Edgar Rice Burroughs: Tarzan bei den Affen

Tarzan Schuber Buchlingreport

Ich lese ja immer wieder gerne Bücher, von denen man eigentlich denkt: Die Story kenne ich doch schon aus dem Fernsehen oder aus dem Kino. Aber wenn man dann doch einmal das Original zur Hand nimmt und die Geschichte liest, wie sie eigentlich ausgedacht wurde. Wird man sehr oft überrascht. Zum Beispiel habe ich mal Mary Poppins gelesen und war erstaunt, dass die Super-Nanny gar nicht so zauberhaft war, wie in der Disney-Version. Oder letztes Jahr habe ich das Dschungelbuch von Kipling gelesen und schnell gemerkt: Das ist kein süßes Kinderbuch. Hier geht es ganz klar ums Fressen oder Gefressen werden. Denn oft wird für das Fernsehen die Geschichte ziemlich weichgespült, verniedlicht, als Kindergeschichte verpackt, obwohl sie gar nicht so ausgelegt war. Als ich dann gleich über einen ganzen Schuber mit drei Tarzan-Büchern gestolpert bin, war das für mich mal wieder ein schöner Anlass, um so einen absoluten Klassiker zu lesen und zu schauen, inwieweit Buch und Film zusammenpassen.

Gleich drei Tarzan-Bücher? Ja, ich habe auch gestaunt. Eigentlich kennt man ja nur die Geschichte von Tarzan und Jane, die sich beide im Dschungel kennen und lieben lernen. Aber Edgar Rice Burroughs hat tatsächlich ganze 23 Fortsetzungen über den Mann aus dem Dschungel geschrieben, wobei das erste Abenteuer sicherlich das bekannteste ist.

Tarzan bei den Affen

Lord Greystoke soll in Westafrika einen neuen Posten antreten. Deshalb reist er mit seiner Schwangeren Frau mit dem Schiff in Richtung „schwarzer Kontinent“. Doch auf der Reise kommt es zur Meuterei und die beiden Greystokes werden auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Lord Greystoke baut für sich und seine Frau eine kleine Hütte, um ihnen Schutz vor den wilden Tiere zu verschaffen, die sie immer wieder bedrohen. Kurz darauf kommt der Sohn der beiden auf die Welt, Lady Greystoke stirbt allerdings an den Folgen der Geburt. Und ihr Mann wird im Kampf mit einem der großen Affen getötet. Das Baby bleibt allein zurück, wird aber von der Affenfrau Kala aufgenommen. Die wiederrum hatte zuvor ihr eigenes Kind verloren und nimmt sich deshalb des Menschenkinds an. Das Baby erhält den Namen Tarzan und wächst bei den Affen auf, bis er eines Tages die Hütte seiner Eltern wiederfindet und merkt, dass er nicht wirklich zu den Affen gehört. Er bringt sich selbst Lesen und Schreiben bei, trennt sich von der Affengruppe und beobachtet die Eingeborenen auf der Insel und wie diese so leben. Eines Tages wiederholt sich das Schicksal: eine weitere Gruppe wird auf der Insel ausgesetzt, wegen einer Meuterei an Bord eines Schiffes: So gelangt Jane Porter, die Tochter eines Wissenschaftlers auf die Insel. Ohne zu viel zu verraten, war ich hier aber doch sehr erstaunt, dass die Geschichte ganz anders ausgeht, als man es von Disney und Co. kennt.

Tarzan und die Schiffbrüchigen

Die Geschichte spielt zur Zeit des 2. Weltkriegs. Die Deutschen Schmidt und Krause wollen Wildtiere aus Afrika verschiffen, um damit eine große Show in New York aufzubauen und viel Geld zu verdienen. Auch Tarzan wird gefangen genommen und soll als Kuriosität ausgestellt werden. Durch einen Unfall hat er das Sprechen und Schreiben vergessen. Das ändert sich aber bald. Denn durch eine Meuterei an Bord werden u.a. eine schöne Französin und auch andere Mitglieder der Besatzung gefangen genommen. Auch ein zweites Schiff wird gekapert und die Reisenden gefangen genommen. Die hübsche Französin schafft es, dass Tarzan sich an seine Sprache erinnert, er zerschlägt die Meuterei, aber das Schiff kommt in einen Sturm und kentert. Die Besatzung strandet auf einer – scheinbar – einsamen Insel. Aber schnell kommt raus: Mayas bewohnen die Insel. Und sie opfern Menschen für ihre Götter. Und Tarzan ist natürlich die ganze Zeit damit beschäftigt, die Mannschaft vor allerlei Bedrohungen zu retten.

