Lesetipp des Monats: Gefährliche Liebschaften

Bei meinem neuen Lesetipp möchte ich euch gerne einen französischen Klassiker vorstellen. Das schöne daran ist, dass ihr die Geschichte dahinter bestimmt alle kennt. Denn die Story wurde 1999 mit Sarah Michelle Gellar, Reese Witherspoon und Ryan Philippe verfilmt – unter dem Namen Eiskalte Engel. Dabei basiert die Handlung auf dem Briefroman Gefährliche Liebschaften von Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos.

Eckdaten zum Autor:

Über Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos, meist schlicht nur Laclos genannt,  ist nicht allzu viel bekannt. Der französische Offizier und Schriftsteller, der 1741 geboren wurde, absolvierte eine frustrierende militärische Karriere, in der er überwiegen mit langweiligen Aufgaben, wie der Beaufsichtigung der Instandsetzungen von Festungen, beschäftigt war. Literarisch versuchte er sich zunächst an Gelegenheitsdichtungen, Librettos und erotischen Erzählungen. Bis Laclos schließlich die Gefährlichen Liebschaften schrieb, um seinen Groll auf die Adeligen zu verarbeiten – und damit schließlich berühmt wurde. Die Erstausgabe erschien am 23. März 1782 und Innerhalb eines Monats war die gesamte Auflage von 2.000 Exemplaren verkauft und es waren Nachdrucke nötig. Laclos selbst verschwand – obwohl sein Buch ein Erfolg aber auch gleichzeitig ein Skandal war – danach mehr oder minder in der Versenkung. Er wurde auf einen weiteren langweiligen Militärposten versetzt und versuchte sich, nachdem er Ehemann und Vater wurde, an einem Traktat über Verbesserungsmöglichkeiten der Frauenerziehung, das aber nie fertig wurde.

Wichtigste & bekannteste Werke:

  • Gefährliche Liebschaften, 1782

Inhalt:

Frankreich vor der Revolution. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Vicomte de Valmont und die Marquise de Merteuil –  beide intrigant und hinterhältig. In zahlreichen Briefen berichten sich die beiden ihre amorösen Eroberungen und hecken gemeinsam weitere Gemeinheiten aus, um noch mehr Frauen der adeligen Gesellschaft zu entehren und bloß zu stellen. Als die Marquise von ihrem Liebhaber Conte de Gercourt verlassen wird, sinnt sie auf Rache. Der Conte soll die fünfzehnjährige Cécile de Volanges heiraten – das soll verhindert werden. Die Intrigantin freundet sich mit dem jungen Mädchen an, erschleicht sich ihr Vertrauen und bringt sie schließlich dazu, sich in den Musiklehren Danceny zu vergucken und ihm Liebesbriefe zu schreiben – und sorgt natürlich dafür, dass Cécile in ordentliche Schwierigkeiten gerät.

Der Vicomte de Valmont wiederum verfolgt einen anderen Plan: Er will die prüde, treue und verheiratete Madame de Tourvel verführen, um seinen Ruf als Schwerenöter abzurunden. Je tugendhafter sich die Dame gibt, desto mehr wird Valmonts angespront und sein Verlangen geweckt – und je mehr er ihr vorgaukelt, dass seine Liebe echt ist, verliebt er sich tatsächlich in sie. Zum großen Ärger seine Komplizin…

Unsere Meinung:

Laclos, der ja selbst aus dem aufsteigende Adel stammt, legt mit seiner Geschichte schonungslos die schlechten Manieren des französischen Adels offen: Ränke schmieden, Manipulieren, Rücksichtslos und Intrigieren scheint hier an der Tagesordnung. Und so verdeutlichen die Gefährlichen Liebschaften eindrucksvoll die dunklen Seiten dieser Adelsgesellschaft. Unschuldige und Menschen aus niederem Stand werden hier schnell zum Opfer, dienen nur zum Amüsement oder werden aufgrund ihrer Werte oder ihres Glaubens an Gott ins Lächerliche gezogen. Kein Wunder, dass dieser Roman nach seiner Veröffentlichung zum Skandal-Erfolg wurde.

Die Geschichte besteht aus 175 Briefen, durch die wir als Leser den Protagonisten unheimlich nah sind. Wir erfahren ihre Geheimnisse, Gefühle, Beweggründe aus erster Hand. Und das ist auch gleichzeitig das Faszinierende an diesem Briefroman: Wir blicken hinter die Kulissen der „Guten“ als auch der „Bösen“, wissen um die zarten Gefühle der Liebenden und die fieses Tricks der Maquise und des Vicomte. Der Leser kann hier richtig schon seinen Voyeurismus ausleben, aber ist gleichzeitig nicht in der Lage, die Unschuldigen vor ihrem Unglück zu warnen. Wir empfinden mit den Unschuldigen, aber sind gleichzeitig auch verbündete der Intriganten, die so herrliche böse sind, dass es einen völlig in den Bann zieht. Das diese Geschichte ein zeitloser Literaturklassiker ist, zeigen die zahlreichen Verfilmungen, wie auch Eiskalte Engel.

Im April erschien das Buch übrigens in einer neuen Übersetzung im dtv Verlag. Mehr infos dazu findet ihr hier: Klick!

 

Vielen Dank an den dtv  für das Rezensionsexemplar!

Facebooktwittergoogle_plusrss

5 Antworten

    • Hallo Kai,

      natürlich gibt es auch noch andere Adaptionen des Buches. Es gab 2003 auch eine Fernsehfassung mit Catherine Deneuve, Rupert Everett und Nastassja Kinski. Aber ich habe mich bewusst vor allem auf Eiskalte Engel bezogen, da es wohl die bekannteste Verfilmung ist und „die Jugend von heute“, diese wohl am ehesten kennt. 🙂

      Liebe Grüße
      Britta

  1. Hallo Britta,
    ich wusste gar nicht, dass es für „Eiskalte Engel“ eine Romanvorlage gibt, deren Handlung soweit zurückgreift in der Geschichte. Danke für den Tipp! 🙂 Hast du dir denn beim Lesen immer auch die Filmhandlung vorgestellt?
    Liebe Grüße
    Juliane

    • Hallo Juliane,

      nein, ich hatte den Film beim Lesen nicht die ganze Zeit vor Augen. Das kam vor allem das „Setting“ und die daraus resultierende Atmosphäre des Buches. Da hatte ich eher Frauen in pompösen Kleidern im Kopf. 🙂 Aber man zieht natürlich, wenn man den Film kennt, Parallelen und Vergleiche.

      Liebe Grüße
      Britta

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*