Emilio Salgari: Sandokan – Die Tiger von Mompracem

Sandokan war für mich vor allem eins: eine große Abenteuergeschichte. Piraten, Dschungel, geheime Verstecke, Verfolgungsjagden und sehnsüchtige Lieben. Beim Lesen liefen die Bilder fast von allein im Kopf ab. Man merkt schnell, warum diese Romane über Generationen hinweg so erfolgreich waren.

Im Mittelpunkt steht Sandokan, der als Pirat gegen die britischen Kolonialherren kämpft und den Beinamen „Tiger von Malaysia“ trägt. Als er Mariana kennenlernt, die Tochter einer englischen Familie, gerät sein Leben zwischen Abenteuer, Rache und Liebe. Gemeinsam mit seinen Gefährten zieht er in den Kampf gegen übermächtige Gegner und man weiß eigentlich schon früh, dass es weniger um Realismus geht als um das große Abenteuer.

Das Buch stammt aus einer anderen Zeit und das merkt man deutlich. Viele Figuren sind recht eindeutig gezeichnet. Die Helden sind mutig, die Bösewichte böse und die Frauen oft vor allem schön. Manches wirkte auf mich deshalb etwas klischeehaft. Vor allem die Darstellung der Figuren lässt wenig Raum für Zwischentöne.

Trotzdem hat mich das beim Lesen erstaunlich wenig gestört. Emilio Salgari versteht es einfach, seine Leser in diese Welt hineinzuziehen. Kaum hat man das Buch aufgeschlagen, befindet man sich mitten im tropischen Dschungel, auf einem Segelschiff oder in einer gefährlichen Festung. Die Handlung hat Tempo und entwickelt einen Sog, dem man sich leicht hingibt.

Natürlich würde ich Sandokan nicht wegen seiner psychologischen Tiefe oder seiner komplexen Figuren empfehlen. Aber als Abenteuerroman funktioniert das Buch auch heute noch erstaunlich gut. Es ist genau die Art von Geschichte, bei der man sich einfach zurücklehnen und mitreißen lassen kann.

Für mich war das eine Lektüre voller Kopfkino. Manchmal etwas kitschig, manchmal etwas klischeehaft. Aber immer unterhaltsam.

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