Olive Schreiner: Geschichte einer afrikanischen Farm

Und wieder Zeit für ein Leseexperiment! Im Juli haben die Mädels vom Read Pack sich besonders viel Mühe gemacht und einen Zufallsgenerator auf ihren Blog gebastelt. Der hat beim Anklicken der Seite dann einen Verlag ausgespuckt, von dem ein Buch gelesen werden sollte. Bei mir war es der Diogenes Verlag. Also habe ich die Chance genutzt und meinen SuB mal wieder etwas versucht abzubauen. Denn schon seit einem guten Jahr liegt das Buch von Olive Schreiner in meinem Regal. Ich hatte es einmal bei Thalia vom Mängelexemplartisch gerettet. Und, um ehrlich zu sein, ohne die Challenge hätte es wahrscheinlich noch eine Weile aufs Lesen gewartet.
„Aus blauem Nachthimmel verströmte der afrikanische Mond seine ganze Lichtfülle auf das weite, verlassene Land.“
Olive Schreiner ist über die Grenzen Südafrikas sicherlich nicht vielen Leuten bekannt. Auch ich habe erst nach dem Lesen einiges über die Autorin recherchiert und war sehr verblüfft. Denn in Afrika ist Schreiner eine berühmte Figur der Frauenbewegung. Darüber hinaus setzte sie sich auch für die Schwarzen bzw. alle unterdrückten Minderheiten ein. Seit 1964 wird von der English Academy of Southern Africa der Olive Schreiner Price an nicht-etablierte, talentierte Schriftsteller vergeben. 1883 erschien Die Geschichte einer afrikanischen Farm – ihr Erstlingswerk – noch unter dem männlich Pseudonym Ralph Iron. Nach Erscheinen des Buches galt die Geschichte schnell als Sensation und wurde bald mit Emily Brontes Wuthering Heights verglichen!

Die zum Teil an einen Bildungsroman erinnernde Geschichte handelt von drei Kindern die Ende des 19. Jahrhunderts auf einer kleinen Farm mitten in der Karoo-Wüste aufwachsen: Da ist der ruhige Waldo, dessen Vater auf der Farm angestellt ist und der viel über Gott und Philosophie grübelt. Die bodenständige Em, Stieftochter der Farmbesitzerin. Und ihre schöne und schlaue Cousine Lyndall. Sie und Waldo versuchen alles, um aus den engen Verhältnissen der Farm und damit der afrikanischen Gesellschaft auszubrechen. Waldo träumt davon durch das Land zu reisen, träumt davon an die Universität zu gehen. Vor allem aber möchte er aus den engen religösen Vorschriften ausbrechen, die ihn schon im Kindesalter gefangen zu halten scheinen. Lyndall wiederum kämpf gegen das vorgeschriebene Rollenbild der Frau. Sie will nicht einfach nur Mutter uns Hausfrau sein, sondern studieren und sich keinem Mann unterordnen müssen.

Einzig Em versucht sich mit dem Leben auf der Farm zu arrangieren, die sie schließlich auch einmal erben soll. Als der neue Pächter Gregory auf der Farm erscheint verliebt sie sich in ihn, die beiden verloben sich sogar und einer glücklichen gemeinsamen Zukunft scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Als Lyndall aber vom Internat zurückkehrt, verfällt Gregory schnell ihren Reizen…

Neben den Lebenswegen der drei Kinder bringt Schreiner aber auch zahlreiche andere Dinge in ihrer Geschichte unter. Vor allem philosophische Diskurse und Waldos Gedanken über Gott werden intensiv dargestellt. Und waren mir persönlich leider etwas zu viel des Guten. Die „anschaulichen Naturschilderungen“, die von vielen Kritikern gelobt werden, kamen mir dafür viel zu kurz. Zwar heißt das Buch Geschichte einer afrikanischen Farm. Aber genau das Afrikanische hat irgendwie gefehlt. Sicher kommen in der Geschichte Straßen vor, Begriffe wie Bure o.ä. werden genannt – aber eigentlich hätte das Setting auch ein ganz anderes sein können. Denn die Farm hätte genauso gut in jedem anderen Land liegen können, damit die Geschichte „funktioniert“. Das ist an sich ja nicht schlimm. Aber bei einem Buch mit diesem Titel hat mit einfach das Afrika-Feeling gefehlt. Irgendwie ist der Funke nicht ganz übergesprungen. Schade!

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