Haruki Murakami: Von Männern, die keine Frauen haben

Von Männern, die keine Frauen haben - Haruki Murakami

Ich habe schon öfter mal auf dem Blog erwähnt, dass ich kein großer Fan von Kurzgeschichten bin. Trotzdem war ich ganz Ohr, als ich hörte, dass es von einem meiner Lieblingsautoren, Haruki Murakami, ein neues Buch geben wird – mit Kurzgeschichten. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen – zum Glück! Denn die sieben Geschichten, die Haruki Murakami in diesem Band versammelt, haben wir wirklich (fast) alle ausnahmslos gut gefallen.

Sieben Mal Männer ohne Frauen

Alle Kurzgeschichten handeln – wie könnte es anders sein – von Männern, die auf die eine oder andere Art ohne Frau sind, sie verloren haben oder betrogen wurden. Da gibt es Männer, deren Frau gestorben ist. Männer, die ihre Freunde dazu bringen, mit ihrer Frau auszugehen. Männer, die unzählige Affären haben, sich nie verlieben wollen und es dann doch tun. Sogar Kafkas Gregor Samsa wird von Murakami „wiedererweckt“. Dort erwacht Samsa nach seinen Abenteuern als Käfer zurückverwandelt in seinem Bett – seine Familie ist fort, die Stadt scheint im Krieg zu sein, warum genau erfahren wir aber nicht, und Samsa selbst muss wieder lernen mit seinem Körper umzugehen – und seiner sexuellen Anziehung zu einem buckeligen Mädchen, dass das Türschloss reparieren soll. Die Geschichte gefiel mir als einzige nicht so ganz. Sie war irgendwie ein wenig zu skurril und passte für mich auch nicht so ganz zu den anderen.

Meine Lieblingsgeschichte in der Sammlung war dagegen Kinos Bar. Kino hatte alles, was er wollte, einen gut bezahlten Job, der ihm Spaß machte, eine wunderschöne Frau, die er liebte und eine schöne Wohnung. Bis er eines Tages von einer Geschäftsreise zu früh nach Hause kam – und seine Frau in flagranti mit einem anderen Mann im Ehebett ertappt. Kino reagiert impulsiv, dreht sich um und verschwindet nur mit seinem Koffer von der Geschäftsreise, kündigt seinen Job und zieht zu seiner Tante, der eine kleine Bar gehört, die Kino nun übernimmt – und schließlich in Kinos Bar umbenennt.

Typisch für Murakami kommen all diese Geschichten ganz unaufgeregt daher. Nüchtern und sachlich schreibt er von den einzelnen Schicksalen seiner männlichen Protagonisten. Und das ist eben das besondere an Murakami. Er beschreibt Schicksale und Personen ganz unaufgeregt, mit einer unfassbaren Leichtigkeit – und selbst die fantastischen Elemente in seinen Erzählungen werden so beschrieben, dass sie einfach glauben muss, sie für realistisch hält und nicht hinterfragt. Man muss sich auf diese Geschichten einlassen, selbst aktiv Teil von ihnen werden und ihnen beim Lesen in gewisser Weise Leben einhauchen. Und mich hat das Schicksal von Kino wirklich sehr berührt beim Lesen.

Was mich normalerweise so an Kurzgeschichten stört: Sie sind zu schnell vorbei. Gerade, wenn ich mich in der Geschichte wohl fühle und eingefunden habe, die Charaktere ein bisschen besser kennengelernt habe, ist alles schon wieder vorbei. Aber bei diesen hier war es tatsächlich anders. Gut, ich muss zugeben, dass Murakami bei mir sowieso einen Stein im Brett hat. Ich mag seinen Stil einfach. Verschlinge seine Bücher! Da fällt es schwer irgendetwas von ihm nicht zu mögen. Aber ich denke, auch – relativ – objektiv kann ich sagen, dass er es einfach immer wieder schafft, mit seinem nüchtern-direkten Schreibstil und dem dennoch so irgendwie mystisch-anmutendem Charme seiner Geschichten in den Bann zu ziehen. Eine ganz wunderbare Lektüre, die ich nicht nur den Murakami-Fans ans Herz legen möchte.

Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar!

Facebooktwittergoogle_plusrss

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*