David Lagercrantz: Verschwörung

Hallo ihr Lieben,

irgendwie hatte es das Jahr 2015 ganz schön in sich, was Aufreger-Bücher angeht. Neben

Verschwoerung von David Lagercrantz

Harper Lees „Gehe hin, stelle einen Wächter“, den neuen Bücher von Salman Rushdie und Umberto Eco stand natürlich auch David Lagercrantz „Verschwörung“ ganz oben auf der Liste. Nicht umsonst. Denn Lagercrantz Roman ist die Fortsetzung von Stieg Larssons Millenium-Triologie rund um den Journalisten Mikael Blomkvist und die eigenwillige Hackerin Lisbeth Salander. Schon bevor das Buch auf den Markt kam, sorgte es deshalb für viel Aufregung. Schließlich starb Larsson, der die außergewöhnlichen Charaktere Blomkvist und Salander geschaffen hatte, 2004 an einem Herzinfarkt, nachdem er die ersten drei Bände verfasst hatte. Ursprünglich war die Reihe auf zehn Bände angelegt, aber selbst die Veröffentlichung der ersten konnte der geniale Autor Larsson nicht mehr erleben.

Darüber, wie es mit dem geistigen Erbe von Larsson weitergehen sollte, entbrannte ein bitterer Streit zwischen Stieg Larssons Vater und seinem Bruder auf der einen und seiner Lebenspartnerin Eva Gabrielsson auf der anderen Seite. Vater und Bruder – die angeblich ein unterkühltes Verhältnis zu Larsson hatten (dazu gibt es auch einen spannenden Artikel vom Tagesspiegel), beauftragten schließlich dennoch den Autor David Lagercantz, der sich nach einem ersten Schock doch dazu entschied die Reihe weiterzuführen. Der Aufschrei war natürlich groß! Von Leichenfledderei und Grabplünderung ist die Rede. Der Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen rief sogar dazu auf, die Bücher von Lagercrantz nicht zu kaufen. Und ehrlich gesagt war auch mein erster Gedanke: Ob das nicht einfach nur Geldmacherei ist? Schließlich brachten es Larssons Bücher auf eine weltweite Auflage von über 80 Millionen Exemplaren. Da steckt natürlich eine Menge Geld dahinter. Und die zweite Überlegung: Warum ausgerechnet Lagercrantz? Mal ehrlich? Was hatte der davor groß geschrieben? Eine Biografie über den Fussballer Zlatan Ibrahimovic. Schön, der denkt zwar, dass er mit Gott gleichzusetzen ist – also der Fussballer. Aber macht es seinen Biografen dann zum richtigen Nachfolger für Stieg Larsson? Kann da wirklich etwas gutes bei rauskommen?

Trotz allen Bedenken – meine Neugier war stärker. Irgendwie wollte ich dann doch eher wissen, ob dieses Buch etwas taugt. Und wenn nicht – dann kann man wenigsten fundiert begründen, warum es das nicht tut. Gesagt getan. Also stürzte ich mich wieder in ein neues Abenteuer mit Salander und Blomkvist:

Der Anfang verlief noch etwas schleppend, aber schnell fand ich mich wieder in die gewohnte Millenium-Atmosphäre ein. Blomkvist, einst von allen gefeiert, scheint seinen journalistischen Biss und den guten Riecher für Stories verloren zu haben. So munkelt man zumindest hinter seinem Rücken. Und natürlich steckt Millenium mal wieder in einer finanziellen Krise. Ein Medienkonzern hat die ersten Aktien des Magazins aufgekauft und übt schnell Druck auf die gesamte Belegschaft aus. Eine richtig gute Geschichte muss also her! Und zwar schnell! Da kommt es ganz gelegen, dass Mikael eines nachts plötzlich einen Anruf erhält von Frans Balder. Dieser ist ein Genie, Wissenschaftler für Künstliche Intelligenz und scheint in eine verstrickte Geschichte verwickelt zu sein. Er will Mikael alles erzählen! Sofort! Doch als Mikael bei Balder zu hause eintrifft, ist dieser ermordet worden. Einziger Zeuge: Balders autistischer Sohn. Und was ist mit Lisbeth? Die versucht in der Zwischenzeit sich in die Computer der NSA einzuhacken, bleibt aber dabei nicht unbemerkt. Über Umwege ist sie natürlich auch in die Geschichte mit Balder verwickelt. Und so arbeiten Mikael und Lisbeth wieder beide an einem Strang. Letztlich wird Lisbeth im Laufe der Geschichte erneut von ihrer Vergangenheit eingeholt…

