalen-familiären Durcheinander Vorkehrungen trifft, falls die Situation mit Hitler doch eskalieren sollte. Er plant schon Notunterkünfte und Bunker, in denen man sich verstecken kann…

100prozentig konnte mich Elizabeth Jane Howard Cazalet Chronik bisher noch nicht überzeugen, muss ich gestehen. Zwar liest sich die Geschichte ganz flüssig und einfach mit ihrem klaren Ziel. Aber besonders zu Beginn fühlte ich mich ziemlich erschlagen von den vielen Charakteren und konnte dadurch keinem so ganz nah kommen und mich mit ihm konkret anfreunden. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, dass ich das Buch aus der Hand gelegt habe, um mich mit anderem abzulenken. Elizabeth Jane Howard lässt sich sehr viel Zeit, ihre Figuren darzustellen und ihre kleine Geschichten lang auszuschmücken. Da muss man als Leser geduldig sein und sich auf dieses Erzähltempo einlassen.

Vielleicht lag es aber auch an den vielen Kinderstreitereien, die mich nicht so ganz fesseln konnten. Denn eigentlich lese ich solche historischen Familiengeschichten a la Downton Abbey sehr gerne. Ich würde der Familie Cazalet daher noch eine Chance geben und auch den nächsten Band lesen. Schließlich waren Die Jahre der Leichtigkeit ja nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe, in der natürlich die Vorgeschichte erzählt werden muss. Und selbst bei Downton Abbey gab es ein paar Folgen, die ich als etwas dröge empfunden habe, trotzdem würde ich die Serie immer wieder sehen und weiterempfehlen.

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