Jo Nesbø: Der Fledermausmann

Vor vier Jahren lief mir Harry Hole, der Ermittler aus Jo Nesbøs Krimireihe das erste Mal über den Weg. Damals hatte ich Glück und habe bei der Aktion zum Welttag des Buches 30 Exemplare des Schneemanns zum Verschenken erhalten. Eines habe ich natürlich selbst behalten und gelesen und war ziemlich begeistert von Nesbøs Schreibstil. Seitdem hatte ich mir immer vorgenommen die Reihe komplett zu lesen. Vor zwei Jahren kam der letzte Band mit dem Namen Koma raus (hier findet ihr meine Rezension dazu) – und ich war mit meinem Vorhaben immer noch nicht viel weiter, Nun habe ich es aber endlich geschafft, Band eins zu lesen.

Harry Holes erster Fall bringt ihn weit Weg von seiner Heimat Norwegen – quasi ans andere Ende der Welt. Nämlich nach Australien. Denn in Sydney wurde die junge Norwegerin Inger Holter ermordet aufgefunden und Harry soll die australische Polizei bei ihren Ermittlungen unterstützen. Dabei wird er sofort von Andrew Kensington unter die Fittiche genommen, der Harry schnell mit dem Land, seinen Leuten und seiner Geschichte bekannt macht – denn Andrew ist Aborigine und steht dem “easy laid back lifestyle” der Aussies dementsprechend zwiespältig gegenüber. Bei den Ermittlungen treten die beiden lange auf der Stelle, bis sie plötzlich dem Fledermausmann, einer mythischen Figur aus den Sagen der Aborigines, gegenüberstehen. Der scheint nicht nur Inger Holter auf dem Gewissen zu haben, sonder hat schon vorher im ganzen Land zugeschlagen. Harry und Andrew sind also plötzlich einem Serienmörder auf der Spur Und dann werden die beiden auch noch von den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit gejagt.

Da das Buch nicht neu ist, gibt es natürlich online eine Reihe von Kritiken, die ich mir auch durchgelesen habe. Viele scheinen die englischen Sätze im Text zu stören, die nicht übersetzt wurden, oder es sind ihnen die Hintergrundgeschichten um Australien und die Aborigines zu langatmig. Mich hat das nicht wirklich gestört. Sicher längt es etwas vom eigentlich Fall ab, aber so spürt man viel mehr die Atmosphäre von Down Under und kann etwas mehr in die Kultur der Ureinwohner abtauchen. Außerdem benötigte Nesbø diese Fabeln auch, um der Figur des Fledermausmannes überhaupt einen Sinn zu geben. Ohne diesen Hintergrund hätte dieser Teil der Geschichte überhaupt keine Sinn gemacht und dem ganzen auch die Spannung genommen. Denn die Fledermaus ist bei den Aborigines eine wichtige Figur im Entstehungsmythos – quasi Teil der australischen Version von Adam und Eva im Paradies.

Genauso die englischen Zitate. Ich hatte beim Lesen gleich immer den Aussi-Dialekt im Ohr und musste über manche Floskeln schmunzeln. Schade, dass andere Leute sich daran so stören und sich auch an dem Wortwitz um Harrys Namen stören, ihn nicht verstehen und sich stattdessen über die angeblich fehlerhafte Schreibweise stören (Hole – Holy (engl. heilig) – Hole (engl. Loch)) Für Leser, deren Englisch vielleicht nicht ganz so gut ist, kann das natürlich etwas hinderlich beim Lesen sein, für mich gehörte es einfach zum Australien-Flair dazu.

Klar, es gibt definitiv spannendere Krimis. Auch Der Schneemann hat mir im Vergleich zu Der Fledermausmann viel besser gefallen. Aber ich fand es  für mich persönlich schön, endlich etwas über die Hintergründe von Harry Hole zu erfahren. Durch die Lektüre vom Schneemann und Koma wusste ich natürlich schon einiges über Harrys “Persönlichkeit”, aber vieles musste man sich natürlich auch zusammenreimen. Jetzt haben sich schon die ersten Lücken geschlossen. Und die Geschichte um Inger Holters Mord hat mich auf jeden Fall gut unterhalten. Ich konnte miträtseln, wer der Mörder ist, wurde mir Harry auf die falsche Fährte gelockt und am Ende gab es eine spannende Verfolgungsjagd – für mich war deshalb alles dabei, was einen guten Krimi ausmacht.

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