Lesetipp des Monats: Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich

Saroyan Buchlingreport

Im Dezember möchten wir euch einen heutzutage leider ziemlich unbekannten Autor ans Herz legen: William Saroyan. Im Amerika der 1930iger Jahre war der Autor unheimlich bekannt und sahnte für seine Kurzgeschichten viele Preise ab. Heute kennt ihn aber kaum noch jemand. Zum Glück hat der dtv Verlag nun mit „Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich“ einen Band mit Saroyans Kurzgeschichten herausgebracht und den Autor damit wieder aus der Versenkung geholt.

Eckdaten zum Autor:

Saroyan war einer der wichtigsten US-Amerikanischen Literaten des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde der Sohn armenischer Einwanderer am 31. August 1908 in Kalifornien. Nach dem Tod des Vaters wuchs Saroyan mit seinen Geschwistern in einem Waisenheim auf, bis die Mutter einen festen Job hatte und die Familie versorgen konnte. Er beschloss Schriftsteller zu werden, nachdem seine Mutter ihm Schriften des Vaters zeigte.  Saroyan schrieb zwischen 1928 und 1936 eine Vielzahl an Kurzgeschichten, die ihn bekannt machten.  Danach schrieb Saroyan auch diverse Drehbücher und Theaterstücke. Für sein Stück The Time of your Life erhielt er den Pulitzer-Preis – für weitere Geschichten lehnte er die Auszeichnung sogar ab. Und für das Drehbuch zu The Human Comedy sogar einen Oscar. Sein ganz eigener Schreibstil wurde auch unter dem Namen „Saroyanesque“ beschrieben. Er starb im May 1981.

Wichtigste und bekannteste Werke:

William Saroyan schrieb eine Vielzahl an Kurzgeschichten, Dramen und Drehbüchern. Manche seiner Geschichten schrieb er einfach innerhalb einer Woche „herunter“. Es fällt mir daher schwer, unter dieser bunten Palette auszuwählen, versuche es aber trotzdem:

  • Siebzigtausend Assyrer (1934)
  • My Name is Aram (1940)
  • The Human Comedy (1943)
  • Tracy’s Tiger (1952)

Inhalt:

In dem Buchband „Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich“ finden sich 16 von Saroyans Kurzgeschichten, die zum Teil noch nie auf Deutsch erschienen sind. Die Helden dieser Kurzgeschichten sind dabei alle aus dem Alltag gegriffen: Da gibt es Schuljungen, die Birnen aus Gärten klauen. Wir treffen auf Wettsüchtige, mexikanische Landarbeiter, Indianer, einen philippinischen Ringer, Versicherungsvertreter und vieles mehr. Es ist ein bunter Querschnitt durch die Arbeiterschicht, ein Potpourri aus Kulturen.

Wie nah diese Erzählungen am Alltag sind, zeigt zum Beispiel die Geschichte von dem jungen, arbeitslosen, armenischen Schriftsteller (Saroyan) der sich von einem assyrischen Friseur die Haare schneiden lässt. Dabei sprechen sie über ihre beiden verfolgten Völker. Ein anderer Protagonist verliert seinen Job, damit eine ältere Kollegin ihren behalten kann. Statt dessen macht er eine Probefahrt mit einem Motorrad – und hat sich noch nie so frei gefühlt. Und eine alte Lady nötigt zwei Jungs zum Singen im Kirchenchor. Aber Saroyan zeigt deutlich, dass eben auch diese Momentaufnahmen des täglichen Lebens erzählenswert sind.

Unsere Meinung:

Saroyan traf mit seinen Geschichten den Nerv der Zeit. Im Gegensatz zu den „Great Gatsbys“, die nur ans Feiern, Trinken und Protzen dachten, lässt Saroyan in seinen Geschichten die einfach Menschen sprechen: die, die nicht wissen, wo die nächste Mahlzeit herkommt. Die schwere Zeiten durchstehen müssen. Die ihren Alltag meistern müssen. Dementsprechend schlicht kommt auch der Stil und die Sprache der Storys daher. Dadurch sind sie schnell zu lesen, haben aber ihren ganz eigenen Humor dabei. Und eben dieses Alltägliche ist es, das Sayorans Momentaufnahmen so zeitlos macht. Denn  die Themen  und Probleme seiner Anti-Helden sind heute immer noch brandaktuell: hier prallt arm auf reich, Migranten stehen neben Einheimischen, es geht um Diskriminierung, Rassismus, Ungerechtigkeiten. Darin erkennt man schnell unsere heutige Gesellschaft wider! Sayorans Short Stories können sich ohne Probleme mit denen seiner Zeitgenossen Hemingways oder F. Scott Fitzgeralds messen.

 

 

 

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