Jussi Adler-Olsen: Verachtung

Und wieder ein Jussi Adler-Olsen. 🙂 Ihr merkt sicher, dass es mir Carl Mørck, Assad und die spleenige Rose es grade ganz schön angetan haben. Die drei haben mich einfach nicht losgelassen. Deshalb musste nun auch der vierte Band der Reihe ganz schnell verschlungen werden.

“Fast hätte sie sich ganz diesem GefĂźhl hingegeben.”
Auch dieses Mal hat Carl wieder eine ganz schĂśn harte Nuss zu knacken: Auf seinem Tisch landet die Akte von Rita Nielsen, eine Prostituierte, die seit 25 Jahren verschwunden ist. Bei der Recherche kommt schnell raus, dass Rita nicht die einzige Vermisste ist. Insgesamt scheinen fĂźnf Personen in demselben Zeitraum verschwunden zu sein, die aber auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeit mit Rita haben. Scheinbar!
Doch Ăźber die RĂźckblenden in der Geschichte erfährt der Leser schnell, dass die Verbindung zwischen allen Personen Nete Hermansen ist. Nete hatte eine schwere Kindheit und kommt nach dem Tod ihrer Mutter und der mangelnden UnterstĂźtzung durch ihren Vater schnell auf die schiefe Bahn. Wird schwanger und gerät schließlich in eine Anstalt, in der Frauen, die wie Nete der “Abschaum der Gesellschaft” sind, quasi interniert werden und erst von der Insel kommen, nachdem sie zwangssterilisiert werden. Die fĂźnf Vermissten haben dabei alle Einfluss auf Netes Schicksal gehabt und ihr Leben zur HĂślle gemacht.
Obwohl ich den Einstieg in dieses Abenteuer vom Dezernat Q etwas schleppend fand, schafft Jussi Adler-Olsen es trotzdem wieder, eine packende Geschichte zu entfalten. Aber gut, nach drei so starken Vorgängern darf der Anfang auch mal etwas schleppender sein. Man hat ja bei so einer tollen Reihe auch so seine Ansprüche als Leser entwickelt! 😉 Als die Handlung dann aber in Schwung kommt, war ich mal wieder so richtig gefesselt. Netes Schicksal ist so erschreckend und traurig, dass man absolut mit ihr sympathisiert und ihre Rache irgendwie schon nachvollziehen kann. Nete hat mich noch mehr berührt als Kimmi aus dem zweiten Band, da Nete völlig unverschuldet immer weiter absteigt und alle nur Nutzen aus ihrer unglüchen Lage ziehen.
Krass ist aber auch der historische Hintergrund der Geschichte, der auch in dem kurzen Nachwort erklärt wird: denn die Kellersche Anstalt auf der Insel Sprøngo, in die Nete eingeliefert wird, gab es wirklich! 1923 bis 1961 wurden dort 10.000 Sterilisationen, viele davon unter Zwang, durchgefßhrt. Bis heute haben die Opfer keine Entschädigung vom dänischen Staat erhalten. Das hat mich wirklich erschreckt!

Und natürlich dürfen auch neue Verwicklungen rund um Carl, Assad und Rose nicht fehlen. Wobei Adler-Olsen hier wieder viele Andeutungen macht, die die Geschichte weiterhin spannend macht. Es wird also nicht lange dauern, bis ich auch dem fünften Band nicht widerstehen werden 😉 Also das abschließende Urteil: nicht der stärkste Band der Reihe, aber trotzdem ein toller Krimi!

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