Tarzan und der Verrückte

Ein Doppelgänger macht den Urwald unsicher! Ebenfalls mit Muskeln bepackt und einen Lendenschurz tragend gibt sich der Fremde als Tarzan aus, verschleppt Frauen und Kinder aus Eingeborenendörfern und entführt die Millionärstochter Sandra Pickerall. Sandras Vater setzt daraufhin ein Preisgeld aus, wer seine Tochter findet und den angeblichen Tarzan zur Strecke bringt, bekommt ein hohes Preisgeld. Das kann der eigentliche König des Urwalds natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Er muss will das Double zur Strecke bringen und seinen Ruf wiederherstellen. Aber dafür müssen natürlich wieder reichlich Dschungleabenteuer bestanden werden.

Eigentlich mag ich solche Abenteuerromane ja sehr gerne. Beim Lesen musste ich auch gleich als erstes an das Dschungelbuch von Kipling denken, dass ich ja auch gerade erst verschlungen habe. Ich muss aber gestehen: Tarzan war mir – im Gegensatz zum Dschungelbuch – um einiges zu platt. Schon nach dem zweiten Buch musste ich eine große Pause einlegen, weil die Geschichten dann doch irgendwie immer gleich sind. Alles dreht sich nur darum, dass Tarzan wieder irgendeine Jungfrau in Nöten vor irgendwelchen Gefahren retten muss. Überhaupt: Alle Frauen schmachten Tarzan natürlich vom ersten Anblick an! Alle Männer sind ein Witz gegen ihn. Entweder – wenn sie “gut” sind – sind sie Waschlappen und können nix, sind sie dagegen Bösewichte und Gegenspieler, wartet eine Strafe auf sie. Diese Macho-Nummer viel mir nach wenigen Seiten ziemlich auf den Wecker und hat den guten Tarzan für mich auch eher zum Un-Sympath werden lassen, als zum Helden. Aus der heutigen Sicht.

Klischees wohin das Auge reicht

Tarzan ist aber nicht nur der stärkste im Dschungel, sondern auch noch der schlauste! Schlauer als die weißen Männer, schlauer als die Ureinwohner und schlauer als die Tiere. Er kann sich sogar ganz alleine Lesen und Schreiben beibringen. Nur beim Sprechen hat es dann gehapert. Allein das kam mir doch reichlich unwahrscheinlich vor. Die Sprache aller Tiere kann er sprechen? Aber Englisch funktioniert nur in Schriftform? Genau!

Und was ist mit diesen Frauenfiguren los? Die leiden alle so sehr unter dem Stockholm-Syndrom, dass ich fast schreien möchte. Kaum hat Tarzan die blonde, rothaarige oder brünette Holde – ob die nun Jane, Sandra oder wie auch immer heißt, ist echt egal, so austauschbar sind die Ladys – entführt, schmeißen sich die Damen ihm an den Hals und sind zu nichts anderem mehr fähig, als den Halbwilden anzuhimmeln. Ja gut, das mag zum damaligen Bild der Frau in der Gesellschaft gepasst haben. Aber aus heutiger Sicht regt mich das einfach nur auf.

Für mich waren diese Geschichten einfach eine Anhäufung an Klischees und immer wiederkehrenden Bildern. Wirklich Neues passiert da nicht. Immer gibt es einen bösen Stamm von Kanibalen, gefährliche Löwen oder skrupel- und ahnungslose Europäer. Und über allem steht König Tarzan, der sich sein Gesetzt selbst schreibt und dafür angehimmelt werden soll.

Ich glaube, ich muss gar nicht viel mehr schreiben. Meine Haltung ist wohl klar deutlich. Mich hat Tarzan so gar nicht umgehauen oder zum Anhimmeln gebracht. Beim dritten Band musste ich echt sehr kämpfen, dass ich den überhaupt abschließe. Mehr Tarzan-Abenteuer wird es für mich sicherlich nicht geben.

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