Rudyard Kipling: Das Dschungelbuch

Dschungelbuch

Mogli und seine Freund Balu und Baghira? Das Dschungelbuch? – Das sind doch Kindergeschichten. Von Disney als schöner Film mit passenden Songs verpasst. Kennt man doch alles schon! Denkste! – Denn wusstet ihr, dass Mogli so viel bedeutet wie Frosch? Das Kaa und Mogli in Wirklichkeit Freunde sind? Und das Shir Khan gar nicht die schlimmste Bedrohung im Dschungel ist? Dann solltest ihr vielleicht – so wie ich – mal die Mogli-Geschichten zur Hand nehmen und euch von Rudyard Kipling in die phantasievolle Welt des Dschungelbuchs und von Mogli und seinen Freunden entführen lassen. Denn da gibt es so viel mehr Abenteuer, als Moglis Kampf gegen den fiesen Tiger!

Aber ganz anders als beim Zeichentrickfilm geht es bei Rudyard Kipling nicht immer alles so Li-La-Laune-Bär-mäßig zu. Das Leben im Dschungel ist hart und gefährlich! Wer sich nicht an seine Gesetze hält, der muss mit Konsequenzen rechnen. Das muss der kleine Mogli früh lernen. Sein Leben wird im Tausch gegen einen gerissenen Ochsen gerettet, den Baghira opfert – und so wird der Junge in das Wolfsrudel aufgenommen. Mutter Wolf nimmt ihn auf, ihre Kinder sind seine Brüder, er lernt ihre Sprache und von Balu und Baghira lernt er die Gesetze des Dschungels. Es geht ums Fressen oder Gefressen werden. Macht man sich Feinde, so hat man schnell nachsehen. Doch stellt man sich schlau an und folgt den Regeln, dann können sogar gefährliche Wesen, wie die Riesen-Schlange Kaa, schnell zum Freund bzw. Verbündeten werden.

Der Kampf zwischen Mogli und Shir Khan ist natürlich ein wichtiger Bestandteil, denn der Tiger hat gleich von Anfang an ein Problem mit dem Menschenwelpen. Und man erfährt nach und nach auch, warum der Tiger so erpicht darauf ist, den Jungen zu töten. Doch schließlich muss er lernen, dass auch gefährliche Tiger nicht unbesiegbar sind. Er verstößt gegen das Dschungelgesetz – und muss mit den Konsequenzen leben. Mogli dagegen muss lernen, dass auch er sich an das Gesetz halten muss. Denn als er es nicht tut, bekommt er gleich Ärger mit einer Horde Affen. Und irgendwann muss der Junge lernen, dass er eben doch nicht ganz in den Dschungel gehört, sondern zur Menschenwelt – auch wenn sie ihm noch so fremd ist.

Unheimlich phantasievoll kommt einem diese bunte Dschungelwelt mit all ihren Bewohnern vor. Aber auch sehr ernst und bedrohlich. Kipling beschönigt hier nichts und ist mit seinen brutalen Erzählungen vom Kampf zwischen den Tieren weit entfernt von der späteren Umsetzung durch Disney. Hier wird schnell klar: Es gibt Regeln und Gesetze und an die muss man sich halten! Und: Der Dschungel ist bedrohlich! Man darf keine Angst haben in dieser Welt, sonst geht man unter. Eine der größten Gefahren scheint für die Tiere aber schlichtweg der Mensch zu sein, der durchtrieben und habgierig sind und zum Vergnügen töten.

Zwischen den einzelnen Erzählungen sind außerdem noch kurze Gedichte und Lieder eingeflochten. Meist sind es Gesänge der unterschiedlichen Tiere, von Mogli oder der Text des Dschungelgesetzes, die hier wiedergegeben werden und für mich noch weiter zu der fast schon mystisch-exotischen Stimmung dieses Buches beitragen und von dem Übersetzer Andreas Nohl wundervoll übersetzt wurden. Es lohnt sich also durchaus, diesen alten Klassiker, der so sehr im Ruf steht ein Kinderbuch zu sein, zur Hand zu nehmen und einmal die „wahren“ Mogli-Geschichten zu lesen. Denn die literarische Vorlage ist so weit weg von den vielen Verfilmungen – allen voran natürlich die kindgerechte Disney-Variante.

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