Siri Hustvedt: Sommer ohne Männer

„Eine Weile nachdem er das Wort Pause ausgesprochen hatte, drehte ich durch und landete im Krankenhaus.“ 
 
Ohne Witz, ich habe das Buch vom meinem SuB genommen, weil mein Freund gerade zwei Wochen verreist ist und ich dachte, der Titel passt daher gerade gut. Gott sei Dank, bin ich nicht im Krankenhaus gelandet 😉
Die Story ist eigentlich nicht wahnsinnig originell, trotzdem hat mir das Buch gefallen. Warum? Wegen des guten Erzählstils mit viel Humor sowie Anspielungen und Vergleichen zu anderen literarischen Werken.

Worum geht es? Die mittelmäßig erfolgreiche Dichterin Mia, Anfang 50, wird plötzlich von ihrem Ehemann für eine andere Frau verlassen. Sie dreht durch und kommt in eine psychiatrische Klinik. Als sie sich wieder erholt hat, beschließt sie den Sommer nicht in New York, sondern bei ihrer Mutter in einer Kleinstadt zu verbringen. Hier versucht sie die Situation zu verarbeiten. Gleichzeitig verbringt sie viel Zeit mit ihrer Mutter und deren Freundinnen im Altersheim und gibt einen Sommerferienkurs für Mädchen in Lyrik und Poesie. Daraus entwickeln sich einige Nebenstorys: Mobbing unter den Mädchen, Sterben unter den 90 Jährigen im Altersheim, Ehekrach bei der Nachbarin, mit der sich Mia anfreundet. Diese Probleme lenken Mia und den Leser ab. Außerdem schreibt ihr jemand anonyme Mails. Anfangs machen sie ihr Angst, doch dann entspinnt sich eine philosophische Diskussion, die sie stärkt und zum Nachdenken anregt. Leider kommt nie raus, wer ihr die E-Mails schickt, das hätte mich brennend interessiert. Schließlich erfährt Mia von ihrer Tochter, dass ihr Mann bei der neuen Frau wieder ausgezogen ist. Er kommt also nach wenigen Wochen wieder angekrochen und will Mia zurück haben. Diese lässt ihn zappeln und um sich werben. Es bleibt am Ende offen, ob sie tatsächlich zu ihm zurückkehrt. Das hat mir gefallen, sonst wäre es zu banal.

Überhaupt ist der Roman alles andere als abgedroschen, obwohl das Thema so klingt. Mann verlässt seine Frau für eine Jüngere ist ja mittlerweile echt ein alter Hut. In „Sommer ohne Männer“ scheint das vielmehr nur der Auslöser zu sein, sich mit dem eigenen Ich zu beschäftigen und sein Leben zu reflektieren und neu zu ordnen. So stellt Mia selber fest, dass sie einen „Charakter aus Kaugummi“ hat. Auch psychische Probleme werden thematisiert und sind kein Tabu: „Paranoia ist auf Ablehnung aus. […] Alle hassen dich. Du bist nichts. Kein Wunder, dass er dich verlassen hat.“ Mia ist hart mich sich selbst und wütend, so wütend wie ein ordentliches Sommergewitter – ein schöner Vergleich. Diese gefühlvolle Erzählweise ist, was mich bei der Lektüren beeindruckt hat. Ebenso, dass wir nicht kleinkariert bei Mia und ihren Problemen bleiben, sondern der Bogen weiter gespannt wird auf größere Gesellschaftsthemen. Es geht also nicht darum, was passiert, sondern was dabei gefühlt wird. Und das fand ich sehr schön.

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