Lesetipp des Monats: Wo Spinnen ihre Nester bauen

Wo Spinnen ihre Nester bauen

In letzter Zeit war es etwas ruhiger bei uns. Britta war im Urlaub und hat Costa Rica bereist. Und bei Laura hatte einfach der Trubel im Alltag und im Büro Überhand. Aber jetzt wollen wir wieder durchstartet. Los geht’s mit unserem Lesetipp des Monats im Dezember. Dieses Mal mit Italo Calvino.

Eckdaten zum Autor:

Italo Calvino zählt als einer der bedeutensten italienischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1923 in Kuba geboren, wo seine Eltern zeitweilig arbeiteten, wuchs aber in Italien auf. Da seine Eltern Botaniker waren, studierte auch Calvino zunächst Agrarwissenschaften. Erst nach dem 2. Weltkrieg folgte ein Literaturstudium mit Promotion. Während des Krieges versteckte sich Calvino, um der Einberufung zu entgehen. Statt dessen schloss er sich mit seinem jüngeren Bruder Floriano der im Untergrund tätigen Kommunistischen Partei Italiens und deren Partisanengruppe an. Diese Erlebnisse schlagen sich auch in vielen Werken Calvinos nieder. Wie auch in seinem ersten Roman „Wo Spinnen ihre Nester bauen“, der 1947 erschien. Es folgen Reisetagebücher, Erzählungen und Romane und sogar eine Sammlung italienischer Volksmärchen. Seine Fiabe italiane ist gleichzusetzen mit den deutschen Märchen der Brüder Grimm. Später lebte Calvino in Paris, lernete dort Rland Barthes und Claude Lévi-Strauss kennen. Seinen Werken gelang nach und nach der internationale Durchbruch und Calvino wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet sowie als Honorary Member oft he American Academy ernannt. 1985 erleidet Calvino einen Gehirnschlag, verfällt ins Koma und stirbt am 19. September 1985.

Wichtigste und bekannteste Werke:

  • Wo Spinnen ihre Nester bauen, 1947
  • Fiabe Italiane, 1956
  • Die unsichtbaren Städte, 1972
  • Das Schloss, darin sich Schicksale kreuzen, 1973
  • Wenn ein Reisender in einer Winternacht, 1979

Inhalt:

Pin ist ein elternloser Straßenjunge, der in Ligurien aufwächst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Seine Schwester prostituiert sich, um die beiden durchzubringen, und Pin ist fast so etwas wie ihr Zuhälter, bringt immer wieder Männer nach Hause und macht auf den Straßen „Werbung“ für sie. Pin lebt in einer Art Zwischenwelt: Zu erwachsen, für die Kinder in seinem Viertel, mit denen er deshalb nicht spielen kann. Zu kindlich für die Erwachsenen in der Kneipe, die er versucht mit seinen vulgären Gesängen zu beeindrucken, obwohl er ihr politisches Gerede doch nicht wirklich versteht. Trotzdem kriegen sie Pin dazu, dem deutschen Matrosen, der seine Schwester immer wieder besucht, die Waffe zu klauen – und sie dort zu verstecken, wo Spinnen ihre Nester bauen, in Pins geheimen Versteck, wo er sich vor der Welt zurückzieht.

Was für den Jungen eine Mutprobe ist, um endlich von den Erwachsenen anerkannt zu werden, endet für ihn gefährlich. Denn die Deutschen schnappen ihn, stecken ihn ins Gefängnis und wollen ihn über die Pläne der Partisanen aushorchen. Im Gefängnis freundet er sich schließlich tatsächlich mit einem Partisanen an, der Pin bei seiner Flucht mitnimmt und der Junge so in einem Lager der Gruppe aufgenommen wird und den Krieg von deren Seite verfolgen kann.

Unsere Meinung:

Wo Spinnen ihre Nester bauen ist Calvinos Erstlingswerk, das er mit 23 Jahren veröffentlichte und das ihn gleich berühmt machte. Aus der Sicht des jungen Pin zeigt Calvino die ganze Fragwürdigkeit des Krieges, Sex, Heldentums, Politik und des Erwachsenseins auf – und lässt sich doch ganz kurzweilig lesen. Denn durch die naive Sicht des Kindes stecken wir ebenfalls in dieser Zwischenwelt von Erwachsen sein und Kindheit fest, amüsieren uns über Pins Unverständnis auf der einen Seite und leiden mit ihm, dass ihm keine Rechte Kindheit gegönnt wird. Nicht zu Unrecht wird Pin von Kritikern oft mit Tom Sawyer oder Jim Hawkins verglichen, denn der vorlaute Junge muss ebenfalls viele Abenteuer mit und gegen die Erwachsenen bestehen – manchmal im Spaß und manchmal eben in ernsten Situationen. Und es zeigt, wie dumm, unüberlegt und egoistisch viele Erwachsene – und in diesem Fall besonders die Männer – handeln. Mein erster Calvino – und es wird bestimmt nicht mein letzter.

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