William Irwin & Dean A. Kowalski: The Big Bang Theory und die Philosophie: Stein, Papier, Schere, Aristoteles, Locke

Sheldon, Lennard, Howard und Raj – die vier Jungs von „The Big Bang Theory“ sind wohl das

skurrilste Quartett, die das Fernsehen zur Zeit zu bieten hat. Ich liebe diese Serie, versuche immer auf dem neuesten Episoden-Stand zu sein und kann mich unheimlich über die vier hochintelligenten Nerds mit den Alltagsproblemen amüsieren. Als ich dann das Buch The Big Bang Theory und die Philosophie entdeckt hatte, war eigentlich schnell klar: Das muss ich einfach lesen! Denn die Inhaltsangabe machte mich total neugierig: „Was würde Aristoteles über Sheldon Coopers Leben sagen? Warum würde Thomas Hobbes die Mitbewohnervereinbarung gutheißen? Und wen würde Immanuel Kant dafür verspotten, unentwirrbare Lügengespinste zu spinnen?“ Das klang für mich nach einer klassischen Win-Win-Situation: Einerseits kann man so viel über die wirklichen Theorien, Philosophien und wissenschaftlichen Aspekte hinter der Serie erfahren. Und andererseits sich natürlich die verrückten Macken der vier Jungs von einem „wissenschaftlichen Standpunkt“ beleuchten – und so die Gags der Kult-Serie noch mehr auskosten. 🙂

Den Einstieg in die verschiedenen Aufsätze fand ich auch wirklich noch unheimlich charmant geschrieben und recht informativ, was den Philosophie-Aspekt angeht. Da geht es zum Beispiel darum, was Aristoteles und Sokrates über das Sinnliche und das Geistige denken – und wie es damit in der Serie bestellt ist. Also was Aristoteles zum Beispiel über Sheldons Vorliebe für MMORPGs hält – für Unwissende wie mich sind das übrigens Massively Multiplayer Online Role-Playing Games 🙂 Interessant fand ich auch das Kapitel über Sprache und wie sie funktioniert. Da ich in der Uni auch einige Kurse Linguistik – also Sprachwissenschaft – belegen musste, kam mir das natürlich bekannt vor und hat Erinnerungen wach gemacht. Aber gerade, weil ich das Uni-Vorwissen hatte, musste ich leider feststellen, dass die wissenschaftlichen Grundlagen dahinter nur ganz grob „angekratz“ wurden. 

 

Und nach dem locker-lustigen Einstieg, der noch richtig Spaß gemacht hat, war für mich schnell die Luft raus. Denn leider waren die wissenschaftlichen Themen – alles natürlich meine persönliche Meinung – danach ehrlich gesagt nicht mehr wirklich spannend gewählt. Benötigt man zum Beispiel wirklich ein ganzes Kapitel, um darüber zu philosophieren, ob Sheldon eventuell Autist ist bzw. autistische Züge hat? Und wenn ja, ob man dann überhaupt über die Serie lachen darf? Ich denke, dass es da bei weitem spannendere Aspekte, die man bei der Vielzahl an Folgen und den darin angerissenen Thematiken hätte auswählen können.

Was ich beim Lesen auch ziemlich anstrengend fand, waren die zahlreichen Wiederholungen. Natürlich braucht ein wissenschaftlicher Artikel bzw. Aufsatz Referenzen und Zitate. Aber hätte man aus der Vielzahl an Folgen von „The Big Bang Theory“ nicht auch ein paar unterschiedliche Stellen auswählen können? Am Schluss dachte ich während des Lesens schon: Wenn ich jedes Mal einen Euro bekommen würde für die Erwähnung der Folge „Die Leuchtfisch-Idee“. Oder für den Wortwechsel zwischen Penny und Sheldon in „Business im Wohnzimmer“:

Sheldon: „Penny, ich bin Physiker. Ich habe fundierte Kenntnisse
über das gesamte Universum und alles, was darin ist.“
Penny: „Wer ist Radiohead?“
Sheldon: „Ich habe bedeutende Grundkenntnisse über die
wichtigen Dinge innerhalb unseres Universums.“
Die Szenen an sich sind natürlich unheimlich witzig – gerade für jemanden wie mich, der die Serie gut kennt, die Episoden öfter gesehen hat und bei dem das Kopfkino dann gleich wieder angeht. Aber wenn diese beiden Stellen in gefühlt jedem zweiten von 17 Kapiteln vorkommt… dann kann man sie irgendwann wirklich nicht mehr „hören“. Außerdem frage ich mich, ob die Autoren da nicht vielleicht einfach ein bisschen unkreativ waren bzw. sich nicht abgesprochen haben, welche Szenen sie auswählen. Denn bei Erscheinen des Buches gab es bereits 4 Staffeln mit insgesamt 87 Episoden. Da muss doch genug Material zu finden gewesen sein, oder? Überhaupt wirkten manche Kapitel auf mich eher so, als wollten sie die Gags der Show erklären. Das ist dann im Prinzip so wie bei Witzen: Wenn man sie erst erklären muss, dann sind sie nicht gut. Dadurch hat das Buch leider unheimlich viel von seinem Charme und seiner – eigentlich so witzigen – Idee verloren. Die Aufsätze sind z.T. mehr Zusammenfassungen einzelner TV-Folgen, als dass sie wirklich die Philosophie hinter den Gags oder dem Verhalten der Figuren aufgreifen. Das fand ich total schade, denn die Inhaltsangabe klang für mich unheimlich vielversprechend und ich mochte die Vorstellung mit diesem Buch einen witzigen Einstieg in verschiedene philosophische Diskurse zu bekommen. So würde ich das Buch wirklich nur Lesern empfehlen, die absolute Fans der Serie sind und noch einmal mit einer leicht anderen Perspektive auf einzelne Folgen und die Charaktere gucken wollen. Jemanden, der einen (locker-lustig-popkulturellen) Einstieg in die Philosophie haben möchte, der sollte sich vielleicht lieber woanders umschauen.
Vielen Dank an rororo für das Rezensionsexemplar!
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