Ray Bradbury: Fahrenheit 451

Eine Welt aus Feuer und Flammen. Eine Welt in der Bücher verbrennen, Lesen verboten ist und Leseratten wie wir verpönt und verächtet sind – ja sogar verfolgt werden. So eine Welt beschwörtfahrenheit-451-buchlingreport Ray Bradbury in seinem dystopischen Klassiker Fahrenheit 451 hervor. Eine Horrorvorstellung. Und trotzdem hat mich dieser Roman völlig in seinen Bann gezogen und ich habe ihn in einem Stück verschlungen. Dabei klingt bereits der Titel Fahrenheit 451 wie eine Bedrohung, für jedes Buchliebhaberherz. Denn im Vorwort wird geschrieben, dass 451° Fahrenheit, sprich 232,8° Celsius, die (fiktive) Temperatur ist, bei der sich Papier selbst entzündet.

Hauptperson in diesem düsteren Zukunftsgeschichte ist Guy Montag, ein bücherverbrennender Feuerwehrmann. Ja ihr habt richtig gehört: Feuerwehrmann. Denn die sind in dieser Welt nicht mehr da, Feuer zu bekämpfen, sondern es zu legen. Sie verbrennen alles, was das Volk zum Nachdenken oder zum Hinterfragen des Systems anregen könnte. Und Guy liebt seinen Job. Jedes Feuer zaubert ihm ein Lächeln aufs Gesicht. Wie sehr er in dieser Aufgabe aufgeht, zeigt auch dieses Zitat, in dem er seinen Job beschreibt: „Es ist ein schöner Beruf. Montag verbrenne ich Millay, Mittwoch Melville, Freitag Faulkner, verbrenne sie zu Asche, dann verbrenne ich noch die Asche. Das ist unser Motto.“

Guy arbeitet hart, damit er und seine Frau Mildred sich die vierte Fernsehwand leisten können. Drei haben sie bereits und die füllen das Wohnzimmer aus in dem Mildred mit ihrer „Fernseh-Familie“ den ganzen Tag zusammensitzt und sich nach einem Drehbuch „unterhält“. Denn eigenständiges Denken – wer macht denn sowas?

So sieht das tägliche Leben von Guy aus – bis er auf das neue Nachbarsmädchen Clarisse trifft. Sie ist irgendwie anders als die anderen Menschen. Sie sitzt nicht den ganzen Tag vor den Fernsehwänden. Nein, sie ist draußen in der Natur, beobachtet die Menschen und – noch viel schlimmer – stellt Fragen. So kommt sie auch mit Guy ins Gespräch. Sie spricht mit ihm über seinen Beruf: Ob er die Bücher, die er verbrennt jemals gelesen habe? Ob er wisse, dass morgens auf dem Gras Tau liegt? Und ob er glücklich mit seinem Leben sei? Er ist Guy irritiert von diesem merkwürdigen Mädchen, das so anders scheint als alle anderen. Er möchte von ihr weg. Doch mit der Zeit scheint sich irgendetwas in ihm zu regen. Und Guy fängt an, alles was er kennt, was sein Dasein ist, in Frage zu stellen! Was folgt ist ein dramatischer Ausbruch aus seinem Leben und der Versucht, es zu ändern.

Was für eine Geschichte! Mich hatte sie schon von den ersten paar Seiten gefesselt. Und das erschreckende ist, dass dieser Zukunftsroman nicht einfach nur eine fiktive Idee ist, keine fiktive Realität, die in unserer Welt utopisch ist. Das passiert nicht in einem anderen Universum, auf einem anderen Planeten oder einer Welt mit Drachen, Feen und Elfen. Nein! Das ist unsere Welt. Bücherverbrennungen,Verdummung durch Fernsehen und eine Diktatur, die keine eigene Meinung mehr zulässt. Das ist alles schon da gewesen bzw. ist es immer noch. Und das macht Ray Bradurys so bedrohlich ehrlich und intensiv! Für mich ist Ray Bradburys Roman deshalb ein Buch das wirklich jeder gelesen haben sollte. Ein Weckruf dafür, den Fernseher auszuschalten, sein Buch zu lesen und endlich wieder anzufangen sich eigene Gedanken zu machen und nicht wie ferngesteuert vor der Mattscheibe zu sitzen! Eine ganz große Geschichte, die auf wenigen Seiten schafft, was manch 1000-Seiten-Schmöker nicht umsetzen kann! Großartige Literatur!

 

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