Ernest Hemingway: Fiesta / The Sun also Rises

Hemingway Fiesta Buchlingreport

Mit Fiesta schaffte Hemingway seinen Durchbruch. 1926 erschein sein erster größerer Roman unter dem Titel The Sun Also Rises – und machte den Autor berühmt. Hemingway verarbeitet hier – wie so oft – zahlreiche persönliche Erlebnisse.  Es ist die Geschichte einer verlorenen Generation, die sich im Europa nach dem ersten Weltkrieg desillusioniert wiederfindet.

Der Ich-Erzähler und Amerikaner Jacob Barnes, genannt Jake, ist in Paris als Korrespondent für eine Zeitung beschäftigt. Hier umgibt er sich mit einer illustren Runde aus Freunden und Bekannten. Gemeinsam sind sie eigentlich nur dabei durch Restaurants, Kneipen und Cafés zu ziehen und sich zu betrinken. Und dabei diskutieren sie, streiten, versöhnen sich, schmieden Reise- und Ausflugpläne.

Mit dabei ist auch immer die ehemalige Krankenschwester Brett. Jake hatte Brett im Lazarett kennengelernt, in das er schwer verletzt eingeliefert wurde. Die beiden verliebten sich, aber aus der Romanze wurde nichts, da Jake durch seine Verletzung impotent geworden ist. Stattdessen schlagen sich nun alle anderen Herren aus der Gruppe um die Aufmerksamkeit der Dame, die inzwischen durch eine Hochzeit zu Lady Ashley wurde. Höhepunkt der ausschweifenden Feierei der Freunde ist ein Aufenthalt in Pamplona zur jährlichen Fiesta San Fermin mit ihren Stierkämpfen. Und danach fällt die Gruppe unweigerlich auseinander.

Eine verdammt traurige Geschichte

Hemingway versammelt hier eine Gruppe trauriger Figuren, die auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind, emotional verkrüppelt und scheinbar nur betrunken ihre Existenz ertragen. Es ist ein verdammt trauriger Roman, der einem die Falschheit und Scheinwelt der dekadenten Lebenswelt dieser verlorenen Generation aufzeigt. Alkoholismus, Untreue, Unaufrichtigkeit und finanzieller Bankrott sind hier ganz deutliche Symptome. Hemingway selbst schrieb in einem Brief an Fitzgerald:

[Es] ist eine verdammt traurige Geschichte, in der aufgezeigt wird, wie Menschen zugrunde gehen

Einzig der Erzähler Jake scheint etwas abseits der Gruppe zu stehen. Nie ist er vollkommen integriert, obwohl alle Figuren sich an ihn wenden und ihn einbeziehen. Aber er scheint als einziger zu merken, dass dieser Lebensstil nicht so weitergehen kann.

Ähnlich distanziert wie der Protagonist ist auch der Schreibstil Hemingways. Trotz ihrer Tragik kommt die Geschichte ganz nüchtern und sachlich daher. Kurze prägnante Sätze, wenige Beschreibungen und viele Dialoge kennzeichnen die Fiesta. Fast möchte man meinen, dass man eher ein Drama liest als eine wirkliche Erzählung.

Fiesta – Feiern auf der Suche nach dem Sinn des Lebens?

Dadurch fühlt sich der Roman leider aber etwas unnahbar an. Aber warum sollte eine Geschichte, deren Charaktere alle selbst auf der Suche nach Nähe – sei es zu sich selbst, zum Leben oder zu ihren Mitmenschen – sind, dem Leser auch Nähe suggerieren? Wir fühlen uns beim Lesen stattdessen genauso fremd, wie Jake, Brett und ihre Freunde. Wir versuchen, einen Sinn in diesem Chaos aus Partys, Alkoholexzessen, Kneipenschlägereien und Stierkämpfen zu finden. Wie das Ende interpretiert werden darf, bleibt dabei jedem Leser selbst überlassen.

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