Lesetipp des Monats: Die Farbe Lila

Farbe Lila

Bereits 2015 haben wir zu unserem 3. Bloggeburtstag einen Band der damals neuen ZEIT Bibliothek der verschwundenen Bücher Reihe verlost: Die Farbe Lila. Inzwischen habe ich mir das hübsche Büchlein selbst gekauft und gelesen. Mich hat die Lektüre unheimlich berührt und deshalb möchte ich es euch gerne als Lesetipp des Monats vorschlagen.

Eckdaten zum Autor:

Alice Malsenior Walker (geboren im Jahr 1944 in Georgia) zählt wohl zu einer der bekanntesten Vertreterinnen der afro-amerkanischen Literatur. Ihr Roman Die Farbe Lila brachte ihr weltweit Ruhm ein, spätestens als er 1985 von Steven Spielberg verfilmt wurde. Durch einen Unfall beim Spielen mit ihrem Bruder trug sie eine Augenverletzung davon, die sie lange sehr beeinträchtigte. Dadurch zog sich das damals 8jährige Mädchen immer mehr in Bücher und Geschichten zurück und fing schließlich selber an Gedichte zu schreiben. Zu ihrer Collegezeit nahm Walker an Protestkundgebungen gegen die Rassentrennung in den USA teil, darunter auch der Marsch auf Washington, wo sie Martin Luther Kings berühmte „I have a dream“ Rede hörte. Für ihren Roman Die Farbe Lila, den sie in nur einem Jahr schrieb, erhielt Walker als erste Afroamerikanerin den Pulitzer-Preis. Ihre anderen Romane wurden vom Publikum eher zurückhaltend aufgenommen. Zu ihren anderen Werken zählen viele Gedicht- und Essaysammlungen.

Wichtigste und bekannteste Werke:

  • Die Farbe Lila, 1982

Inhalt:

Celie schreibt Briefe an Gott. Darin berichtet das Mädchen von ihrem harten Schicksal, denn sie hat sonst niemanden zum Reden. Die Mutter ist schwer krank, weshalb Celie die Rolle der Ehefrau und Ersatzmutter für ihre Kinder einnehmen muss. Der Vater vergewaltigt sie, sodass Celie sogar  selbst zwei Kinder bekommt. Die werden ihr aber weggenommen. Nur um ihre Schwester vor dem gleichen Schicksal zu beschützen, wehrt Celie sich nicht gegen die Übergriffe. Nachdem die Mutter an ihrer Krankheit stirbt, heiratet der Vater erneut. Celie wird mit fremden, wesentlich älteren Mann verheiratet, der bereits Kinder aus seiner ersten Ehe hat. Ihr Leben geht also ähnlich weiter: Ihr neuer Ehemann – der nur „Mr.“ genannt wird –  schlägt und misshandelt sie, sie muss sich um die Kinder und den Haushalt kümmern. Nur kurz besser sich ihre Situation, als ihre Schwester Nettie sich bei ihnen vor dem Vater versteckt. Doch als Mr. anfängt Nettie zu bedrängen, muss sie auch vor ihm fliehen.

Danach treten immer mehr andere Frauen in Celies Leben, die ihr zeigen, wie diese wiederum mit ihrem Schicksal als schwarze Frauen im Amerika der zu Beginn des 20. Jahrhunderts lernen umzugehen. Wie sie sich unter anderem gegen die Gewalt, das Patriachat und die vorenthaltene Bildung versuchen zu wehren. Und durch die langsam entstehende Freundschaft zu diesen Frauen findet Celie langsam einen eigenen Weg zum Glück.

Unsere Meinung:

Geprägt durch ihre Kindheit im Süden der USA, einen Aufenthalt in Afrika und die Bürgerrechtsbewegung behandelt das Werk von Alice Walker besonders das Leben der afroamerikanischen Frauen, von ihren Schwierigkeiten und dem Kampf gegen eine Gesellschaft, die rassistisch, sexistisch und nicht selten gewalttätig ist. Die Schicksale der Frauen sind ganz unterschiedlich und jede versucht auf einem anderen Weg die Steine in ihrem Weg beiseite zu schieben. Celies Leben steht dabei natürlich im Mittelpunkt und beschäftigt den Leser am meisten. Und es ist unheimlich bedrückend von Celie zu lesen und alles aus ihren tagebuchähnlichen Gebete und Briefe zu lesen.

Es macht einen furchtbar traurig, wenn da steht, es wäre weniger schlimm lebendig begraben zu sein – denn wenn man begraben ist, müsse man nicht auch noch arbeiten. An anderer Stelle vergleicht Celie sich mit einem Stein. Das kann einen beim Lesen schon ganz schön mitnehmen. Man hofft, bangt und wünscht ihr so sehr ein kleines Fünkchen Glück! Gleichzeitig habe ich Celie auch irgendwie bewundert. Stoisch steht sie jedem Hindernis entgegen. Lässt es über sich ergehen. Das kann man natürlich als passiv sehen und wehrlos. Aber die Kraft, solches Leid auszuhalten. Muss man auch erst einmal haben.

Gewöhnungsbedürftig ist sicherlich der Schreibstil. Denn Celies Gebete und Briefe entsprechen nun mal ihrem Bildungsstand. Sie war nie in einer Schule. Das bisschen, das sie weiß, hat ihre Schwester ihr beigebracht. Mich hat das aber nicht weiter gestört. Vielmehr hat es diese Erzählstimme von Celie – die ich beim Lesen im Kopf hatte – nur weiter verstärkt. Es unterstreicht die Authentizität und damit auch die Wirkung der Geschichte. Man liest nicht einfach nur über die Geschichte hinweg. Man muss die Briefe langsam lesen, behutsam, um sie zu verstehen und zu verinnerlichen – und das macht das Leseerlebnis noch viel intensiver.

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