Klaus Mann: Mephisto – Roman einer Karriere

„Mephisto“ ist mein erstes Buch von Klaus Mann. Und es wurde wirklich einmal Zeit, dass ich mich auch mit der Literatur von Thomas Manns Sohn bekannt mache. Nachdem ich in der Schule schon Novellen von Thomas und den „Untertan“ von Heinrich lesen musste, meine Magisterarbeit über die „Buddenbrooks“ und den „Zauberberg“ geschrieben habe, war das mehr als überfällig. Und ich muss sagen, dass Klaus seinen berühmten Verwandten in nichts nachsteht.

In „Mephisto – Roman einer Karriere“ schildert Klaus Mann das Leben des Schauspielers Hendrik Höfgen, der 1926 am Hamburger Künstlertheater beginnt, Karriere zu machen. Höfgens größtes Ziel ist es, bekannt, beliebt und reich zu werden. Dafür gibt er alles: Er verleugnet seinen echten Namen, da Heinz ihm zu simpel vorkommt, heiratet Barbara Bruckner, die Tochter eines Geheimrats und steigt so in der Gesellschaft auf. Er bekommt bessere Theaterangebote in Wien und Berlin.

Anlässlich des 100. Todestages von Goethe wird der Faust aufgespielt mit Höfgens als Mephisto. Dies wird seine erfolgreichste Rolle. Während er für einen Filmdreh im Ausland weilt, kommen in Deutschland die Nazis an die Macht. Zahlreiche seiner Freunde und Bekannten sind bereits nach Paris oder Amerika geflohen. Auch Höfgens Name soll wohl auf einer Schwarzen Liste stehen.

Mephisto – ein Pakt mit dem Teufel

Erst als eine befreundete Schauspielerin, die mit einem Ministerpräsidenten liiert ist, sich Höfgen als Partner für ein Theaterstück wünscht, kommt die alte Gier nach Ruhm wieder in ihm hoch. Er lässt sich auf den Deal ein, weiß aber, dass er ohne den Schutz des Ministers den Nazis ausgeliefert wäre. Denn um ihn herum verschwinden viele Menschen, werden erschossen oder deportiert. Als die Öffentlichkeit mitbekommt, dass Höfgen mit dem Ministerpräsidenten bekannt ist, ist es offiziell, dass der Schauspieler mit den Nazis verkehrt. Und auch Höfgen weiß, dass er für den Erfolg nun seine Seele verkauft hat.

In Mephisto schildert Klaus Mann ein tiefgründiges Bild eines Karrieristen, der für seinen Erfolg buchstäblich über Leichen geht. Höfgen hat nur seinen Ruhm und seinen Aufstieg im Blick. Dieser verleitet ihn dazu, sich über seine Familie und Freunde hinwegzusetzen und sich mit den Mächtigen zu verbünden – egal welche politische Haltung sie vertreten. Zu spät merkt er, dass er seine Seele an den Teufel verkauft hat, der doch eigentlich seine Paraderolle ist. Er folgt den Nazis nicht, weil er ihre Ideologie unterstützt. Stattdessen handelt er aus reinem Eigennutz und Opportunismus.

Für seine Roman hat sich Klaus Mann vom Leben des Schauspielers Gustaf Gründgens inspirieren lassen, mit dem er einst befreundet und der mit Manns Schwester Erika war. Zeitlebens musste Klaus Mann versichern, dass er nicht die Geschichte Gründgens‘ wiedergeben wollte, sondern diese Schablone nur für einen Typus Mensch genutzt hat. Spannend ist auch, dass Erika Mann, die das literarische Erbe ihres Bruders verwaltete, und der Erbe Gründgens wegen Persönlichkeitsverletzung vor Gericht darum gestritten haben, ob das Buch weiter erscheinen darf. Der Streit ging bis vor den Bundesgerichtshof, der 1968 die Verfassungsbeschwerde zurückwies, da sich die Richter uneins waren. Erst 1981 gab der Rowohlt Verlag Mephisto erneut heraus.

Klaus Mann vs. Thomas und Heinrich Mann

Dabei ist dieser Roman von Klaus Mann wirklich eine herrlich bitterböse und dennoch lustige Satire. Gekonnt ironisch und pointiert schildert er den Aufstieg seines Anti-Heldens. Und auch ohne den Schauspieler Gründgens zu kennen, kann man der Geschichte perfekt folgen. Im Gegensatz zu seinem Vater, dessen leichte Ironie eher im Verborgenen mitschwingt, hält Klaus Mann damit nicht hinterm Berg.

Vielmehr hat mich Mephisto an „Der Untertan“ von Heinrich Mann erinnert. In dem es ebenfalls um einen Emporkömmling geht, der sich bei den reichen und mächtigen einschmeichelt. Für mich bekommt Klaus Mann eine absolute Leseempfehlung ausgesprochen. Denn seine scharfer Schreibstil hat mich gekonnt unterhalten und führt einem noch einmal vor Augen, wie die Menschen sich damals von den Nazis haben mitreißen lassen, aber auch, wie viele einfach als Nießnutzer des Systems gelebt haben.

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