„Im Leben habe ich eigentlich nur meine Skincare fest im Griff“, sagt Katha, die Protagonistin von Daniela Wilmers neuem Roman „Gewöhnungsbedürftig“.
Katha ist 37, frisch getrennt und nach einem Treppensturz mit gebrochener Hand vorübergehend zurück bei ihrer Mutter in Bad Godesberg. Dort muss sie sich nicht nur mit alten Familienkonflikten auseinandersetzen, sondern vor allem mit sich selbst. Mit ihren Unsicherheiten, ihren Gewohnheiten und ihrer Tendenz, es allen recht machen zu wollen.
Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen und bin ehrlich: Im Buchladen hätte ich vermutlich nicht danach gegriffen. Cover und Klappentext klangen für mich eher nach einem netten, etwas seichten Roman über eine Frau in der Lebenskrise. Umso größer war die Überraschung, als ich das Buch praktisch in einem Rutsch durchgelesen habe. Und wirklich oft lachen musste. Daniela Wilmer schreibt herrlich sarkastisch, witzig und gleichzeitig sehr klug.
Besonders gefallen hat mir, dass hinter der lockeren Oberfläche viele Gedanken stecken, die vermutlich vielen Frauen bekannt vorkommen. Es geht um Körperbilder, Selbstzweifel und die Frage, wie viel Zeit und Energie wir darauf verwenden, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. An einer Stelle denkt Katha z.B. darüber nach, dass Frauen im Schnitt 478 Stunden ihres Lebens damit verbringen, über ihren Körper nachzudenken. Während Männer ihre Makel scheinbar ganz ohne Bedenken zur Schau stellen.
Überhaupt habe ich mich öfter dabei ertappt, dass ich Katha in manchen Dingen ähnlicher bin, als mir lieb ist. Dieses ständige Nachdenken. Das Gefühl, für alle verantwortlich zu sein. Die Angewohnheit, die eigenen Bedürfnisse erst einmal hintenanzustellen.
Daneben spricht das Buch auch größere Themen an. Verändert einen das Kinderkriegen wirklich? Oder sind es vielmehr die gesellschaftlichen Erwartungen daran, wie eine Mutter zu sein hat: glücklich, dankbar und selbstlos?
Nicht jeder Gedanke hat bei mir gleich stark gezündet. Aber deutlich häufiger, als ich bei diesem Buch erwartet hätte, habe ich Stellen markiert, die mich trotz ihres Humors zum Nachdenken gebracht haben.