Ihr merkt vielleicht schon an dieser kurzen Zusammenfassung, dass es hier einige lose Erzählstränge gibt, die von Lagercrantz nach und nach ineinander geflochten werden, sodass sie am Schluss ein ganzes ergeben. Lagercrantz ist natürlich kein Larsson – und so ist sein Erzählstil eben auch ein anderer. Nicht ganz so tiefgründig und intensiv für meinen Geschmack – vor allem im Vergleich zu Larsson. Aber auch nicht schlecht geschrieben, wie so mancher Kritiker behauptet. Was mich dagegen gestört hat, war, dass Mikael irgendwie ziemlich untätig war, nicht wirklich viel Charakter gezeigt hat – wie man es sonst von ihm kennt. Natürlich fühlt man sich durch die wiederkehrenden Charaktere gleich wieder in die Millenium-Redaktion zurückversetzt und holt das altbekannte Flair und die Atmosphäre von der damaligen Lektüre zurück. Wobei ich aber auch das Gefühl hatte, dass es genau aus diesem Grund ein ganz gezieltes „Name dropping“ gab. So kehren auch diverse Nebenfiguren wieder in der Handlung auf. Kein Wunder also, dass wir beim Lesen denken: „Ach, den kenne ich doch. Ist ja wie früher.“

Viel schlimmer fand ich jedoch, dass für mich ehrlich gesagt ziemlich schnell klar war, wer hinter den Machenschaften steckt, die Mikael und Lisbeth hier aufdecken. Das hatte mich schon etwas enttäuscht. Für mich war das ganze super schnell durchschaubar, die Auflösung dann konsequenterweise überhaupt keine Überraschung mehr. Bei Stieg Larsson wartete irgendwie immer noch ein „Aha-Effekt“ auf einen beim Lesen. Das fiel hier total flach und hat mir schon etwas die Lesefreude genommen. Und genauso schnell wie das Ende war deutlich: Das wird nicht der letzte Band von Lagercrantz Millenium-Fortsetzung sein. Und prompt hieß es: Band fünf soll 2017 erscheinen, Band sechs 2019. Angeblich hat es Lagercrantz einfach zu viel Spaß gemacht diese Geschichte zu schreiben und er glaubt sehr an seine Story – und was noch logischer ist: ein Cliffhanger am Ende des Buches sorgt dafür, dass die Leser auch den nächsten Band wieder haben wollen. Denn wenn man es soweit geschafft hat, will man ja schließlich wissen, wie das ganze nun ausgeht. So sichert man sich ganz geschickt weitere Verkaufszahlen.

Alles in allem kann ich nach der Lektüre daher sagen: Ein solider Roman, der nicht schlecht geschrieben ist, Aber vor allem durch seine beliebten Protagonisten funktioniert. Ob Lagercrantz ohne diese den selben Erfolg gehabt hätte? – Ich glaube es nicht. Also zumindest nicht in dem Ausmaß, wie er ihn jetzt hatte. Und auch wenn die Lektüre sehr kurzweilig war, blieb für mich doch immer etwas Beigeschmack beim Lesen dabei. Wobei ich befürchte, dass ich beim nächsten Band auch früher oder später wieder meiner Neugierde nachgeben werden.

Wie seht ihr das? Habt ihr den neuen Teil gelesen? Oder weigert ihr euch, die Bücher von Lagercrantz zu lesen?

Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

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2 Antworten

  1. Hallo Britta,
    danke für deinen Kommentar bei mir – so bin ich letztendlich auch auf deine tolle Rezension gestoßen.
    Ich werde bei den drei Bänden vom „echten“ Stieg Larsson bleiben und mir diese einmalige Reihe in guter Erinnerung behalten. Vielleicht werde ich in paar Reihen auch die Reihe wieder lesen, wer weiß 😉
    Schade, dass Stieg Larsson nicht die Zeit bekam die 7 weiteren Bücher zu schreiben. Schicksal ist eben Schicksal.
    Das weiterschreiben von jemand anderen, finde ich aber auch nicht so gut. Da wird auf jeden Fall vor allem der Gedanke an das Geld dahinter stecken, denn allein aus Freude an der Sache wird niemand diese Bücher fortsetzen…
    Ich bin gespannt wie dir dann der nächste Band gefallen wird 😉

    Liebe Grüße Tessa

    • Liebe Tessa,

      kann ich gut verstehen, dass du bei den Originalbänden bleibst. Ich muss zugeben, dass bei mir dann einfach die Neugierde gesiegt hat. 😉 Ist ja auch nicht so, dass mir das „neue“ Buch die Reihe kaputt gemacht hat. Denn die ersten drei Bände waren einfach viel besser als der Nachfolger. 😀

      Liebe Grüße
      Britta

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