Anthony Burgess: Clockwork Orange

Clockwork Orange oder auch Uhrwerk Orange ist der Titel von Anthony Burgess bekanntesten Romans aus dem Jahr 1962. Knapp 10 Jahre später wurde die Geschichte von Stanley Kubrick verfilmt und beschwerte seinem Autor gleichzeitig Weltruhm. 2015 wurde der Roman zu einem der bedeutensten britischen Romane gewählt.

Woher der merkwürdige Titel kommt, ist nicht ganz geklärt. Er könnte von der Cockney Redewendung „as queer as a clockwork orange“ stammen. Eine andere Theorie besagt dagegen, dass es von dem malaiischen Wort „orang“ abstammt, was so viel wie Mensch bedeutet – also Uhrwerk-Mensch. Beiden Ideen gemeinsam ist, dass der Mensch etwas natürliches ist und daher nicht so wie ein Uhrwerk funktionieren kann.

Aber worum geht es nun eigentlich? Burgess schildert in der dreiteiligen Roman die Geschichte von dem Teenager Alex. Dieser ist zwar sehr schlau, aber hat ein großes Vergnügen an Gewalt und unternimmt mit seinen Kumpels regelmäßig Ausflüge durch die Nachbarschaft, schikaniert, beraubt und verprügelt seine Opfer und vergewaltigt auch Frauen. Auch in Messerstechereien mit anderen Gangs sind die Jungs regelmäßig verwickelt. Drogen und Alkohol dürfen natürlich auch nicht fehlen. Alex‘ Eltern sind völlig ratlos und können ihrem Sohn nicht die Stirn bieten.

Bis seine Kumpel eines Tages nicht mehr zufrieden mit Alex als Anführer sind. Bei einem ihrer Raubzüge lassen sie den angeblichen Freund im Stich und so wird Alex von der Polizei geschnappt. Sein Opfer stirbt an seinen Verletzungen, daher wird Alex wegen Mordes angeklagt und soll 14 Jahre ins Gefängnis wandern.

Dort wird Alex nach einiger Zeit für ein neues Programm ausgewählt. Wenn er dies erfolgreich absolviert, darf er das Gefängnis sofort verlassen. Klar, lässt der Junge sich darauf ein. Nichtahnend, dass er an einem Gehirnwäscheexperiment teilnimmt, dass ihn darauf konditionieren soll, dass ihm schon allein beim Gedanken an Gewalt schlecht wird.

Burgess stellt also eine ganz fundamentale Frage mit seinem Roman, an der sich auch schon große Philosophen den Kopf zerbrochen haben: Ist der Mensch von Grund auf gut oder schlecht? Und kann ein „schlechter“ Mensch dazu gebracht werden, gut zu sein? Oder sollte man ihm die Freiheit lassen, selbst über sein Schicksal zu entscheiden? Seine Meinung stellt Burgess ganz deutlich mit Alex‘ Schicksal zu Schau und dem Ende, das er für seinen fatalen Helden gefunden hat. Das möchte ich hier allerdings nicht vorwegnehmen.

Clockwork Orange ist eigentlich ein recht dünnes Büchlein, das man theoretisch schnell weglesen könnte. Wäre da nicht die merkwürdige Sprache, der sich Burgess bedient. Er nutzt in seinem Buch „Nadsat“ ein Art Jugendslang, die vom Russischen inspiriert wurde. Hier finden sich Wörter wie horrorshow (gut), slooshy (hören) oder gulliver (Kopf), die bunt mit der „normalen“ Sprache durcheinander gewürfelt werden. Zum Glück gibt es einen Appendix zum Buch, in der eine Art kleines Wörterbuch angelegt ist. Denn ich muss zugeben, dass ich mich ziemlich schwer in diese Sprache einfinden konnte. Besonders zu Beginn der Geschichte habe ich lange gebraucht, um mich an diesen Slang zu gewöhnen. Dadurch soll zum einen die futuristische Szenerie des Romans verdeutlicht werden. Gleichzeitig entsteht so auch etwas Distanz zu dem doch sehr brutalen Geschehen.

Gleiches gilt auch für die Beschreibung des Antihelden Alex. Obwohl er der Ich-Erzähler seiner Geschichte ist, kommt man ihm doch nicht wirklich nahe. Er ist kein Sympath und macht es dem Leser nicht leicht ihn zu mögen. Seine Handlungen sind grauenhaft, nicht nur durch die Überfälle etc., sondern auch wie er mit seinen hoffnungslosen Eltern umgeht. Trotz allem muss sich der Leser aber der Frage stellen: Verdient ein so schlechter Mensch wie Alex dieses Schicksal? Darf man einen Menschen, möge der Charakter auch noch so verkommen sein, einfach konditionieren, ihm seine freie Entscheidungsgewalt entziehen, ihn unmündig machen? Gibt es keine andere Lösung für die „Resozialisierung“? Ist wirklich jede Hoffnung für Alex  verloren? Das sind die großen Fragen, vor die Burgess seine Leser stellt und die auch nach der Lektüre des Buches noch nachhallen.

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