Brian Frank: Please come and get me

Fabian ist 30, trans und zieht nach seiner Brust-OP vorübergehend zurück zu seiner Familie in die niedersächsische Provinz. Das Verhältnis war seit seinem Outing angespannt, aber er hofft offenbar trotzdem auf Unterstützung während seiner Genesung.

Stattdessen merkt er schnell, dass etwas nicht stimmt. Er leidet unter Schwindelanfällen, sein Handy verschwindet und die Menschen um ihn herum verhalten sich seltsam. Vor allem sein Vater und dessen deutlich jüngere Partnerin scheinen eigene Pläne zu verfolgen. Als Fabian das Haus verlassen möchte, wird die Situation endgültig bedrohlich. Plötzlich steht nicht mehr nur sein Wohlbefinden auf dem Spiel, sondern seine Identität, seine Selbstbestimmung und letztlich sein ganzes Leben.

Was mich an dem Buch von Brian Frank zunächst sehr angesprochen hat, war das Thema. Fragen nach körperlicher Autonomie, familiärer Kontrolle und dem Recht, über das eigene Leben zu bestimmen, sind aktueller denn je. Besonders erschreckend fand ich die Vorstellung, dass Menschen ihre Übergriffigkeit als Sorge oder Fürsorge verkaufen können. Gerade innerhalb einer Familie entsteht dadurch eine Dynamik, die schwer auszuhalten ist.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker entwickelt sie sich in Richtung Thriller. Vor allem im letzten Drittel zieht das Tempo deutlich an. Die Bedrohung wird immer extremer.

Trotzdem bin ich am Ende von „Please come and get me“ von Brian Frank bei drei Sternen gelandet. Das lag vor allem daran, dass mir die Geschichte stellenweise etwas zu extrem wurde. Die Eskalation wird immer weiter gesteigert und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass die Handlung mehr auf Schock und Zuspitzung setzt als auf Glaubwürdigkeit. Natürlich lebt ein Thriller von Übertreibung und Bedrohung. Hier war es mir manchmal einfach einen Schritt zu viel.

Zurück bleibt für mich ein Buch, das wichtige Themen anspricht und über weite Strecken sehr spannend erzählt ist. Ganz überzeugt hat mich die Umsetzung nicht, aber das Thema und die Fragen, die der Roman aufwirft, fand ich deutlich stärker als die eigentliche Geschichte.

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