Timur Vermes: Er ist wieder da

Berlin 2011: Auf einem leeren Grundstück mitten in Berlin wacht Adolf Hitler auf und findet sich in
der modernen Welt wieder. Was zunächst wie ein Traum für ihn zu sein scheint, ist Wirklichkeit: Deutschland hat den Krieg verloren, es gab die Mauer, die Wende und nun findet er sich im multikulturellen Berlin wieder und muss sich zurecht finden. Und was macht der gestrandete Diktator? Im Prinzip dort weiter, wo er aufgehört hat. Denn wie es der Zufall so will, wird Hitler – den alle für einen Comedian halten – vom Fernsehen entdeckt und bekommt gleich wieder die Möglichkeit, seine Propaganda an die breite Masse zu senden. Zunächst nur mit kleinen Gastauftritten in der Sendung eines türkischen Komikers – welche Ironie. Doch auch wenn das Publikum alles nur für einen Spaß hält: Hitler ist der Hit, hat hohe Einschaltquoten und wird zum gefeierten YouTube-Star!

Tja, was soll ich sagen? Eigentlich bin ich noch recht sprachlos. Ich habe Timur Vernes Debüt in Form des Hörbuchs – gelesen von keinem geringeren als Christoph Maria Herbst – in die Hände gespielt bekommen. Und als allererstes muss ich sagen: Schrecklich! 6 CDs à jeweils knapp eine Stunde einen Christoph Maria Herbst als Hitler-Kopie hören? Das fand ich wirklich sehr anstrengend! Ja, fast schon eine Zumutung. Zwar wird die Geschichte aus Sicht Hitlers geschildert, aber muss man sich dennoch 6 Stunden Hitler-Dialekt deswegen antun? Für mich war das nur in geringen Dosen und über einen längeren Zeitraum verteilt ertragbar.

Und dann steht man gleich vor dem nächsten Problem: Hitler als ich Erzähler? Will man das wirklich? Will man sich in diese Person einfühlen? Will man seine Gedankengänge nachvollziehen? Denn das schlimme ist: Dieser Hitler wird zwar von seinem Publikum als Witzfigur angesehen. Doch dem Leser bzw. mir als Hörbuchhörer ist genau bewusst, wer da eigentlich grade zu mir sprechen soll – auch wenn das ganze nur auf Fiktion basiert.
Und natürlich passiert, was passieren soll: Man fühlt sich eben doch in diese Figur ein. Erschreckt, wenn man merkt: da hat er aber recht. Und natürlich hat das Ganze eine ganz eigene Komik. Vor allem wenn ein Herr Hitler plötzlich die NPD-Zentrale in Berlin besucht und die Parteiangehörigen als völlig nutzlos beschimpft. Ja, auch wie Hitler „dieses ominöse Internet“ entdeckt ist sehr witzig anzuhören. Für mich als PR-Beraterin, die ja jeden Tag mit der Presse zu tun hat, war es natürlich auch sehr lustig zu hören, wie Hitler mit den Journalisten umspringt und wie diese geschildert wird. Trotz allem hat das (Hör-)Buch für mich persönlich einen faden Beigeschmack, den auch die Tatsache, dass groß Satire drüber steht. Und auch die Aussage, dass „über die Juden keine Witze gemacht werden“ – was immer wieder in die Handlung eingebaut wurde – hat es nicht viel besser gemacht. Ich bin daher nach wie vor zwiegespalten.
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