Rüskamp & Toschka: Tod auf der Kohleninsel

Vor kurzem wurde ich mit diesem Buch von Arnd Rüskamp und Dagmar Maria Toschka per Post überrascht, das mir zeigen sollte, dass auch der Ruhrpott Krimis zu bieten hat. Denn normalerweise bin ich ja eher ein Fan der Crime Novels aus Skandinavien von Nesbo, Adler-Olsen, Mankelln oder vom südafrikanischen Autor Deon Meyer. Aber ich habe mich gleich ans Lesen gemacht und die knapp 250 Seiten starke Geschichte verschlungen, um herauszufinden, was so ein eine Crime Novel aus dem Pott zu bieten hat.

Die Geschichte startet in Ruhrort, ein Stadtteil von Duisburg. Hier trifft Industrieromantik auf Schifffahrtsflair. Doch die Idylle trübt. Denn hier wird die Leiche von Guste Krawitz gefunden. Erstickt mit einer Plastiktüte. Ein Schock für viele, denn Guste war mit ihrem Kiosk die gute Seele der Gegend, hatte viele Freunde und Bekannte. Darunter auch den Ex-Polizisten Theo Bosmann, der als trotzdem die Ermittlung aufnimmt. Gemeinsam mit seiner… ja was eigentlich genau?… Freundin? Partnerin? Gefährtin? Betty Harmes, ihres Zeichens Anwältin der Armen und gleichzeitig Kellnerin und Restaurantkritikerin versucht Theo herauszufinden, wer Guste so etwas antun konnte. Dabei gerät Betty auch schnell in Gefahr. Sie bekommt bedrohliche Nachrichten und es wird in ihre Wohnung eingebrochen. Sind das etwa die selben Täter, die auch Guste auf dem Gewissen haben?

Aber das ist nicht genug. Auf dem Weg zur Lösung des Falles lernen wir Mellie kennen, eine junge Drogenabhängige, die als Zeugin aussagen macht, ebenfalls in Gefahr gerät. Wir treffen auf Theo Bosmanns Sohn, der die Leiche von Guste findet, und seine Frau, die Beziehungsprobleme zu haben scheinen. Dann gibt es da noch Theos Ex-Frau, toughe Staatsanwältin, bei der man nicht genau weiß, ob sie noch Gefühle für Theo hat oder nicht. Nicht zu vergessen Opa Willie, der mit seinem Handy aus versehen Aufnahmen in der Tatnacht gemacht hat, Raluca, Theos Mitarbeiterin, die ihn ständig mit selbst gekochten Essen aufwartet und einen Korb erhält, und Theos Hacker-Freundin aus Schulzeiten, die unfassbar reich ist, ihre Villa aber nie verlässt. Ihr merkt vielleicht, es gibt ein ganz schön großes Ensemble an Personen, die auf den knapp 250 vorgestellt werden. Man hat fast das Gefühl, ganz Duisburg ist mit Theo Bosmann befreundet und bekannt.

Moderner Schimanski oder Ermittler für Arme?

Aber wer ist dieser Ermittler überhaupt? Als ein modernen Schimanski wird er verkauft. Harte Schale, weicher Kern. Und natürlich Womanizer. Trotzdem blieb er für mich ziemlich unnahbar. Für mich wirkte er mehr wie ein Abziehbild. Kein wirklich tiefgehender Charakter in den man sich so richtig reinfühlen kann. So kamen mit allerdings alle Figuren vor. Für die knapp bemessene Seitenzahl war mir da irgendwie zu viel los. Zu viele Personen, die eingeführt werden, nur um irgendwie am Rand zu bleiben. Oder deren Geschichte eine völlig neue Baustelle aufmachte, die die Handlung nicht voranbringt und vom eigentlichen Fall ablenkt.

Natürlich kommen in klassischen Krimis auch immer Seitenstränge in der Erzählung auf. Der Ermittler hat meist Frauen- oder Alkoholprobleme. Sein Partner hat ein düsteres Geheimnis. Was auch immer. Damit kann ich gut leben und das gibt den Geschichten ja auch Tiefgang. Man identifiziert sich mit den Personen, kommt ihnen näher, erfährt noch mehr über sie. Hier wird aber alles nur kurz und knapp angerissen. Ins Detail gegangen wird nie. Hätte man die Handlung auf die doppelte Seitenzahl erweitert, dann würde da bestimmt eine runde Sache draus werden. So war es irgendwie etwas sehr gewollt, aber nicht richtig gekonnt.

Geschichte mit wenig Tiefgang

Auch inhaltlich waren einige Unstimmigkeiten für mich dabei: An einer Stelle rasiert sich Theo zum Beispiel und beschwert sich darüber, wie lästig das doch sei mit so einem Nassrasierer und man schneidet sich ja ständig. Nur um wenige Seiten später das Rasieren als einer Art Erholung zu beschreiben, um von den Ermittlungen runter zu kommen. Oder nehmen wir Betty: Welche Anwältin arbeitet nebenbei noch als Kellnerin und Gastro-Testerin? Oder die Geschichte mit Junkie Mellie. Lange ist man mit ihr befreundet, nimmt ihre Abhängigkeit hin – bis sie im Krankenhaus landet. Dann werden auf einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dem Mädchen eine neue Bleibe zu suchen und einen Job. Hätte man das – logischerweise – nicht schon früher machen können, wenn man sich so gut kennt? Ebenso sah es bei der Ermittlung aus. Ohne zu viel verraten zu wollen, waren mir das doch zu viele Zufälle, die sich da ergeben haben und zu wenig Eigenleistung von Theo.

Keine Frage, die Geschichte liest sich schnell weg. Und bestimmt freut man sich als Ortskundiger darüber, die Szenerie wiederzuerkennen. Aber für Außenstehende fehlt dieser Charme leider. Und dann blieb leider nicht mehr ganz so viel Tiefgang übrig.

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