Erica Jong: Angst vorm Fliegen

Isadora Wing ist Anfang dreißig, Schriftstellerin, verheiratet mit einem Psychologen und voller widersprüchlicher Sehnsüchte. Auf einem Kongress lernt sie Adrian kennen. Die beiden beginnen eine Affäre. Darüber gerät Isadora in einen inneren Monolog über Begehren, Freiheit und Erwartungen. 

Die Kongressreise von New York nach Europa wird zum Schauplatz ihrer Gedanken. Es geht um Ehe und Untreue, um das Bedürfnis nach Nähe und gleichzeitig nach Unabhängigkeit, um Sexualität und die Angst davor, sich festzulegen oder sich selbst zu verlieren. Die berühmte Angst vor dem Fliegen ist dabei weniger die Furcht vor dem Absturz als die Angst vor dem eigenen Leben.

Der Roman erschien 1973 und traf einen Nerv seiner Zeit. Erica Jong schrieb offen über weibliches Begehren, über Fantasien, Lust und Frustration, ohne sich dafür zu entschuldigen. Das Buch wurde schnell zum Kultroman, aber auch zum Skandal. Es wurde gelesen als feministisches Manifest und zugleich als Provokation. Auch heute spürt man noch, wie radikal viele Gedanken damals gewesen sein müssen.

Beim Lesen war ich hin und her gerissen. Isadora ist keine angenehme Erzählerin. Sie ist extrem egobezogen. Viele Seiten bestehen aus Gedankenspiralen, die sich immer wieder um die gleichen Fragen drehen. Gleichzeitig liegt darin auch die Stärke des Romans. Es ist ein ständiges Hinterfragen von Rollenbildern und Erwartungen. Nicht alles ist gut gealtert, manches wirkt überzogen oder selbstverliebt. Aber vieles trifft immer noch einen wunden Punkt.

Angst vorm Fliegen von Erica Jong fordert Geduld und eine gewisse Bereitschaft, sich auf diese Stimme einzulassen. Isadora, ist eine Figur, die sich weigert, glatt oder eindeutig zu sein. Das muss man mögen. Ich war beim Lesen immer wieder am Schwanken zwischen Sympathie und Verwirrung von dieser eigenartigen Protagonistin.

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