Lesetipp des Monats: Das goldene Notizbuch

Eckdaten zum Autor:
Doris Lessing wurde 1919 im Iran geboren. 1925 zog ihre Familie in die britische Kolonie Südrhodesien (heute Simbabwe), wo sie ein schweres Leben auf dem Land führte. Denn das große Stück Land brachte der Familie keinen Reichtum. Mit 14 Jahren brach Lessing daher die Schule ab und arbeitete als Kindermädchen und als Sekretärin. Diese Kindheitserinnerungen finden sich in vielen ihrer Texte wieder, in denen sie das harte Dasein der britischen Siedler und die trostlose Lage der Einheimischen thematisiert. 1929 heiratete Lessing Frank Charles Wisdom und bekam mit ihm zwei Kinder. 1943 wurde die Ehe geschieden und Doris heiratete 1945 den deutschen Emigranten Gottfried Lessing mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hatte. Auch von ihrem zweiten Mann ließ sich die Schriftstellerin scheiden. Gottfried Lessings Schwester ist übrigens die Frau von Klaus Gysi – und Mutter von Gregor Gysi. Lessings Werke befassen sich unter anderem mit der Rassenfrage, feministischen Themen, islamischer Mystik und sogar einen fünfbändigen Science-Fiction-Romanzyklus hat sie veröffentlicht. 2007 erhielt Lessing den Nobelpreis für Literatur. Am 17. November 2013 verstarb Lessing in London, nur drei Wochen nach ihrem Sohn Peter.
 

Wichtigste / Bekannteste Werke: 
  • Afrikanische Tragödie, 1950
  • Das goldene Notizbuch. 1962
  • Das fünfte Kind, 1988
  • Alfred und Emily, 2008
Inhalt:
Das goldene Notizbuch gilt unter Literaturwissenschaftlern als Lessings Hauptwerk. Die komplexe Geschichte ist in fünf verschiedene Ebene aufgeteilt, die alle miteinander verbunden sind. Dabei wird in allen die Geschichte von den Freundinnen Anna Wulf, Ich-Erzählerin und Schriftstellerin, und Molly Jacobs, einer Schauspielerin, geschildert. Beide sind um die vierzig, sind geschieden und haben ein Kind. Die Freundinnen verbindet also eine Menge: gescheiterte Ehen, Probleme mit Liebhabern, Verantwortung für ihre Kinder und ihre Angehörigkeit zur Kommunistischen Partei.Das besondere des Buches ist aber vor allem der Aufbau. Der Leser bekommt die Tagebücher von Anna zu lesen. Denn um ihre Gedanken zu ordnen, führt sie vier Notizbücher: ein schwarzes für ihre Erinnerungen an ihr Leben in Afrika, ein rotes für ihre politischen Gedanken, ein blaues für ihren Alltag und ein gelbes zum Material sammeln für einen neuen Roman über die Protagonistin Ella, einer Journalistin, die einen Roman schreibt. Anna versucht durch die verschiedenen Tagebücher mit sich ins Reine zu kommen, ihre Depressionen zu bewältigen. Erst als ihr dies gelingt schließt sie alle Bücher und beginnt mit dem goldenen Notizbuch, in dem sie alle ihre „Identitäten“ zusammenführt.
Unsere Meinung:
Das goldenen Notizbuch gehört quasi zu den Bestsellern des 20. Jahrhunderts und machte Doris Lessing zu einer Kultfigur der Frauenbewegung. Deshalb wollte ich dieses Buch unbedingt einmal lesen. Meine Lektüre ist nun schon einige Jahre her, aber ich kann mich immer noch gut erinnern, dass ich die Lektüre ziemlich schwerfällig fand. Die verschiedenen Ebenen sind so komplex miteinander verbunden, dass es mir oft schwer gefallen ist, allem zu folgen. Ja, manchmal hat es mich auch etwas überfordert. Es ist definitiv kein Buch für Nebenbei, sondern man muss sich stark auf den Inhalt und die Verbindungen konzentrieren. Ich denke auch, dass es bei diesem Buch nicht schaden würde, es zwei- oder dreimal zu lesen. Dennoch hat Lessing mit dem Notizbuch einen Meilenstein der Literatur gesetzt, den man auf jeden Fall einmal in seinem Leben zur Hand genommen haben sollte. Denn es geht nicht nur um Politik, Feminismus, Liebe, Sex und die Suche nach dem Ich – sondern es soll ist auch Lessings Kommentar zum traditionellen Roman. Wie sie es selbst im Vorwort zu dem Buch schildert: „Eine andere Vorstellung war die, dass das Buch, wenn es nur die richtige Form bekäme, seinen eigenen Kommentar über den traditionellen Roman abgeben würde […] mein Hauptziel war, ein Buh zu gestalten, das seinen eigenen Kommentar abgeben würde, eine wortlose Aussage: es sollte durch die Art wie es gestaltet war, sprechen.
Vielleicht bringt euch dieser Lesetipp ja dazu, euch auch der Lektüre von Doris Lessings goldenen Notizbuch „zu stellen“ – ich habe auf jeden Fall wieder Lust bekommen, das Buch noch einmal zu lesen und mit meinem heutigen Wissen und meiner Erfahrung neu zu entdecken.
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